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Scharfschwerdtstraße 43

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Notizen

Von K.P. am 27. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

1879 erläutert der berühmte Geschichtsprofessor an der Berliner Universität seine Ansichten zur politischen Situation der Zeit.

Der Weltgeist ist zum Volksgeist geworden, und der Professor ist das Medium des erregten Volkes. Er inszeniert sich als Sprachrohr des Volkes, indem er verkündet, was dieses in seiner Tiefe politisch will. Das Volk ist politisch, weil es sich gegen einen Feind in Stellung bringt, dessen weichliche Humanität heute als Gutmenschentum bezeichnet würde: Eine "wunderbare, mächtige Erregung" habe die "Tiefen unseres Volkslebens" ergriffen und richte sich "gegen die weichliche Philanthropie unseres Zeitalters".

Dem Volk komme nämlich das Verdienst zu, ein Tabu gebrochen und den politischen Raum für einen Diskurs geöffnet zu haben, dem der Professor nun Sprache verleihen kann. Die "natürliche Reaktion des germanischen Volksgefühls gegen ein fremdes Element" habe "zum mindesten das unfreiwillige Verdienst, den Raum einer stillen Unwahrheit von uns genommen zu haben; es ist schon ein Gewinn, daß ein Übel, das Jeder fühlte und Niemand berühren wollte, jetzt offen besprochen wird".

Was das Volk im tiefsten Gefühl nur instinktiv erfasst, schreibt der Professor in die Koordinaten der wissenschaftliche Rede ein, die sich an der Unterscheidung richtig/falsch orientiert. Seine Erläuterungen bringen aus dem Volksgefühl einen wahren Diskurs zu Tage. Denn der "Instinkt der Massen" habe im Juden eine "schwere Gefahr, einen hochbedenklichen Schaden des neuen deutschen Lebens richtig erkannt".

Was nur instinktives Gefühl war, erhält universitäre Legitimation. Und: weil das völkische Gefühl in gelehrte Rede übersetzt werden kann, weiß dieses sich im Volksgefühl tief begründet. Die antisemitische Bewegung sei heute gewiss nicht "hohl und grundlos wie einst die teutonische Judenhetze des Jahres 1818", sondern eine "natürliche Reaktion des germanischen Volksgefühls gegen ein fremdes Element, das in unserem Leben einen allzu breiten Raum eingenommen hat".

So wird die Rede des Geschichtsprofessors mit dem germanischen Volksgefühl kurzgeschlossen. Dieser Kurzschluss nennt sich im deutschen Bürgertum (1879) Bildung.

Bis in die Kreise der höchsten Bildung hinauf (...) ertönt es heute wie aus einem Munde: die Juden sind unser Unglück.

Bildung heißt die Formierung des Deutschen, die Herstellung völkischer Homogenität durch totale Integration aller fremden Elemente. Seine jüdischen Mitbürger sollten

Deutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen - unbeschadet ihres Glaubens und ihrer alten heiligen Erinnerungen, die uns allen ehrwürdig sind; denn wir wollen nicht, dass auf die Jahrtausende germanischer Gesittung ein Zeitalter deutsch-jüdischer Mischkultur folge.

Wann haben die ersten Vergasungen in Auschwitz begonnen?

(Zeuge:) Etwa Ende 1941. Sie fanden im Keller des Blocks 11 statt. Uns Krankenpflegern wurde befohlen, Kranke in diesen Block zu bringen. Am Abend vorher haben wir gehört, wie russische Kriegesgefangene an den Blöcken vorbeigetreiben wurden. Sie haben geschrien, weil sie geschlagen wurden, und wir haben sie an der Sprache erkannt. Ich erinnere mich an den Ruf: "Bitte um Erbarmen!" Das war nach dem Abendappell.

(Vertreter der Nebenklage:) Woher wissen Sie, daß diese dann vergast worden sind?

(Zeuge:) Nach drei Tagen mußte das Häftlingspersonal des Krankenhauses in den Block 11, um die Kellerräume zu leeren. Ich habe dort selbst gesehen, wie auf sehr engem Raum eine große Anzahl von Menschen zusammengepreßt war. Sie hatten sich offensichtlich zu den Öffnungen gedrängt, wo sie frische Luft erhofften. Wir konnten die Räume erst drei Tage später betreten. Eine Entlüftung vorher war notwendig. Dort befanden sich einige hundert Tote. Die Leichen wurden auf Wagen an eine Stelle hinausgeführt, wo tags zuvor von Häftlingen Massengräber vorbereitet werden mußten. (Langbein, Hermann: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation)

Die SS hat alles Mögliche getan, um die Spuren der Vernichtung zu verwischen, Oberstes Gebot war, dass keinerlei Hinweise zurückbleiben durften. Man organisiert Transporte, fährt fort zu vergasen und zu verbrennen, während die Front sich auf wenige Kilometer den Lagern nähert und die Wehrmacht auf alles angewiesen ist, was an Menschen und Material noch übrig war. Es sollte eine ‚Endlösung’ sein, die ‚Judenfrage’ ein für allemal beantwortet werden. Man durfte nicht auf halbem Wege stehen bleiben, denn es galt, dem Endlosen, dem nicht enden Wollenden ein Ende zu setzen (Jean-Francois Lyotard)

