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Notizen

Von K.P. am 12. September 2016 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Kaum bin ich aus dem Urlaub wieder da und ist der Stapel mit der Post gesichtet, drohen die Niederungen des Alltags.

Am 2. August wurde dieser Zettel bei mir in den Briefkasten gesteckt - wer hätte gedacht, dass der rechte Rand bei uns so schnell die Nerven verliert.

Post vom Pack

Da hat jemand versucht sich »artizukulieren«. Soll das eine Drohung sein? Gehen wir über die üblichen Rechtschreibschwächen hinweg - wie doof muss man sein, um so ein anonymes Schreiben handschriftlich zu verfassen? Und den Zettel dann noch mit seinem im hiesigen Milieu recht seltenen Lieblingsmotto (»Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann«) zu versehen? Wer die Handschrift sicher erkennt, kann sich gerne bei mir melden.

Und ja, natürlich ist die freundliche und hilfsbereite Hohen Neuendorfer Polizei von diesem Werk in Kenntnis gesetzt worden.

Zur Erklärung

»Courtisane Jester« ist (wie zuvor Court Jester) ein mittlerweile gelöschtes Profil in der Facebook-Gruppe »Leute aus Birkenwerder«.

Zuletzt hatte sie sich wohl zu einem Beitrag vom 31. Juli gemeldet, in dem der Gründungsbeauftragte für den AfD Ortsverband Birkenwerder mögliche Folgen aus der geplanten Reform der Grundsteuer (Mietpreissteigerung) dunkel mit der so genannten Flüchtlingskrise in Verbindung brachte: »(i)st doch klar wer die Mehrausgaben die unser Staat aufbringen muss tragen wird«. Viele Mitglieder der Gruppe haben den Braten schnell gerochen und sich kritisch geäußert.

Ich selbst hatte am 24. Juli, als derselbe Gründungsbeauftragten in der Gruppe »Hohen Neuendorf« nach einem »Raum für eine Veranstaltung mit 30 bis 50 Personen« in unserer weltoffenen Stadt suchte, gefragt, ob das denn wohl für eine Veranstaltung der AfD sei. Das wurde prompt bestätigt. Die gewünschte Lokalität wurde jedoch offensichtlich nicht gefunden, so dass man jetzt heult: »Leider haben uns die angefragten Wirte offen zu verstehen gegeben, dass sie um ihre Einrichtung fürchten, angesichts der Übergriffe durch Linksextremisten, und standen uns nicht zur Verfügung. So griffen wir kurzerhand auf den zentral gelegenen "Ratskeller Birkenwerder" zurück.«

Doch auch wenn wir, Courtisane Jester und ich, offensichtlich beide die AfD für ein gemeines völkisches und rassistisches Übel halten, deren Fans man offen Contra geben muss - nein, ich bin natürlich nicht »Courtisane Jester«, da hat jemand klug kombinieren wollen, ist aber schon beim Versuch 1 und 1 zusammenzuzählen kläglich gescheitert. Wir sind nicht eins, sondern viele.

Und was heißt hier »den Ball flacher halten«? Ich pfeife auf Tiki Taka und spiele weiter die anti-faschistische Bananenflanke.

Von K.P. am 22. Mai 2016 keine Kommentare

Archive Kultur

Ausgerechnet zum Tag des Grundgesetzes werden in Birkenwerder »Thesen zu Flucht und Asyl« diskutiert, die wenig mit dem Geist des Grundgesetzes und viel mit politischer Romantik zu haben. Der Autor, der ganz offensichtlich von der westlichen Zivilisation sich angekränkelt fühlt, erhofft sich für uns alle durch die Begegnung mit Flüchtlingen neuen »Lebensmut«. Die nach Deutschland geflüchteten Menschen werden zur Staffage in einem Stück nationaler Apokalyptik der deutschen Seele, als »Kulturnation« soll »Deutschland zu neuem Leben erwachen«. Ein paar improvisierte Anmerkungen, um die Probleme zu Tage zu experimentieren - viel zu lang zum Lesen.

Thesen zu Flucht und Asyl

Vampire

Es gibt in Deutschland so etwas wie die vampiristische Hoffnung, aus geflüchteten Menschen neuen politischen »Lebensmut« zu saugen. Sie werden dann zu Helden einer neuen politischen Bewegung stilisiert, zu Figuren einer Phantasmagorie, in der aus dem Flüchtlingsstrom die Lava wird, die eine erkaltete Gesellschaft zu neuem Leben führen soll. Aber die geflüchteten Menschen sind als politische Subjekte nicht weniger schwach, beschädigt und kaputt als wir das sind. Sie sind nicht die Fremden, aus denen eine politische Romantik die rettenden Spiegelbilder des Eigenen macht, sondern ganz einfach (Mit-)Menschen.

Der böse Westen

Der »Westen« - die »westliche Außen- und Wirtschaftspolitik« - sei Ursache der Fluchtbewegungen.

Lässt sich die Komplexität der Schlachtfeldes so einfach reduzieren? Fliehen die Menschen aus Syrien tatsächlich wegen der »westlichen Außen- und Wirtschaftspolitik«? Hat »der Westen« allein in Afrika und im Nahen Osten gewütet? Wo war und ist der Osten? Gab es in Afrika keinen (real-)sozialischen Kolonialismus? Keine russische Invasion in Afghanistan? Spielen aktuell der Iran und Saudi-Arabien etwa keine Rolle?

Die Simplizität der Erklärung, der Verzicht darauf, auch wenn das Thesen sind, tatsächlich historisch-konkrete Fluchtursachen ins Auge zu fassen, lässt die Rede vom »Westen« zu einer bloßen Metapher werden. Und: was soll »westliche Wirtschaftspolitik« eigentlich sein? Wer vom »Westen« (oder wie in ähnlichen Zusammenhängen so konsequent wie zwanghaft vom »Öl« oder von der »USA«) spricht, weil er vom globalen Kapitalismus nicht reden kann oder will, verliert sich in kulturalistischen Phantasmagorien.

Aber es geht in den Thesen nicht um Politik.

Sondern um uns.

Selbstbezichtigung

Obwohl in These 3 allgemein und abstrakt der »westlichen Wirtschaftspolitik« die Schuld an der Flüchtlingskrise zugeschrieben wurde, ist gleich darauf nur die Rede von einer »Beseitigung der Fluchtursachen durch eine völlig neue Außenpolitik«. Doch was unter dieser »Außenpolitik« zu verstehen wäre, wird nicht gesagt.

Fluchtursachen politisch zu bekämpfen, das hätte als erstes zur Folge, dass zumindest im Norden Syriens eine No-Fly und No-Bomb Zone eingerichtet würde.