Gedankenlos

Die Taten waren ungeheuerlich, doch der Täter - zumindest jene einst höchst aktive Person, die jetzt vor Gericht stand - war ganz gewöhnlich und durchschnittlich, weder dämonisch noch ungeheuerlich. Nichts deutete an ihm auf feste ideologische Überzeugungen oder besondere böse Beweggründe hin; das einzig Bemerkenswerte an seinem früheren Verhalten wie auch an seinem jetzigen vor Gericht und in den vorangegangenen Polizeiverhören war etwas rein Negatives: nicht Dummheit, sondern Gedankenlosigkeit. (Hannah Arendt)

Laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung zu den deutsch-israelischen Beziehungen will allerdings eine große Mehrheit der Deutschen die Geschichte der Judenverfolgung lieber hinter sich lassen und sich stattdessen gegenwärtigen Problemen widmen. Einen regelrechten Schlussstrich wollen demnach 58 Prozent der Befragten ziehen. Bei den 40- bis 49-Jährigen ist es jeder Zweite, bei den über 60-Jährigen sogar 61 Prozent. (Deutsche wollen mit Holocaust abschließen )

CDU Kremmen 27. Januar

Das Abendland, am Ende

Gott ist in Auschwitz tatsächlich gestorben, jedenfalls der Gott des griechisch-christlichen Abendlands, und es entbehrt nicht des geringsten Zufalls, daß die, die man vernichten wollte, in diesem Abendland für einen anderen Ursprung des Gottes zeugen [...], für einen anderen Gott [...], der frei blieb von der hellenistischen und römischen Umfassung und eben darum das Programm der Vollendung durchkreuzt. (Philippe Lacoue-Labarthe)

Wut(bürger) gegen die Zivilisation

Die Wurzeln sind in den Verfolgern zu suchen, nicht in den Opfern, die man unter den armseligsten Vorwänden hat ermorden lassen. Nötig ist, was ich unter diesem Aspekt einmal die Wendung aufs Subjekt genannt habe. Man muss die Mechanismen erkennen, die die Menschen so machen, dass sie solcher Taten fähig werden, muss ihnen selbst diese Mechanismen aufzeigen und zu verhindern trachten, dass sie abermals so werden, indem man ein allgemeines Bewusstsein solcher Mechanismen erweckt. Nicht die Ermordeten sind schuldig, nicht einmal in dem sophistischen und karikierten Sinn, in dem manche es heute noch konstruieren möchten.

Schuldig sind allein die, welche besinnungslos ihren Hass und ihre Angriffswut an ihnen ausgelassen haben. Solcher Besinnungslosigkeit ist entgegenzuarbeiten, die Menschen sind davon abzubringen, ohne Reflexion auf sich selbst nach außen zu schlagen. Erziehung wäre sinnvoll überhaupt nur als eine zu kritischer Selbstreflexion. Da aber die Charaktere insgesamt, auch die, welche im späteren Leben die Untaten verübten, nach den Kenntnissen der Tiefenpsychologie schon in der frühen Kindheit sich bilden, so hat Erziehung, welche die Wiederholung verhindern will, auf die frühe Kindheit sich zu konzentrieren. Ich nannte Ihnen Freuds These vom Unbehagen in der Kultur. Sie ist aber umfassender noch, als er sie verstand; vor allem, weil unterdessen der zivilisatorische Druck, den er beobachtet hat, sich bis zum Unerträglichen vervielfachte. Damit haben auch die Tendenzen zur Explosion, auf die er aufmerksam machte, eine Gewalt angenommen, die er kaum absehen konnte. Das Unbehagen in der Kultur hat jedoch - was Freud nicht verkannte, wenn er dem auch nicht konkret nachging - seine soziale Seite. Man kann von der Klaustrophobie der Menschheit in der verwalteten Welt reden, einem Gefühl des Eingesperrtseins in einem durch und durch vergesellschafteten, netzhaft dicht gesponnenen Zusammenhang. Je dichter das Netz, desto mehr will man heraus, während gerade seine Dichte verwehrt, dass man heraus kann. Das verstärkt die Wut gegen die Zivilisation. Gewalttätig und irrational wird gegen sie aufbegehrt. (Theodor W. Adorno)

In der Gruppe Nein zum Heim in Oranienburg wird bei Facebook zu rassistischen Demonstrationen besorgter Bürger in der Kreishauptstadt mobilisiert. Dort konnte man heute (26. Januar 2015) lesen:

KZ - Kein Heim - Durin

Treitschke

Als sich der deutsche Geschichtsprofessor Heinrich v. Treitschke nach der Veröffentlichung seiner Schrift "Unsere Aussichten" (1879) in eine heftige Kontroverse verwickelt sah und sich gegen den Vorwurf antisemitischer Mobilisierung verteidigen musste, erfand er die rhetorische Volte, mit der bis heute der bürgerliche Agitator, der nur ganz sachlich, hart und nüchtern sagen will, was man vermeintlich nicht öffentlich äußern darf, sich gegen Kritik immunisiert, indem er dem Gegner für "politisch korrekt" und zum "guten Menschen" erklärt:

Das ganze Füllhorn deutscher Entrüstungssuperlative wurde über mich hinab geschüttet.