Aber hier geht es um eine rhetorische Volte: der Blick soll von den Kriegsschauplätzen auf uns selbst gerichtet werden. Statt politisch-ökonomischer Analyse wird mit der Geste der Selbstanklage moralische Umkehr verlangt: »Scham«, »Bescheidenheit« und »Hilfsbereitschaft«. Und wo diese Umkehr zu schwierig ist, bleibt immer noch der Lustgewinn durch moralische Selbstbezichtigung.

Und Fremdbezichtigung.

Fremdbezichtigung

Denn mit typisch bildungsbürgerlicher Aggressivität wird der Pöbel beschimpft, der sich nur um sich selbst kümmert, mit protestantischer Rhetorik wird der alte Adam in Szene gesetzt, das böse Ego des Konsumenten, das im »Sumpf des geistlosen Materialismus versinkt« statt Flüchtlingen zu helfen. Man will diesen Blick von der Kanzel herab nicht fassen.

(Dieser Blick ist ein genaues Spiegelbild der Verachtung, die seit »Hartz IV« erfunden wurde, armen Menschen seitens der bürgerlich-grünen Mitte entgegenschlägt, weil sie ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen und nichts von Dinkelkörnern aus kontrolliert biologischem Anbau und Craft Beer halten.)

Doch so zieht sich der Bildungsbürger aus der Affäre.

Überhaupt klingt die lustfeindliche Absage an das »Haben« sehr nach dem konservativen Hass auf die französische Aufklärung, die für die Verbreitung einer Glücksideologie verantwortlich gemacht wird. Ähnlich wie der geläufigen Wachstumskritik ist dem Verdikt (das natürlich nur die aussprechen, die es sich leisten können auf Konsum zu verzichten) ein falsches asketisches Moment zu eigen. Denn auch angesicht der Flüchtlingskrise kann es emanzipatorischer Politik nicht um Entsagung und Opferbereitschaft gehen, sondern um Erfüllung für alle.

Aber historisch ganz schief ist die Diagnose, im Nationalsozialismus hätte der »Pöbel die Macht übernommen«. Als hätte nicht gerade das deutsche Bildungsbürgertum - dessen zombieske Maske heute Gauland trägt - die Eliten gestellt und die Menschenverachtung ideologisch befeuert.

National-kulturelle Apokalyptik

Die Flüchtlingskrise wird (wie schon These 1 vermuten ließ) auf diese Weise allen Ernstes in eine national-apokalyptische Erweckungsbewegung eingeschrieben. In These 6 heißt es sogar, dass wir »angesichts der Flüchtlingskrise« zu »neuem Leben erwachen«. Es geht in Wirklichkeit also nicht um die Flüchtlinge, erst Recht nicht um eine offene Begegnung mit diesen als (Mit-)Menschen, sondern immer nur um uns.

Die Flüchtlingskrise wird als Gelegenheit gesehen, unsere »Werte, Normen und Regeln« zu hinterfragen. Die toten Konventionen der Konsumgesellschaft sollen durch die Begegnung mit dem »Lebensmut« der Flüchtlinge wieder lebendig und buchstäblich »verkörpert« werden. Der »Fremde« wird zum Heilsbringer, die Begegnung mit dem »Fremden« zum Erweckungserlebnis der toten Seele egoistischer Konsumenten, zur Wiedergeburt der Nation.

Wir haben es - ausgerechnet am Tag des Grundgesetzes - mit einem Stück politischer Romantik zu tun. Aber dass »Deutschland zu neuem Leben erwacht« (These 5), kann gerade niemand wollen, der sich tatsächlich auf die »Werte der europäischen Aufklärung besinnt«, die von Königsberg bis Paris kosmopolitisch und universalistisch orientiert war und eine Sprache jenseits des Nationalen schuf, die ein Weltbürgertum in Aussicht stellte.

Man könnte mit einigem Recht sagen: das Grundgesetz ist gerade ersonnen worden, um mit dem Licht des Gesetzes und der Verfassung die finstere Nachtseite politischer Romantik zu erhellen, die sich um Kultur, Nation und Bildung dreht.

Bildungskitsch

Wurde erst der Pöbel beschimpft, wird in These 8 der Gebildete ins rechte Licht gesetzt.

Über Werte, Normen und Regeln können nur diejenigen qualifizierte Diskurse führen, die historisch, kulturell, philosophisch und religiös weitgehend gebildet sind. Dabei müsste der wissenschaftlichen Diskurs unter einer elementaren Voraussetzung geführt werden: Natur- und Wirtschaftswissenschaften sind wichtig; aber ohne die Begleitung der Geisteswissenschaften vernichten sie Leben physisch wie psychisch.«

Die These könnte durch den Umstand entschuldigt werden, dass über »Werte«, »(Leit-)Kultur« und »Abendland« zumeist in Kreisen geschwätzt wird, die kaum mehr als Halbbildung erfahren haben. Aber wer ist »weitgehend gebildet«? Wer bestimmt, was Bildung heißt?

Der rhetorische Trick der These 8 ist, dass sie diese Frage verschweigt und und die Antwort heimlich gibt.

Die These stellt mit der »Bildung« auch gleich den so genannten »Geisteswissenschaften« einen Blankoscheck aus, der längst nicht mehr eingelöst werden kann. Denn suggeriert wird, es gebe eine institutionalisierte Form, in der Antworten auf die Frage nach »Werten, Normen und Regeln« gefunden werden könnten. Hier werden Bildungsmächte beschworen, deren Kraft längst verloschen ist. Als gäbe es keine Krisis der europäischen Wissenschaften, als hätte nicht das Bildungssystem selbst in Europa mit »Bologna« abgewirtschaftet. Bildung lässt sich nicht an Sparten und Fachbereiche einer Universität delegieren, die heute mehr als je kaputt und am Ende ist, ernsthafte Studienanfänger sollten das wissen. Ein Blick auf die Vorlesungsprogramme deutscher Universitäten macht deutlich, dass die »Flüchtlingskrise« kein Thema ist, dass den Betrieb stören könnte.

Dass Geisteswissenschaften im Gegensatz zu Natur- und Wirtschaftswissenschaften »physisch wie psychisch« lebendig machten, ist eine Diagnose, die ihr theologisch-protestantisches Motiv verschweigt: »der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig«. Nun haben von solch deutschem Pathos die so genannten Geisteswissenschaften längst Abstand genommen: wo sie noch etwas zu sagen haben, drehen sie sich um Buchstaben (nicht Geist), Gesetz (nicht Freiheit) und Körper (nicht Leib) und reflektieren kritisch und negativ, was uns tötet.

Der Autor blendet durch seinen protestantischen Bildungskitsch schlicht die historische Dialektik in Humanismus, Aufklärung, Bildung und Geisteswissenschaften aus:

Die Todeslager, die stalinistischen Lager, die großen Massaker (…) entstammten der russischen und europäischen Zivilisation, sie entstammten den Zentren unserer größten künstlerischen, philosophischen Errungenschaften; und die Geisteswissenschaften, die schönen Künste haben keinen Widerstand geleistet. Im Gegenteil, in sehr vielen Fällen haben bedeutende Künstler unbekümmert mit dem Unmenschlichen kollaboriert. (Georg Steiner)

So läuft die These 8 eigentlich darauf hinaus, man solle doch die Theologie befragen, dann erhalte man schon die Antwort auf die Frage, wie wir leben (»Werte, Normen und Regeln«) sollen.

Denn tatsächlich wird hier ja ein Herrschaftsanspruch formuliert: wer qualifiziert zur Selbstverständigung sei, wer »weitgehend gebildet« sei, darüber entscheide die Theologie kraft ihres positiven Wissens über das, was lebendig macht.

Man wird diesen Anspruch nur im Namen der Aufklärung zurückweisen können. Denn ein Wissen, dass die Antworten schon im Voraus kennt, hat mit Bildung, die ungeschützt in Frage stellt, was wir unser Eigenes nennen, kaum etwas zu tun.

Die Theologie, heißt das, ist heute (wie damals als Walter Benjamin auf der Flucht vor den Nazis seine geschichtsphilosophischen Fragmente, aber nicht das eigene Leben ins Exil retten konnte) immer noch »klein und hässlich« und »darf sich nicht blicken lassen« anders als in der Tracht des »’historischen Materialismus’«.

Kurz gesagt: über »Werte, Normen und Regeln« müssen wir uns selbst verständigen, frei und ungeschützt, ohne theologische Gewissheiten und universitäre Stabilisierungsmaßnahmen.

Kulturnation

Am Tag des Grundgesetzes wird in den Thesen nicht etwa die Abschaffung des Asylrechts kritisiert, das in sich die liberal-rechtsstaatlichen Lehren (den Vorrang des Individuums vor völkisch-kulturellen Banden und staatlichen Bindungen) aus der nationalsozialistischen Katastrophenpolitik enthält, sondern der Verfall der deutschen Nation beklagt.

Deutschland habe sich »in den letzten Jahrzehnten« als »Kulturnation« »weitgehend abgeschafft«.

Natürlich nur »weitgehend«, denn der Autor der Thesen mag sich offensichtlich nicht gleich selbst abschaffen und reklamiert für sich den (Rest-)Posten der »Bildung«. Gerne würde man auch präziser datiert wissen, was »in den letzten Jahrzehnten« heißt. Und auch darüber, warum die Lage so schrecklich kulturlos sei, erfahren wir nicht mehr als durch die Beschimpfung der Leute, deren »Sozialität weitgehend auf den eigenen Mikrokosmos bzw. auf Facebook beschränkt« sei. Sie zeigt die ganze Banalität des kulturkritischen Jargons.

Was jedoch immer an der Diagnose verfehlter Bildungspolitik (die alles verdrängt, was nicht marktkonform ist) richtig sein mag, ihr Unwesen enthüllt sie durch den Bezug auf die »Kulturnation«. Gegen die »’Globalisierung von Waren und Dienstleistungen’« wird die Kultur beschworen, um die Nation zu retten. Von hier aus wäre als nächster Schritt das Lob der natürlich gewachsenen »Kulturnation« gegen die durchs bloße Interesse zusammengehaltene »Wirtschaftsnation« USA zu erwarten. Das ist und bleibt (auch wenn der Autor vielleicht eine »Leitkultur« à la Bassam Tibi in’s Auge fasst) das Programm einer deutsch-nationalen Querfront, die gegen den Weltmarkt (immer reduziert auf das Phantasma des internationalen Finanzkapitals) den Sonderweg deutscher Kultur beschwört.

Es war ein langer Weg, der nach 1945 zurückgelegt werden musste, um die deutsche »Kulturnation« in der westlichen Zivilisation zu verankern - jener Zivilisation, die seit der Amerikanischen und Französischen Revolution so tief verachtet und bekämpft wurde. Im Kontext der Flüchtlingskrise ist dieser Sonderweg deswegen noch weniger verständlich, wäre doch eine tatsächlich souveräne EU eine der Voraussetzungen ihrer politischen Bewältigung.

Aber, wie gesagt, um Politik geht es in den Thesen nicht, Kultur soll vielmehr den Mangel an Politik kompensieren. Die Verlagerung gesellschaftlicher Auseinandersetzungen in das Feld kultureller Wertvorstellungen öffnet damit allerdings einen meta-politischen Raum, in dem auch die Neue Rechte operiert, es geht dann um Werte, Kultur, Bildung und Identität, nicht um gesellschaftliche Macht- und Verteilungskämpfe.

Theologie

Am Ende geben sich die Thesen dann abgeklärt und kommen theologisch auf den Punkt.

Dem religiös Gebildeten ist der Mensch durch die Erbsünde (Genesis, 8, 21) gezeichnet, von einen »tödlichen Egoismus« bestimmt, der nur mittels »Erlösung« geheilt werden könnte. Nicht der Hinweis auf die Erlösung ist hier fragwürdig; sondern wie mit Gewalt die Theologie der Erbsünde in’s Spiel gebracht wird.

(Neugierig wäre ich, ob denn alle Menschen gerettet werden oder nur ein Rest erlöst wird, während die anderen bösen Egoisten ihren verdienten Untergang finden - das hieße theologisch die Karten auf den Tisch legen.)

Vor diesem theologischen Hintergrund wird auch erst die moralisierende Konsumkritik prägnant, die Verachtung des Egoisten, dem es nur um’s »Haben« geht. Dann das Haben, das ist die Konkupiszenz, die Begierde hat seit der Erbsünde die Menschen im Griff.

Das kann man theologisch-anthropologisch so sehen.

(Diese Fixierung auf die Erbsünde ist die theologische Zuspitzung des anti-westlichen Selbsthasses. Wir müssen uns verachten, weil wir schuldig sind, der Hass auf das böse Ich wird im Register der Erbsünde zur angemessenen Form des christlichen Selbstverhältnisses.)

Aber das kann man nur dann so sehen, wenn man von Produktions- und Herrschaftsverhältnissen nicht reden möchte, die Menschen erst zu denen machen, die sie leider sind. Und wenn man sich einig weiß mit autoritären Denkern, die von Thomas Hobbes bis Carl Schmitt die Erbsünde zur Legitimation staatlicher Gewalt heranziehen. (Das geht so: In der Revolte gegen Gott haben die Menschen alle göttlichen und natürlichen Gesetze widerrufen. Deswegen müssen sie sich der Faktizität einer beliebigen Ordnung unterwerfen - eine Ordnung ist besser als keine. In der gesellschaftlichen Ordnung ist konsequent die Strafe des sündigen Menschen zu erkennen.)

Der säkulare Rechtsstaat ist jedoch anders verfasst: das Grundgesetz dreht sich nicht um das sündige Menschengeschlecht, sondern um die Menschenwürde des Einzelnen.