Von K.P. am 24. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

In Oberhavel wird der Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit fast immer ohne Beteiligung der so genannten bürgerlichen Kräfte geführt.

Der Protestzug der Flüchtlingsgegner orientierte sich an den Forderungen der Pegida-Bewegung in Dresden. In Oranienburg weisen die Organisatoren weiterhin jegliche Einstufung als rechten Aufzug von sich. Clever argumentieren sie, sie seien gegen Sammelunterkünfte, da diese unmenschlich seien. Tatsächlich agiert die NPD im Hintergrund. Das Fronttransparent trug ein Stadtverordneter der NPD aus dem Havelland, mindestens ein Transparent wurde von Oberhaveler NPD-Aktivisten getragen und auch die Lautsprechertechnik wurde erneut von Aktivisten der NPD-Parteijugend betreut. In der Demonstration selbst waren weitere Funktionäre der NPD, darunter die Landesgeschäftsführerin der Partei, Aileen Rokohl. Die überwiegende Anzahl der Teilnehmer waren junge, teilweise vermummte Männer. (Brauner Aufmarsch in Oranienburg)

Bei Facebook antwortet der Landratskandidat der CDU auf die Frage, wo denn die CDU war, als diese Gegner einer offenen Gesellschaft durch Oranienburg marschierten und inwiefern ein Landrat neutral gegenüber Fremdenfeindlichkeit sein kann, so:

Liebe Diskutanten, ist doch wohl unstrittig, dass wir als Kommunalpolitiker demokratischer Parteien zur freiheitlich demokratischen Grundwerten unserer Gesellschaft stehen. Dazu gehört gerade, zu hören, zu sehen und zu reden. Was garnicht geht sind im demokratischen Kanon Vorurteile und Intransparenz. Wir stehen doch im Kern zusammen, mag es auch in dessen Interpretation unterschiedliche Antworten und Lösungsansätze geben. In diesem Sinne.

Rink zur Demo gegen Nazis

Das ist das Gegenteil einer Haltung.

Immerhin distanziert man sich auch von Trittbrettfahrern ... 

Heider zur Sicherheit - gegen Trittbrettfahrer

... entscheidend aber wäre endlich klar Position zu beziehen und Verantwortung zu übernehmen, so dass die Trittbrettfahrer gar nicht erst auf den Gedanken kommen, sie könnten auf den Zug der CDU springen.

Derweil in Freiburg: Es war die größte Demonstration in der Stadtgeschichte: 20.000 Menschen sind in Freiburg auf die Straße gegangen und haben gegen Intoleranz und Islamfeindlichkeit protestiert.

Von K.P. am 24. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Schaut man sich die Programme der Landratskandidaten in Oberhavel an, fällt auf, dass die Kandidaten von CDU und SPD das Thema Asyl- ud Flüchtlingspolitik wohl nicht für relevant halten.

In der Ausländerbehörde des Landkreises muss der Dialog aller Beteiligten und die Integration von Migranten und Migratinnen und Flüchtlingen im täglichen Umgang gelebt werden. Wir müssen ihnen mit Respekt und Hilfe begegnen. Sie brauchen umfassende Integrations- sowie Erziehungs-, Schul- und Ausbildungsangebote für ihre Kinder. Hier ist mir der Dialog mit Betroffenen, den ehrenamtlich arbeitenden Initiativen und den Flüchtlingen selbst, besonders wichtig. Weitere Gemeinschaftsunterkünfte sollen möglichst vermieden und Flüchtlinge vorrangig dezentral in Wohnungen untergebracht werden. (von Gizycki)

OHV ist bunt statt braun Menschenwürde, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind unumstößliche Grundrechte, die es besonders zu schützen gilt. Deshalb ist es von Bedeutung, Werte wie Antifaschismus und Antirassismus in der Gesellschaft fest zu verankern. (Kullack)

Dem Programm der LINKEN sind zudem eine ganze Reihe konkreter Maßnahmen zu entnehmen.

In Oberhavel ist völkischer Nationalismus längst Alltagskultur. Wer hier also Haltung zeigt, riskiert Stimmenverlust. Der Kandidat der SPD zeigt immerhin Präsenz auf der Demonstration gegen den Abendmarsch der extremen Rechten in Oranienburg.

Und die bürgerliche Partei? Sollte sich die Wahlstrategie der CDU darauf beschränken: ganz unbestimmt mehr Sicherheit zu fordern, um damit auch die Stimmen zu gewinnen, die Sicherheit nur für Deutsche und vor allem Fremden verlangen? Wenn nicht, muss sich auch die CDU endlich gegen die Aufmärsche der extremen Rechten und für eine liberale Asylpolitik im Kreis positionieren.

Von K.P. am 24. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Ob auf Demonstrationen zur Rettung des Abendlandes oder bei Facebook - wir können zur Zeit beobachten, wie sehr die Enthemmung des rassistischen und völkischen Mobs bereits fortgeschritten ist.

Nein zum Heim lautet heute der Ersatz für die Kampfformel Ausländer raus und Abendspaziergänge sind eine Plattform für die Mobilisierung der extremen Rechten, die auf die Durchsetzung ethnisch homogener Volksgemeinschaft setzt.

Auch in Oranienburg/Oberhavel/Brandenburg wird die rassistische Aggression öffentlich vorbereitet und mit Beifall aufgenommen. Bei Facebook kann man das Weltbild der rassistischen Sympathisanten erkunden, die bei ihren Postings kaum Hemmungen zeigen. Selten, dass der eigenen Name nicht genannt wird. Und das offensichtlich deswegen, weil ihnen ihm Alltag nicht widersprochen wird, der Wahn längst zur Alltagskultur geworden ist.

Wenn mit dem Abfackeln von Asylantenheimen zum Sturm geblasen wird, hat einer ihrer dümmsten Mitläufer nur etwas zu laut ausgeplaudert, worauf die Enthemmung zielt. Durch Wut formiert sich der Mob. Andere sind vorsichtiger, artikulieren (wie zwanghaft auch immer) ihr Ressentiment und geben die Drohung als Warnung aus.

OHV - Simone Frieb

OHV - Rick Joschko

OHV - Nadine Steffen

OHV - Roccy Stumpf

Darüber, wer sich auf diesen Spaziergängen sehen lässt, können wir uns ein Bild machen. Die Lügenpresse macht ihre Arbeit, den lokal engagierten Journalisten sei Dank.

Wer nicht hinsehen will und dem Phänomen reflexhaft mit dem Verweis auf Meinungsfreiheit, gar politischer Neutralität begegnet, verkennt die fortschreitende Enthemmung und trägt nichts dazu bei, Perspektiven gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu entwickeln.

Von K.P. am 22. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Gedanken sind frei, aber nicht folgenlos, hat Jacob Taubes einmal gesagt. Das gilt erst Recht für politische Meinungen.

Sie haben nicht nur Konsequenzen, sondern sind immer auch Teil einer kommunikativen, sozialen und kulturellen Praxis. Sie werden nicht in der reinen Innerlichkeit einer unschuldigen Seele geäußert, sondern verstrickt in politische Kontexte.

Auf Demonstrationen suchen Meinungen nach Anschluss und bekunden einen politischen Willen. Sie werden in einem taktischen Feld geäußert und zielen auf rhetorische Effekte. Sie können deswegen selten buchstäblich verstanden und wiedergegeben, sondern müssen analysiert und eingeordnet werden. Erst dann wird klar, was eine Meinung (politisch) will.

In einem Artikel der MAZ zu der Demonstration meist jugendlicher (und männlicher) Nationalsozialisten in Oranienburg fällt die Reflexion auf die Folgen und den politischen Kontext ihrer Meinung völlig aus.

Zwei Meinungslager zum Thema Asyl prallten gestern Abend bei Kundgebungen in Oranienburg aufeinander.  (Protest bei "Abendspaziergang" in Oranienburg)

Das klingt, als sei alles egal, als hätte die eine Meinung keine tödlichen Folgen für die, die nicht zu dem Volk gehören, das die Rassisten bei diesem Abendspaziergang zu repräsentieren meinen.

Gerade mit journalistischer Objektivität hat das nichts zu tun, denn zur objektiven Analyse sollte die Einbettung der Demonstration und der Meinungen der Teilnehmer in ein Feld politischer Strategie gehören.

Kurz gesagt: Wer auf einer von Nationalsozialisten (mit) inszenierten Veranstaltung von Asylkritik redet, spricht eine Todesdrohung aus. Im Ernstfall wird die Meinung von der Gefolgschaft verstanden und zum Abfackeln eines Asylbewerberheims aufgerufen.

(Und sicher wäre der Artikel besser ausgefallen, müsste er nicht gleich eine Stunde nach der Demonstration veröffentlich werden. Nicht nur Meinungsbildung, sondern Analyse braucht Zeit. Auch diese.)

Von K.P. am 21. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Wassertreten im Strom Lethe ... Daniel Bensaid (1998) über dringliche Reformen, politische Entscheidungen und die linke (sozialdemokratische) als Kopie der rechten Mitte.