Und keine Menschenwürde ohne Freiheit.

Wider den Kulturzwang

So kommen die 11 Thesen von Kuchenbacken auf Arschbacken - von der Flüchtlingskrise zur Erlösung der deutschen Seele. Allerdings ganz konsequent und lehrreich.

Denn dass mit der Erbsünde ausgerechnet das finsterste Kapitel christlich-protestantischer Religions- und Realgeschichte zitiert wird, ist kein Zufall, sondern stellt die Einheit der Thesen her. Die Lehre von der Erbsünden zielt nämlich seit Augustinus auf die Abschaffung individueller Freiheit, auf das, was man Persönlichkeitsprinzip nennen könnte. Der Mensch kann - in allem, was wichtig ist - keine neuen Anfang setzen. Und diese Negation der Freiheit ist auch die Pointe des anti-emanzipatorischen Gedöns von der »Kulturnation«, des kulturalistischen Diskurses überhaupt. Denn wo die »Kultur« beschworen wird, da zählt das Individuum nichts und ist seine Kultur alles. Menschen werden in kulturelle Räume und Kreise gesperrt und zu bloßen Repräsentanten ihrer kulturellen Herkunft.

Einem solchen kulturalistischen Verständnis »ist das, was Gesellschaft zuallererst ausmacht, abhanden gekommen. Es ist dieses das Konzept einer Nicht-Gesellschaft, in der es nur mehr Religionen und ‘Kulturen’ gibt. Und dazwischen nichts. Vor allem keinen neutralen, öffentlichen Raum.« (Saama Mani)

Auch mit diesen Thesen ist für geflüchtete Menschen deswegen nichts Gutes zu erwarten, für Menschen, die sich eine Pause von der dauernden Zwangsverpflichtung zur kulturellen Identität und zum religiösen Bekenntnis wünschen. Das Grundgesetz bietet dem Einzelnen diese Luft zum Atmen - die 11 Thesen nehmen sie ihm.

Den Deutschen fällt es sehr schwer, ein instrumentelles Verhältnis zu politischen Problemen zu entwickeln. Wenn’s ernst wird, also etwa um den Frieden geht, dann wird es auch ganz existenziell - deshalb können sie auch nicht einfach Flüchtlinge in ihr Land lassen, sondern müssen ein Volksfest daraus machen, sich als die Vorbilder der Welt inszenieren und über Nacht all jene Regeln über Bord werfen, auf deren Einhaltung sie bis gestern noch so gepocht hatten. Die Deutschen werden, wenn sie meinen, es ginge um Alles oder Nichts, extrem unberechenbar, emotional, narzisstisch und neigen dann zu diesem Größenwahn, den man früher furor teutonicus genannt hat. (Thomas von der Osten-Sacken)

Von K.P. am 08. April 2016 keine Kommentare

Archive

Die AfD wird mit dem Slogan »Ändern Sie nicht ihre Meinung. Ändern Sie die Politik!« Der Spruch kommt aus dem Herzen der nach- bzw. anti-bürgerlichen Subjektivität heute, aus dem längst bösartig gewordenen gemeinen Menschenverstand.

Die Aufforderung, die eigene Meinung absolut zu setzen, ist Seelenbalsam für den sich ausbreitenden Typus des enthemmten Subjektivisten. Das nachbürgerliche Subjekt, das es zum rechthaberischen Politisieren treibt, kompensiert seine reale Ohnmacht durch die affektive Besetzung der eigenen Meinung, deren triumphale Inszenierung das Gefühl verschafft, zu denen zu gehören, die wissen, wo es lang geht. Die zum Selbstzweck verdinglichte Meinung gerät mangels anderer Lustquellen inmitten des freudlosen Daseins zum triebökonomischen Dreh-und Angelpunkt des narzisstisch deformierten Individuums. Befeuert wird die verbissene und gegen jede Erfahrung abgedichtete »Allwissenheit des Trottels« (Karl Kraus) durch die sozialen Netzwerke, wo Leute, die vor einigen Jahren noch alleine am Tresen saßen, weil ihrem Gekeife keiner zuhören konnte, nicht nur auf Gleichgesinnte treffen, sondern auch feststellen, dass die verbale Enthemmung immerhin Reaktionen provoziert.

Von K.P. am 26. Februar 2016 keine Kommentare

Archive Kultur

Ich lese noch einmal »Leben, auf Papier beschrieben«, die Briefe, die António Lobo Antunes 1971/72 als Militärarzt aus dem portugiesischen Kolonialkrieg seiner Frau schrieb, poetisch ins Bild gesetzt in dem gerade auf der Berlinale gezeigten Film »Cartas da Guerra«.

Ich wußte nicht, schreibt Antunes im April 1971 über das Meer, an das ich seit fast dreißig Jahren immer wieder für kürzere und längere Zeit zurückkehre:

daß ich das Meer so sehr liebe: die Dämmerungen an der Praia Grande sind für mich zu einer Obsession geworden, und ich sehe sie jeden Tag aufs neue, die Wellen, das Ende der Sonne, die Durchsichtigkeit des Meeres (133-134)

Und einen Monat später:

Mir fehlt das Meer, und deshalb taucht es in dieser armen Geschichte auf, an der ich schreibe, das Meer an der Küste, die Strände. Ich (...) liebe es verzweifelt. Praia das Maçãs sucht mich häufig heim, die Várzea de Colares, die von Sintra ausgehende Straße, die schmale Zunge der Praia Grande. (177)

Und sein letzter auf Deutsch erschienener Roman »Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben«, der an eben dieser Küste spielt, beginnt mit der Erinnerung an dieses Meer:

Ich wachte mitten in der Nacht in der Nacht in der Gewissheit auf, dass mich das Meer durch die geschlossenen Rollläden hindurch rief, ich wandte den Kopf zum Fenster und spürte, wie das Meer mich ansah, so wie mich das Rascheln der Kiefern ansah und die Stimmen am Ende des Flures mich ansahen, alles sah mich im Dunkeln an und wiederholte meinen Namen, ich fragte
– Was habe ich denn getan?

Im dem Dokumentarfilm »My Escape / Meine Flucht« - einer Montage aus (Handy-)Videos von Flüchtlingen, die ihre lebensgefährliche Flucht nach Deutschland selbst kommentieren - kommt (00:46) ein Mädchen zu Wort, das sich an die türkische Küste erinnert, gegenüber das Ufer von Mytilini:

Als ich klein war, habe ich mir immer gewünscht am Meer zu spielen. Aber als ich dann am Ufer stand, war das ein ganz anderes Gefühl. Ich habe das Meer betrachtet und gedacht: Nur Gott weiß, wie viele Flüchtlinge hier schon ertrunken sind.

... »welches dieser Herzen ist meins« (19), schreibt Lobo Antunes.