Eine wirkliche Reformpolitik erfordert eine umfassende Steuerreform, eine ernsthafte Besteuerung zu Spekulationszwecken verwendeter Vermögen, eine drastische Senkung der Mehrwertsteuer und eine progressive Kapitalertragssteuer, um den produzierten Reichtum umzuverteilen, ohne die Nachfrage abzuwürgen. Nötig wären eine europäisch abgestimmte Besteuerung spekulativer Kapitalbewegungen, die Aufhebung des Bankgeheimnisses und die Abschaffung der Steueroasen. Nötig wären desweiteren eine Ausweitung (statt eines Abbaus) der sozialen Sicherungssysteme, eine aktive Infrastrukturpolitik und der Ausbau der öffentlichen Versorgungsbetriebe und Dienstleistungen, verbunden mit einer europaweiten gesellschaftlichen Aneignung von Gemeinschaftsleistungen wie Wasser- und Energieversorgung, Transport und Verkehr. Unabdingbar wäre schließlich auch das Verbot von Massenentlassungen in Großunternehmen, die Erhöhung der sozialen Mindestsicherung und der Niedriglöhne sowie abgestimmte und zwingende Maßnahmen zur schrittweisen Arbeitszeitreduzierung auf 32 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich.

Source: DER DRITTE WEG DER SOZIALDEMOKRATISCHEN ELITEN: Viel alter Wein und viele neue Schläuche

Von K.P. am 21. Januar 2015 keine Kommentare

Archive

Wassertreten im Strom Lethe ... Sabine Kebir (2001) über die Schlacht des Westens gegen das Böse.

Es wird sehr darauf ankommen, ob Terrorismus nicht nur als "Menschenrechtsverbrechen" oder das "Böse" schlechthin gegeißelt, sondern in seiner sehr komplizierten Verflechtung mit sozialen und kulturellen Interessen begriffen wird.

In einer unheimlichen, öffentlich kaum zur Sprache gebrachten Allianz mit Saudi-Arabien verbreitete sich auch im Westen ein kulturalistisch ethnisiertes Weltbild, das die angebliche Demokratieunfähigkeit des Islam je nach Bedarf, einmal zum kulturellen Recht, einmal zum entscheidenden Makel erklärte.

Nicht nur der Westen an sich, auch ein Großteil der Linken überließ die Demokratiebewegung in der islamischen Welt einem grausamen Schicksal. In Algerien kostete das Hunderttausende von Menschenleben. Es kamen aus Westeuropa unablässig zynische Ermahnungen, die Islamisten doch an der Regierung zu beteiligen.

...

Tritt in den Spiegel. Die Schlacht gegen das "Böse" Der Westen attackiert seine Helfer von einst

Von K.P. am 21. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Fundamentalismus ist das Gespenst, das über der posthistorischen Landschaft des liberalen Westens schwebt.

Symptome posthistorischer Apathie: (1.) ein grund- und perspektivloser Diskurs der Meinungsfreiheit, aus dem die Idee der Wahrheit verschwunden ist - (2.) eine ästhetische Form der Toleranz, der alle Bilder gelingenden Lebens gleich egal sind - (3.) eine Wertediskussion, in der Marktkonformität die Lösung jedes Wertproblems ist.

Im Posthistoire hat man es satt, kennt aber keinen Hunger.

Der selbstgefällige und faul gewordene Liberalismus (der also, der seine sozialistischen Pointen und regulativen Ideen verdrängt) hat mit seinen Grundwerten die Löcher der Negativität gestopft und damit sich selbst zum ohnmächtigen Zuschauer des universalen Horrors gemacht. Auch ein Stück aus der Dialektik der Aufklärung: Freiheit heute, das heißt, dass alles gleich und egal ist.

Das Paradox ist, dass der Liberalismus allein nicht stark genug ist, um diese Werte gegen den fundamentalistischen Ansturm zu retten. Der Fundamentalismus ist eine Reaktion – eine falsche, mystifizierende natürlich – gegen einen echten Makel des Liberalismus, und deshalb erzeugt der Liberalismus immer wieder neuen Fundamentalismus. Sich selbst überlassen, wird der Liberalismus sich langsam selbst untergraben – das Einzige, was seine Grundwerte retten kann, ist eine neue Linke.

Um seine zentralen Werte wirklich zu retten, braucht der Liberalismus die brüderliche Hilfe der radikalen Linken. Dies ist der einzige Weg, um den Fundamentalismus zu besiegen, ihm den Boden unter den Füßen wegzufegen. Über die Morde in Paris nachzudenken, heißt also die Selbstgefälligkeit des toleranten Liberalen fallen zu lassen und zu akzeptieren, dass der Konflikt zwischen liberaler Freizügigkeit und Fundamentalismus letztlich ein falscher ist – ein Teufelskreis zweier Pole, die sich gegenseitig hervorbringen und bedingen.

Was Max Horkheimer in den dreißiger Jahren über Faschismus und Kapitalismus sagte – „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ –, sollte man auf den Fundamentalismus von heute anwenden: Wer nicht kritisch über die liberale Demokratie reden will, sollte auch vom religiösen Fundamentalismus schweigen.(Slavoj Žižek)

Source: Verunsicherte Fundamentalisten

Von K.P. am 18. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Aus einem Flyer der von Bazon Brock geleiteten AG Kultur und Strategie - Kunst und Krieg, zitiert von Klaus Theweleit in seinem Buch über die Folgen des 11. September: "Der Knall".