Von K.P. am 25. Februar 2016 keine Kommentare

Archive Kultur

Man müsse wieder Marx und gar das Kapital lesen, um zu kapieren, was passiert, höre ich in letzter Zeit immer wieder. Schließlich lebten wir im Kapitalismus.

Aber der Wunsch muss leider enttäuscht werden.

Denn das »Kapital« (also das angeblich dreibändige Werk von Marx) heißt »Kapital«, weil es das Geschehen des sich selbstverwertenden Werts kritisch darstellt - nicht das Geldsystem, die absolute Hegemonie der USA oder die jüdische Weltherrschaft.

Ist das erst einmal klar, dürfte sich bei 99% der Interessenten auch das Interesse an »Marx« verloren haben.

Von K.P. am 25. November 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Die Odyssee ist (neben der Bibel) das Grundbuch der abendländischen Zivilisation. Wir haben es mit einem Buch zu tun, in dem nicht nur Urbilder europäischer Willkommenskultur geschildert werden, sondern Gastfreundschaft als Rechts- und Verkehrsform zur normativen Kraft wird.

Die Odyssee ist ein Epos des Fremden, es handelt vom Gastrecht als göttlichem Recht, von der Gastfreundschaft als sozialem Band und von Zeus, dem Gastlichen, der »das Gastrecht schützt« (14, 284). Als Göttervater ist »Zeus der Rächer für Schutz erflehende Fremde, Zeus, der Gastliche, der den zu achtenden Fremden Geleit gibt.« (9, 266-271)

Das konnte vor fast 3000 Jahren hören und kann heute noch lesen und verstehen, wer mit Verstand begabt ist, also nicht zu den patriotischen Europäern gehört. Gilt doch - so lässt Homer den Alkinoos, König der Phäaken, sagen - »dem Bruder gleich der Fremde und der, der um Schutz fleht | Für den Mann, der mit dem Verstande ein wenig nur hinreicht.« (8, 546-547)

Erzählt wird von Homer, wie Odysseus nach dem zehn Jahre währenden Trojanischen Krieg, bei der Heimfahrt durch widrige Winde verschlagen, weitere zehn Jahre umherirrt und nach vielen Abenteuern schließlich als Bettler unerkannt nach Ithaka zu seiner Frau Penelope heimkehrt - und Recht und Ordnung wieder herstellt.

Es ist nicht zuletzt das heilige Gastrecht, das Odysseus nach seiner Rückkehr mit dem (Massen-)Mord an den Freiern wieder in Kraft setzt. Charakteristisch für die Freier ist ja, wie man unter ihnen »die fremden Gäste mißhandelt« (20, 318). Der von den Freiern besetzte Hof des Odysseus zeigt das Bild einer Zivilisation, die in die Barbarei zurückgefallen ist, in den Stand der Rechtlosigkeit. Weil Odysseus fehlt, so Penelope, sind keine da, »(d)ie zu ehrende Fremde geleiten oder empfingen« (18, 316).

Und so meldet Eurykleia, die liebe Amme, der Penelopeia nach gewonnener Schlacht die frohe Botschaft: »Es ist Odysseus da im Haus (...), | Jener Fremde, den alle mißachtet haben im Saale.« (23, 27-28)

Von K.P. am 23. November 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Heute, vor 95 Jahren, am 23. November 1920, wurde Paul Celan geboren.

DU LIEGST im großen Gelausche,
umbuscht, umflockt.

Geh du zur Spree, geh zur Havel,
geh zu den Fleischerhaken,
zu den roten Äppelstaken
aus Schweden –

Es kommt der Tisch mit den Gaben,
er biegt um ein Eden –

Der Mann ward zum Sieb, die Frau
mußte schwimmen, die Sau,
für sich, für keinen, für jeden –

Der Landwehrkanal wird nicht rauschen.
Nichts
stockt.


Peter Szondi dazu:

»Eden« heißt sowohl das Paradies, ein Lustgarten, als auch, nach ihm, der Ort, an dem Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die letzten Stunden vor ihrer Ermordung verbracht haben. Solange man meint, diese Doppeldeutigkeit - dem Zufall entstammend, daß das Hotel so und nicht anders hieß und daß der Divisionsstab der Garde-Kavallerie-Schützen nicht in einem anderen Hotel sich einquartiert hatte - sei als zufällige, sei als Koinzidenz zum Brennpunkt der Motivverknüpfung von Ermordung und Hinrichtung einerseits, Weihnachtsstimmung andererseits geworden, ist einem der Blick fremd geblieben, den Celan auf die Gegensätze dieser Welt warf.

Nach seinem Selbstmord fand man auf dem Schreibtisch des Dichters eine aufgeschlagene Hölderlinbiographie mit der (aus einem Brief Brentanos an Philipp Otto Runge) unterstrichenen Stelle: »Manchmal wird dieser Genius dunkel und versinkt in den bitteren Brunnen seines Herzens«. Nicht markiert hat Celan den Rest des Satzes »Meistens aber glänzet sein apokalyptischer Stern Wermut wunderbar rührend über das weite Meer seiner Empfindung.«

Von K.P. am 18. November 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

In der Welt, die durch soziale Medien erst zur Welt wird, ist das Wir die große Phantasmagorie eines moralischen Kollektivs, das sich gegen jeden Zweifel ins Rechts setzt. Ob der Weg der Radikalisierung auch mit den rhetorischen und politischen Verrenkungen des Wir zusammenhängt, fragt Mely Kiyak.

Das Wir ist das am häufigsten bemühte Personalpronomen in Zeiten der politischen und persönlichen Panik. Es soll beschwören und trösten. Es soll zusammenhalten, was auseinanderzubrechen droht. Es soll Trost und Anker sein. Aber auch Ermutigung. Das Wir wird wie eine Laterne hochgehalten und soll über allem leuchten. Es soll die Welt neu sortieren. Denn da, wo es ein Wir gibt, gibt es auch die Anderen. (...) Das Wir wird dringend dort benötigt, wo ein neuer Krieg geführt wird. Ohne Wir keine Fronten. Das Wir wirkt bei manchen reaktionär, bei einigen sogar totalitär. Das Wir verträgt selten Zweifel. Wo das Wir verwendet wird, ist oft alles schon zu Ende gedacht. Das Wir drängelt sich so schnell in den öffentlichen Diskurs, dass keine Zeit bleibt, nachzudenken. Plötzlich ist das Wir da. In den Farben der Tricolore am Brandenburger Tor. Als Hashtag. Als Versprechen für ein politisches, vielleicht sogar militärisches Bündnis. Das Wir steht in großen Lettern auf der Titelseite der Zeitung. Das Wir bewegt sich routiniert im Mund des Kommentators in den Fernsehnachrichten. Bis man es bemerkt, ist die Sendung zu Ende. Und wer das Wir anzweifelt, steht in den Augen der Wir-Konstruierer auf der falschen Seite. So viel Wir. Zu viel Wir.