Die Politik der kulturellen Identität besteht darin, Minoritäten innerhalb von Majoritätsgesellschaften anzustifen, ihre je kulturelle Autonomie zu behaupten, zur Not mit Gewalt. (...) Die Begriffserfindung der kulturellen Identität hat keine reale Entsprechung, sie ist ein Kontrafaktum, eine Konstruktion zur Erpressung der zu ihr gehörigen und zur ausbeuterischen Ausgrenzung aller nicht zu ihr gehörigen.

Von K.P. am 12. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Es ist schon auf symptomatische Weise ein Zeichen religiöser Unaufrichtigkeit, wahrscheinlich sogar eher Blindheit, wenn christlich-konservative Politiker in Deutschland weiter für die Strafbarkeit von Gotteslästerung eintreten.

Der Blasphemieparagraf 166 StGB verbietet, das religiöse Bekenntnis oder eine Religionsgemeinschaft in einer Weise zu beschimpfen, "die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören". Möglich sind bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe.

Als ob nicht der am Kreuz gestorbene Gott genau das war: Gotteslästerung (nämlich der heroisch-strahlenden Götter des Heidentums) und Störung des öffentlichen Friedens (nämlich des römischen Imperiums).

Christlich erlaubt ist also schon immer Götterlästerung, Gotteslästerung jedoch nicht.

Von K.P. am 10. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Im Netz kursiert ein fälschlich Aristoteles zugeschriebenes Zitat, mit dem Toleranz als Tugend einer untergehenden Gesellschaft identifiziert wird.

Geschulte Ohren hören das hohle (Untergangs-)Pathos, die nietzscheanische Attitüde, das Epigonentum.

Und Aristoteles kennt vielleicht die Sache, aber nicht den Begriff der Toleranz. Auch die Sache wird erst unter dem monotheistischen Absolutheitsanspruch virulent, denn polytheistisch ist Toleranz nicht das Problem, der griechische Götterhimmel ist integrativ.

Und selbst wenn das Zitat korrekt wäre, historisch bliebe es schlichtweg falsch, zumindest dann, wenn man weiß, dass mit dem Westfälischen Frieden, dem wir die Bewegung zur Toleranz nach dem konfessionellen Bürgerkrieg zu verdanken haben, gleichsam die europäische Geburtsurkunde unterzeichnet wurde.

Woher stammt das Zitat also?

Vermutlich handelt es sich dabei um eine eingedeutschte Version des seit einigen Jahren in konservativen englischsprachigen Foren kursierenden Satzes "Tolerance is the last virtue of a depraved society" aus dem kurzen Text "The New Tolerance" des konservativen evangelikalen Predigers D. James Kennedy aus dem Jahr 2007. Dieser prangert dort, wenig überraschend, den vorgeblichen moralischen Relativismus der Moderne an und zeichnet dabei den Vorwurf der Intoleranz als neue Waffe der Progressiven.

Aber man kann auch noch das Urbild dieser konservativ-evangelikalen Formel erkennen, mit der christlicher (abendländischer) Fundamentalismus zum Angriff auf den Relativismus der Moderne bläst. Geprägt hat es Moeller van den Bruck. Mit den Worten "Am Liberalismus gehen die Völker zu Grunde" ist in seinem für die Ideologie des Nationalsozialismus maßgeblichen Hauptwerk "Das dritte Reich" (1923) der dem Todfeind "Liberalismus" gewidmete Aufsatz überschrieben, der seit je zur Standardlektüre bei den Gebildeten unter den Nationalsozialisten zählt.

Das falsche Zitat wird sich auch im Poesialbum des geläufigen PEGIDISTEN finden. Die Führer und intellektuellen Brandstifter wissen genauer, was gemeint ist.

Gefährdet ist die Gesellschaft also nicht durch Toleranz, sondern durch ihre Verächter.

Von K.P. am 10. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Die Menschen, gerade die engagierten, gruppieren sich heute zwecks Identitätsfindung in Klein- und Großgruppen, in Vereinen, Initiativen, Parteien und anderen Banden - um sich dann in Ritualen der Distanzierung zu üben, wenn sie merken, dass sie in ihrem Racket unter die Räder kommen.

Denn das Gesetz der Rudelbildung ist nicht authentische Identitätsbildung, sondern massenhafte Konformität durch Gefolgschaft. Und die zerbricht regelmäßig, wenn der Anpassungsdruck zu groß geworden ist.

Dann wird gejammert: nicht in meinem Namen.

Weil abstrakte Identität aber das Prinzip der warenförmigen Gesellschaft ist, lernt das total vergesellschaftete Subjekt aus der Desillusionierung nichts, sondern unterwirft sich zwanghaft dem nächsten Kollektiv und seinem Heil(ung)sversprechen - statt einfach das zu tun, was notwendig wäre: im eigenen Namen zu sprechen und dem eigenen Begehren zu folgen ... mit schwacher Stimme, gebrochen und offen für den Einspruch des Anderen.

Von K.P. am 07. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Die Gruppe "Nein zum Heim in Oranienburg", die für den völkischen Spaziergang durch die Kreisstadt am 17. Dezember 2014 mobilisiert hat, kopiert bei Facebook zum neuen Jahr einen Text, der gerade in der nationalsozialistischen (Internet-)Szene kursiert. Mit dem Slogan "Ich will, dass ihr wütend werdet!" sollen die (Montags-)Demonstranten enthemmt werden.

Wütend werden

So sieht ein Führerbefehl im Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit aus. Dass der Führer, der befiehlt, was seine Gefolgschaft fühlen soll, durch die serielle Verbreitung anonym geworden ist, erhöht die Identifikationsbereitschaft. Mit Texten dieser Art kann der autoritäre Charakter eigene Leidenschaft plakatieren. Sie funktionieren als Lizenz zur Selbstermächtigung. Wenn alle wütend sind, dann kann ich auch wütend sein.

Das erklärt auch, wie das Schweigen des Dresdener und anderer Demonstranten ins Szene gesetzt und instrumentalisiert werden soll. Denn wer redet, verliert die Wut, weil mit dem Dialog das Moment der (Selbst-)Reflexion wächst. Das Dresdener Schweigegebot ist deswegen neben dem Rede- auch ein Denkverbot. Der Kessel soll brodeln, bis er explodiert. Die Wut wird als Destruktionsenergie produziert.

Ziel der Nazionalsozialisten ist die Meute für den Angriff zu rekrutieren. Nur sollen diesmal nicht nur die sozial Deklassierten die Brandsätze zünden, sondern die bürgerliche Mitte wird - während in der FAS Konrad Adam dem bildungsbürgerlichen Retter des Abendlandes mit historischen Anekdoten kommt, um den Ernst der Lage zu (er-)klären - zur direkten Aktion getrieben. Die Biedermännern sollen nicht nur ideologisch, sondern auch tatsächlich zu Brandstiftern werden.

Die Gefolgschaft reagiert prompt - und ruft zum Abfackeln der Unterkünfte in Lehnitz auf:

Abfackeln

Der Kommentar ist mitterweile gelöscht worden, auch das Profil scheint entfernt worden zu sein. Am Ende will es wieder keiner gewesen sein.

Von K.P. am 06. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Sehr guter, weil grundsätzlicher Artikel von Götz Eisenberg über PEGIDA - über den Faschismus der Gefühle, die Mitte als Gütesiegel und aufklärerisch-demokratische Praxis. Zur Orientierung drei Zitate.

Die Menschen, die unter dem Banner von PEGIDA demonstrieren, begreifen sich selbst als Mitte der Gesellschaft. (...) Wenn man mir mit dem Verweis auf die "Mitte der Gesellschaft" kommt, als wäre das ein demokratisches Gütesiegel, bin ich deswegen stets versucht zu sagen: „Genau, das ist es ja gerade. Da stammt er ja her, der Nationalsozialismus. Dass man der Mitte der Gesellschaft entstammt, heißt doch noch lange nicht, dass man kein Nazi sein kann.“

Der durchschnittliche Erwachsene dieser Kultur ist ein Produkt von Wunschvernichtung und verinnerlichter Repression. Immer, wenn ihm außerhalb seiner etwas begegnet, das auf ein Mehr an Freiheit und Glück hindeutet oder das einfach nur anders ist, „geht ihm das Messer in der Tasche auf“. Der autoritär erzogene Mensch wird eine Neigung davontragen, das, was er selbst unter Schmerzen in sich abtöten und begraben musste, aus sich herauszusetzen und dort am Anderen zu bekämpfen und zu vernichten. Auf der Basis eines an seiner Entfaltung gehinderten, durch pädagogische Dressur partiell getöteten Lebens entwickelt sich eine konformistische Bösartigkeit, ein Zugleich von Anpassung und Aggression. Ihr wohnt eine Tendenz inne, sich am Anderen schadlos zu halten und zu verfolgen, was einem lebendiger vorkommt. (...) Dieser Faschismus der Gefühle oder der Gefühllosigkeit ist zu verstehen als eine Parteinahme für das Abgestorbene und Tote in der eigenen Person. Faschismus oder Nicht-Faschismus sind also in erster Linie eine Frage der Achtung und Verachtung des Lebendigen und erst dann eine im engeren Sinn politische Entscheidung für Links oder Rechts.

Der faschistische Agitator und die politische Rechte betreiben, hat Leo Löwenthal gesagt, "umgekehrte Psychoanalyse". Statt das dumpf im psychischen Untergrund Schwelende und die frei flottierenden Ängste über sich selbst aufzuklären und ins Bewusstsein zu heben, wie es psychoanalytische und aufklärerisch-demokratische Praxis wäre, eignen sie sich diesen Rohstoff so an, wie er bereit liegt, und setzen ihn für ihre Zwecke in Gang. Sie rücken den verunsicherten Menschen einen Feind zurecht, den sie für ihr Unglück verantwortlich machen können. In Zeiten verbreiteter Verunsicherung und Desorientierung steigt das Bedürfnis nach entlastenden Vereinfachungen, und wer die simpelsten Polarisierungen liefert, hat die besten Aussichten, Gehör und Gefolgschaft zu finden. Wirkliche Aufklärung – unter striktem Verzicht auf alles Populistisch-Reklameähnliche – ist dagegen mühsam und schmerzhaft.