Source: Die große Wir-Beschwörung

Von K.P. am 18. November 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Der SPIEGEL fragt Max Horkheimer 1970, ob er eine moralische Politik verlange.

Und Max Horkheimer antwortet, indem er die Position kritisch denkender Menschen klärt. Sie ist vielleicht nicht ihr Gegenteil, lässt sich aber ganz sicher nicht auf die Formel »Kritischer Dialog« bringen, mit der deutsche und europäische Außen- und Wirtschaftspolitik ihre Förderung sei's des klerikal-faschistischen Regimes im Iran und der von ihm finanzierten Mörderbanden oder anderer Staats- und Bandenführer vor allem in der arabischen Welt zu verklären pflegt.

Ich halte es nicht für richtig, daß man sich zu terroristischen Staaten auch nur ähnlich verhält wie zu andern. (...) Ich habe den Verdacht, daß die moralische Integrität des Partners kaum eine Rolle spielt. Der andere ist eben der Minister eines mächtigen Landes, mit dem wir auskommen müssen. Daran zu denken, daß dort Hunderttausende von Menschen in Gefängnissen oder Konzentrationslagern schmachten, das kommt ihm eigentlich gar nicht in den Sinn. Darum halte ich es für die Aufgabe der Intellektuellen, immer wieder darauf hinzuweisen, daß die Vertreter von Staaten, in denen jeden Tag grauenvolles Unrecht geschieht, anders behandelt werden sollten als die Vertreter einigermaßen menschlicher Staaten. (...) Stellen Sie sich zum Beispiel vor, daß in einem Land der Faschismus oder der terroristische Kommunismus ausbricht. Heutzutage ändert sich daraufhin in den Beziehungen der sogenannten zivilisierten Staaten zu diesen Ländern kaum etwas. Die denkenden Menschen sollten deshalb darauf drängen, daß die Länder ihr Verhältnis zu den terroristischen Staaten entscheidend ändern.

Von K.P. am 09. November 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Nur weil ich mich für mehr und bessere lokale - frühzeitige und strukturierte - Bürgerbeteiligung einsetze, muss ich noch lange kein Befürworter direkter Demokratie sein.

Robert Menasse erklärt, warum. Es gibt

ein demokratiepolitisches Problem, das sich durch alle Diskussionen über alle Demokratiemodelle seit der Antike zieht, von Platon bis Kelsen und ewig weiter: Die Idee der Demokratie setzt abstrakt etwas voraus, das es konkret nicht gibt: den Bürger, der einerseits seine Interessen vertreten sehen will, andererseits eine Vorstellung von Gemeinwohl hat. (...) In der Praxis zeigt das Stimmverhalten der Menschen, vor allem in der Schweiz, dass die Mehrzahl der Menschen völlig gegenteilig abstimmt: Sie stimmen gegen ihre Interessen und gleichzeitig gegen Gemeinwohl. Zum Beispiel die Abstimmung über Minarette: Ein aufgeklärter Bürger ist für Religionsfreiheit. Die Schweizer stimmten dagegen und damit für eine gesellschaftliche Spaltung, also gegen Gemeinwohl und gegen Menschenrecht. Kelsen hatte recht: Der aufgeklärte Citoyen ist nie in der Mehrheit, und das muss jedes Demokratiemodell berücksichtigen. (...) Wenn es in Österreich oder Ungarn direkte Demokratie gäbe, hätte man dort nicht nur ein Minarettverbot, sondern gleich auch die Todesstrafe. (...) Ich habe den Verdacht, dass die Schweizer das glauben. Aber ich halte ein Demokratiemodell für unausgegoren und in dieser Form für überholt, in dem es möglich ist, mit einfachen Mehrheitsentscheidungen, ohne Sicherungen zum Schutz von Minderheiten, Gesetze durchzusetzen, die dann noch dazu Verfassungsrang haben. Die repräsentative Demokratie ist schon ein zivilisatorischer Fortschritt. Der nächste Entwicklungsschritt wäre, sie aus den Fesseln des Nationalstaats zu befreien, dazu müsste das Europäische Parlament aufgewertet und der Europäische Rat abgeschafft werden.

Source: «Landesrecht vor Völkerrecht ist der grösste Skandal seit der Nazi-Zeit»

Von K.P. am 21. September 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Richard Kleins Beobachtung, dass »Adornofans Theunissens identifikatorische Nähe zur negativen Dialektik nie zur Kenntnis genommen« hätten, scheint mir an der FU Berlin zumindest für die späten 80er Jahre bis zu seiner Emeritierung 1998 nicht ganz zutreffend zu sein.

....

Und Theunissen auf der Spur waren die, die Benjamin theologisch-politisch ernst genommen haben.

Jene universitäre Wissensordnung lässt es nicht zu, dass Philosophie, Kunst und Religion sich im Ernst aufeinander einlassen und ihre bereits intern nicht gerade geringen Probleme durch wechselseitige Kritik weiter stei- gern. Für seine Versuche, eine philosophische Theologie zu entwickeln, ist Theunissen von »aufgeklärten« Kollegen belächelt worden. Sie schlossen von einem verhalten pastoralen Zug der Person geradewegs auf die Erbaulichkeit ihres Denkens. Das war, man darf es getrost sagen, Unfug. Aus dem gleichen Grund haben die Adornofans Theunissens identifikatorische Nähe zur nega- tiven Dialektik nie zur Kenntnis genommen. Der soll lieber Theologie oder Heidegger machen als unseren Teddie, sagte mal einer von ihnen. Aber so ist das eben. Wer keine identifizierbare Linie verficht, bekommt sie um so mehr von anderen reingedrückt. Theologie oder kritische Theorie – tertium non datur. Als Theunissen bei der Frankfurter Adornokonferenz 1983 seinen großen Vortrag über Negativität beendet hatte, meldete sich ein damals vielgelesener Literaturwissenschaftler zu Wort, trug Einwände vor und pointierte diese dann sinngemäß so: Man habe eigentlich erwartet, dass Theunissen von dem Adorno spräche, ›den wir alle kennen‹. Warum er das nicht getan habe? Pause – und Applaus vom Auditorium wie im Bundestag. Als irritierend wurde damals wohl vor allem empfunden, dass Theunissen als vermeintlicher Repräsentant einer philosophischen Gotteslehre Adorno vorzuhalten wagte, nicht negativ genug gewesen zu sein.

Source: Selbstüberschreitung der Philosophie: Zum Tod Michael Theunissens

Von K.P. am 16. September 2015 keine Kommentare

Archive Kultur

Die europäische Antwort auf die Massen der einzelnen Flüchtlinge sind Internierungslager hinter den mit Nato-Stacheldraht geschlossenen Grenzen. Die Szenen aus Ungarn zeigen, dass die Menschenrechte keineswegs für alle gelten, sondern nur für Staatsbürger.

Zwischen den Grenzen wird das nackte Leben interniert, das mitten in Europa außerhalb aller rechtlichen Bezüge steht. Wer nur Mensch ist, hat die schlechtesten Voraussetzungen, den Schutz der Menschenrechte zu genießen.

Hannah Arend hat diese »ironische Paradoxie zeitgenössischer Politik« nach der Erfahrung des 2. Weltkrieges so formuliert:

Keine Paradoxie zeitgenössischer Politik ist von einer bittereren Ironie erfüllt als die Diskrepanz zwischen den Bemühungen wohlmeinender Idealisten, welche beharrlich Rechte als unabdingbare Menschenrechte hinstellen, deren sich nur die Bürger der blühendsten und zivilisiertesten Länder erfreuen, und der Situation der Entrechteten selbst, die sich ebenso beharrlich verschlechtert hat, bis das Internierungslager, das vor dem Zweiten Weltkrieg doch nur eine ausnahmsweise realisierte Drohung für den Staatenlosen war, zur Routinelösung des Aufenthaltsproblems der 'displaced persons' geworden ist. (Hannah Arendt)

Millionen Menschen, denen als »displaced persons« kein Ort gewährt wird, haben das Recht auf politische Teilhabe verloren und damit das allgemeine Kennzeichen des Menschlichen.

Hannah Arendt hat daraus die Konsequenz gezogen, dass es nur ein Menschenrecht gibt, und zwar eines, das sich grundsätzlich von allen Staatsbürgerrechten unterscheidet, die nur als subjektive Rechte und genauer als Abwehrrechte (Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit) gegen Übergriffe des Staates installiert wurden.

Während die klassischen Menschenrechte immer nur die Rechte von Mitgliedern einer staatlichen Gemeinschaft sind, formuliert sie ein (Menschen-)Recht auf Mitgliedschaft. Wie immer dieses Recht (das kein Naturrecht ist) verstanden werden muss, es ist ein Recht auf Rechte, das Recht jedes Menschen zur Menschheit zu gehören.

Nachtrag

Die Perspektive der »wohlmeinenden Idealisten« (Hannah Arendt) wird auch von der humanitären Geste übernommen, die Flüchtlinge, um die politische Diskusssion zu vermeiden, nur als reine »Menschen« willkommen heißen will, nicht aber als politische Subjekte (und d.h. genuin als »Andere«) mit einem Recht auf Teilhabe. Flüchtlinge werden dann bestenfalls zu Repräsentanten kultureller Entitäten verdinglicht und als ungleiche Partner interkultureller Dialoge instrumentalisiert, bleiben aber, was sie als Individuen nicht sein wollen: Objekte staatlicher Repression und Empfänger gut gemeinter Willkommens- und Versorgungsleistungen.

Source: Pro Asyl warnt vor Internierungslagern an Europas Grenzen

Von K.P. am 03. September 2015 keine Kommentare

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Entsetzen, überall ... Die Barbarei existiert inmitten der Zivilisation.

»Das Staunen darüber, daß die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten einundzwanzigsten Jahrhundert noch möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, daß die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.« (Walter Benjamin)

Angelus

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm. (Walter Benjamin/1940)

Von K.P. am 03. September 2015 keine Kommentare

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Otto Fenichel 1938 beim Versuch die Psychoanalyse vor ihrer amerikanischen Verdrängung zu retten, die Theoriebildung vor der rein klinischen Praxis.

»Einer der Kollegen sagte in einer Debatte über analytischen Unterricht: 'Wir haben vor allem das zu lehren, was wir verstehen, und nicht Theorien.' worauf ich erwiderte: 'Manche von uns verstehenn Theorien'.«

Von K.P. am 01. September 2015 keine Kommentare

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Chaplin - Individuum

M: Setz dich. Und was liest du da gerade? R: Karl Marx. M: Aber du bist doch kein Kommunist. R: Wieso? Lesen denn nur Kommunisten Karl Marx? L: Rupert! M: Eine gescheite Antwort. Wenn du also kein Kommunist bist, was dann? R: Nichts. M: Nichts?

Von K.P. am 31. August 2015 keine Kommentare

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Angst ist immer gesellschaftlich und politisch induziert.

Wenn es keine Alternativen mehr gibt, wenn die Horizont- und Perspektivlosigkeit zum politischen Programm (TINA = There is no alternative) wird, dann wird doppelt Angst produziert:

  1. die Angst vor allem, was Änderung bringt, vor jeder Änderung selbst
  2. die Angst der Eingeschlossenen, die klaustrophobischen Anfälle derer, die nach Auswegen suchen und alle Wege versperrt sehen.

Panik, heißt das, ist das Grundgefühl im deutschen Biedermeier. Es führt zu einer so ambivalenten wie wahnhaften Haltung dem Fremden gegenüber:

1. Im Fremden wird man (rechts) der eigenen Angst vor Änderungen habhaft, der/die/das Fremde verkörpert all die Alternativen zum alternativlosen Status quo, die nicht sein dürfen und sollen.

2. Der/die/das Fremde wird (links) zur Projektionsfläche für die eigenen Ausstiegsträume und Sehnsüchte nach alternativen Lebensformen.

Von K.P. am 28. August 2015 keine Kommentare

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... sind Lebensformen.

Es gibt nicht nur Argumente, die wie aus der Pistole geschossen kommen (und wahrscheinlich schon deswegen falsch sind), sondern auch Leute, die reden wie Maschinengewehre im Dauerfeuer.

Gewalttätig redet, wer nichts als die Rechtfertigung eigener Standpunkte und Handlungen betreibt.

Eine zivilisierte Rede setzt sich mit den Reden anderer, wer sie auch seien, auseinander; nimmt ihre Gefühle wahr und nimmt sie (jedenfalls manchmal) ernst; sie modifiziert nach dieser Wahrnehmung eigene »Standpunkte«. (Klaus Theweleit)

vs.

Wer eine Stunde lang redet, um eigene Standpunkte zu untermauern und seine Handlungen zu rechtfertigen, ist strukturell ein Faschist; unabhängig davon, was er »inhaltlich« sagt. (Klaus Theweleit)

Von K.P. am 26. August 2015 keine Kommentare

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Klaus Theweleit folgt in »Das Lachen der Täter: Breivik u.a.« auch den Spuren misslungener Integration, die zu den Selbstmordattentaten der ISIS führen. Das Staunen darüber, dass sich ganz normale Jungs und Mädchen von islamistischen Predigern in den Krieg ziehen lassen, ist naiv.

Misslungene Integration produziert Fremde, die geduldet werden.