Source: Extremismus der Mitte

Von K.P. am 06. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Aram Ockert, Gründungsmitglied der Grünen, erklärt seinen Austritt.

Unter allen potenziellen Regierungsparteien gibt es einen Wettbewerb: Wer als erster einen Inhalt, der polarisierungsfähig wäre, verkündet, hat verloren. Diese Parteien bieten sich als Projektionsflächen auf Basis bestimmter Kompetenzvermutungen an. Die Grünen profitieren davon, dass das Thema Ökologie ihnen als Kompetenz zugeschrieben wird. Und sie erwecken den Anschein, dass Ökologie und Ökonomie wunderbar vereinbar wären.("Jetzt ist Schuss")

Noch besser erklärt (wenn auch im ideologischen Kauderwelsch) deswegen Parteivorstand Cem Özdemir gerade die Lage. Er

will die Grünen zu einer Partei machen, in der sich auch Unternehmer und Gründer wohl fühlen. "Das Schöne ist, dass es durch das, was man heutzutage als Industrie 4.0 oder Digitalisierung bezeichnet, Schnittmengen und Gemeinsamkeiten mit den Interessen der Wirtschaft einerseits und andererseits mit den Interessen der Ökologie gibt", sagt Özdemir. "Weil man eben mit Industrie 4.0 und mit Digitalisierung einen deutlich reduzierten Bedarf an Rohstoffen braucht."

Von K.P. am 06. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Die Masken fallen - und der Ernstfall steht an.

Mit der (Re-)Politisierung der Öffentlichkeit wächst auf allen Seiten das Begehren nach Eindeutigkeit, Klarsicht und Durchblick. Eine politische Rhetorik des Ernstfalls wird geübt. Man will auf der richtigen Seite stehen und mit offenem Visier dem Feind in's Auge blicken.

So schlägt gleich auch die Stunde der großen Vereinfacher, deren täglich Brot die Parolen der Menge sind.

Von K.P. am 06. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Die Feinde der repräsentativen Demokratie sitzen heute im Parlament. Sie betreiben Politik als Akzeptanzgewinnungsveranstaltung.

Wir müssen die Akzeptanz in der Bevölkerung verbessern, das wird eine Riesen-Herausforderung. (Brandenburg hält an Großmastanlagen fest)

Politik, heißt das, ist Einsicht in die (alternativlose) Notwendigkeit. Medium dieser rein sachpolitischen Erleuchtung ist die Partei und der (Berufs-)Politiker ihr Priester. Die Herausforderungen der Politik sind deswegen Akzeptanzgewinnungsmaßnahmen. Wenn der unmündige Bürger das Notwendige jedoch nicht akzeptiert, wird er aus der politischen Kultgesellschaft ausgeschlossen. Gesellschaft erscheint deswegen heute als Menge der Exkommunizierten.

Das ist Stalinismus unter marktkonformen Bedindungen. (Und die Situation, aus der in Dresden ein völkischer Ausweg gesucht wird, der Demokratie durch Akklamation und Gefolgschaft ersetzen würde.)

Von K.P. am 05. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Gerechtigkeit als gleiche Armut für alle (im Süden). Darum geht's Merkel und Oppermann. Worum's bei Syriza geht, steht in dieser Dokumentation.

O que fará um Governo Syriza?

O ano que aí vem terá eleições em vários dos países da crise: desde logo, na Grécia, na Espanha e em Portugal. A União Europeia precisa de ver representados — inclusivé ao nível governativo — os milhões de cidadãos que procuram uma alternativa às atuais políticas de austeridade num quadro democrático, cívico e de defesa dos seus valores fundadores e dos princípios da Carta Europeia dos Direitos Fundamentais, tão esquecidos nos últimos anos. (Deixem a democracia funcionar, a bem do povo grego e do futuro da União)

Während in Dresden für den völkischen Ernstfall mobilisiert wird, stehen in Griechenland, Spanien und Portugal auch emanzipatorische Alternativen zur Wahl - gegen das Europa Merkels und für die europäischen Grundrechte.

Wir lehnen die Vorstellung der Bundeskanzlerin Merkel von einer „marktkonformen Demokratie“ ab, nach der ganz Europa funktionieren soll.

Von K.P. am 03. Januar 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Selbstbestimmung, schreibt Herbert Marcuse 1964, wird in dem Maße real sein, wie die Massen in Individuen aufgelöst worden sind.

Was wir ablehnen, ist nicht ohne Wert oder Bedeutung. Eben deshalb bedarf es der Weigerung. Es gibt eine Vernunft, die wir nicht mehr akzeptieren; es gibt eine Erscheinung von Weisheit, die uns in Schrecken versetzt; es gibt die Aufforderung zuzustimmen und sich zu versöhnen. Ein Bruch ist eingetreten. Wir sind zu einer Freimütigkeit angehalten, die das Mittun nicht mehr duldet. (Maurice Blanchot)

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