Die Pointe der von Theweleit zitierten Fallgeschichten: »Fußballclub und Disco allein reichen offenbar nicht, um Teil der Community (...) zu werden« (191). Es regiert die »Wahrnehmung: Hier kommst du nie rein! Nie, nie!« (191)

Und Theweleit erinnert sich: »Sie lassen dich nicht - das Gefühl, von dem viele Migrantenkinder berichten; und das mir als ostpreußischem Flüchtlingskind 1945ff in Schleswig-Holstein nicht völlig fremd ist.« (191)

Duldsamkeit

Die misslungene Integration läuft auf die Formel der »Duldung« hinaus, auf eine »fundamentale Nichtachtung« (192), die für »Fremde« »allerhöchstens Duldsamkeit kennt« (192).

Das reicht aber nicht, um sich hier auf ein Leben einzulassen. Die Duldsamkeit kann, wenn es denen, die uns hier dulden, irgendwann so passt, gekündigt werden; und oft genug, bei jeder beliebigen Kleinigkeit sogar, kann sie schon gekündigt worden sein.(192)

Integration, das heißt einen »Zustand zu finden, in dem die eigene Körperlichkeit als aushaltbar erlebt wird« (191). Gerade bei Jugendlichen »zwischen den Kulturen« braucht sie Beziehungen und genügend Anerkennung, nicht das formelhafte Bekenntnis zu einer Werteordnung.

Was also heißt Integration?

Integration heißt ja nicht, ich passe mich an, sondern ich finde jemanden, mit dem ich auf einer gleichberechtigten Ebene leben, mich austauschen und entwickeln kann. Wenn man so jemanden nicht hat, gibt es keine Integration.

Junge Menschen, insbesondere junge Männer mit der Empfindung einer gesellschaftlichen Ortlosigkeit, die im adoleszenten Alter immer mit einer körperlichen Unsicherheit einhergeht, sind massiv davon bedroht, in diesem Zustand körperlich zu fragmentieren. Wenn dann die Unsicherheit über den eigenen sexuellen Status hinzukommt, wenn noch eine Freundschaft bricht, eine Liebesbeziehung oder eine Vereinszugehörigkeit misslingt und bei der Gelegenheit noch »Du gehörst ja nicht hierher« ins Spiel gebracht wird, geht der schwache Boden unter den Füßen womöglich ganz weg: »Hier werde ich nie was!« »Hier lässt man mich nicht leben!« Dann muss etwas Größeres her. Diesen Zustand aufzufangen und zu bearbeiten, stehen offenbar »Prediger« bereit.

Dagegen hilft nicht, die Jugendlichen auf die »Errungenschaften der westlichen Zivilisation« einzuschwören; in dieser gesellschaftlichen Lebensform Fuß zu fassen, misslingt ihnen aktuell ja gerade. Helfen würden nur Beziehungen, Liebschaften, gute, tragfähige Gruppen oder Vereine und natürlich ein guter Arbeitsplatz. Sie geben Boden unter den Füßen. Erst dann kann man wachsen. Wer nicht in dieser Form wachsen kann, wächst in den Idiotismus der Großmacht. Das ist so etwas wie ein Gesetz.

Von K.P. am 18. Juli 2015 keine Kommentare

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Die Frage, ob man zu einem anderen sagen dürfe »Ich habe Angst«, hat Hans Blumenberg damit beschieden, dass das »unzulässig, ja unsittlich« sei.

Der Grund: Es gibt auf dieses Eingeständnis keine Erwiderung, keine Einstellung, keine Chance des Trostes, der Hilfe. Was es erzeugt, ist die absolute Verlegenheit. Indem etwas gefordert zu sein scheint, wird zugleich alles verboten. Die Zumutung ist die des Unmöglichen: zu antworten, es bestehe doch kein Grund: Darf man dem anderen das Wort entziehen, indem man ihm vortäuscht, sich zu öffnen?

»Absolute Verlegenheit«, das ist, was die besorgten Bürger rhetorisch provozieren, wenn sie im Zusammenhang von Flüchtlingsunterkünften und anderen aus dem Recht auf Asyl entstehenden Zumutungen ihre »Ängste« meinen artikulieren zu müssen. Den Adressaten des Bekenntnisses soll durch die zur Schau gestellte Öffnung der eigenen Befindlichkeit das Wort entzogen werden. Im politischen Raum wird das Wort erstickt.

Denn noch so sehr kann entkräftet werden, dass für das »vor« der Angst gar kein Grund besteht. Die Behauptung der eigenen Angst will gar keine Argumente und Sachverhalte zur Kenntnis nehmen, sondern den anderen zum Schweigen bringen. Denn mit dem Satz »Ich habe Angst« wird jede Entgegnung, jeder Fortschritt in der Debatte a priori in's Unrecht gesetzt. Wir haben es beim ängstlichen Gerede mit einer politisch-rhetorischen Strategie der Selbstimmunisierung zu tun.

Die Tatsache der »Angst« überwölbt als Resonanzraum jede Konkretion und verhindert jede Diskussion. Unternimmt man den Versuch aufzuklären, so wird dem Argument stets damit begegnet werden, die Ängste ja gar nicht ernst zu nehmen. Wer Angst hat, so wird unterstellt, kann gar nicht irren. Angst erschließt die Wirklichkeit mit einem Absolutheitsanspruch, der nicht in Frage gestellt werden darf.

Selbstgefälligkeit ist die affektive Rückseite der schamlos in aller Öffentlichkeit zur Schau gestellten Ängste.

So wollen die besorgten Bürger auch gar nicht, dass ihnen Ängste genommen werden. Sie benötigen psychologisch die Behauptung ihrer Ängste als Verstärker der eigenen Identität, die deswegen leer und abstrakt bleibt, weil sie sich von nichts berühren lässt, was das eigene Selbst mit sich in Widerspruch bringen könnte. Deswegen läuft auch jeder Streit in's Leere, hat die Angst erst einmal das Diktat begonnen.

Ich habe Angst, das heißt in Wirklichkeit: ich will/muss so bleiben, wie ich bin ... und darf mit (Ich-)Fremdem nicht in Berührung kommen. Angst ist die psychische Form des völkischen Subjekts. Sie dreht sich um sich selbst, um bei sich selbst zu bleiben. Sie wird zur seelischen Figur von Erfahrungslosigkeit. Und sie wird schließlich nicht anders können, als um ihrer Selbsterhaltung willen all denen Angst zu machen, die die abstrakte Konsistenz des eigenen aus Angstzwängen gebildeten Ichs bedrohen.

Kontakt

Sie sind in der Scharfschwerdtstraße 43 gelandet, dem Büro Blog von Karsten Poppe.

Ich arbeite für Sie als Lektor. Von Beratung und Textentwicklung (Korrekturen, Lektorat, Ghostwriting) bis zur Gestaltung (Word, Open Office, PDF, DocBook, HTML/CSS, LaTeX, ePub).

Dr. Karsten Poppe
Scharfschwerdtstrasse 43
16540 Hohen Neuendorf
Deutschland
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