Dr. Karsten Poppe - Büro für Text & Webentwicklung in der Scharfschwerdtstraße 43, 16540 Hohen Neuendorf Kontakt

Scharfschwerdtstraße 43

... übersetzen zwischen Mensch und Maschine

RSS Twitter Facebook

Notizen

Von K.P. am 17. Juni 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

In der Jüdischen Allgemeinen beschreibt die Historikerin Karin Hartewig, wie Juden in der DDR auf den Aufstand vom 17. Juni reagierten, sie fürchteten den entfesselten deutschen Mob.

Aber alle, die an den Sozialismus in den Farben der DDR glaubten, stürzte die Massenbewegung in Ratlosigkeit, Panik, Wut und Verzweiflung. Zu den Getreuen zählten beileibe nicht nur Apparatschiks, eisenharte Satrapen Moskaus oder bornierte Intellektuelle. Auch diejenigen, welche Terror und Verfolgung im »Dritten Reich« als Juden überlebt und nach dem Ende der braunen Diktatur die sowjetische Besatzungszone und die junge DDR zu ihrer neuen Heimat erkoren hatten, standen auf dieser Seite der Barrikade.

Juden in der DDR nahmen den 17. Juni in spezifischer Weise als Gefahr wahr. Er galt ihnen weniger als Ausdruck eines Freiheitswillens denn als Vorbote drohenden Unheils. Für die Beschädigten und Traumatisierten beschworen die Ereignisse altbekannte Bilder herauf: Szenen nächtlicher Demonstrationen, Schlägereien, Sachbeschädigungen und Schwelbrände, zerborstenes Glas im Sommer 1953 verknüpften sich assoziativ mit den Fackelzügen der SA und dem Terror der Straße seit 1933.

Source: Im Schutz der Partei

Von K.P. am 17. Juni 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Der Soziologe Andreas Reckwitz in seinem Buch "Die Erfindung der Kreativität" über die Integration aller kontrafaktischen Regungen in die Norm des Betriebs - sei noch kreativer und du bist dabei.

Wenn es einen Wunsch gibt, der innerhalb der Gegenwartskultur die Grenzen des Verstehbaren sprengt, dann wäre es der, nicht kreativ sein zu wollen. Dies gilt für Individuen ebenso wie für Institutionen. Nicht kreativ sein zu können ist eine problematische, aber eventuell zu heilende und mit geduldigem Training zu überwindende Schwäche. Aber nicht kreativ sein zu wollen, kreative Potenziale bewusst ungenutzt zu lassen, gar nicht erst schöpferisch Neues aus sich hervorzubringen oder zulassen zu wollen, erscheint als ein absurder Wunsch, so wie es zu anderen Zeiten die Absicht gewesen sein mag, nicht moralisch, nicht normal oder nicht autonom zu sein.

Von K.P. am 13. Juni 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Philosophie, also der europäische Geist, ist eine urbane Angelegenheit, von ihrem Anfang in Milet bis zu ihrem Höhepunkt in Athen.

So lässt sich Sokrates zwar von Phaidros vor die Tore der Stadt, hinaus in Freie locken, um dort zu lesen und zu philosophieren. Aber bei dieser gern mit (natur-)pädagogischer Absicht zitierten Stelle handelt es sich keineswegs um eine besonders sinnliche Beschreibung der Natur oder um poetische Eindrücke des Philosophen. Die freie Natur ist Sokrates suspekt. Er reagiert auf die Fülle der Erscheinungen wie ein Großstadtneurotiker bei einem Ausflug ins Grüne, Naturbegeisterung lässt er nur mit ironischer Distanz zu. Seine Beschreibung könnte die Floskeln des athenischen Stadtmarketings parodieren.

Sokrates: Bei der Here! dies ist ein schöner Aufenthalt. Denn die Platane selbst ist prächtig belaubt und hoch, und des Gesträuches Höhe und Umschattung gar schön, und so steht es in voller Blüte, daß es den Ort mit Wohlgeruch ganz erfüllt. Und unter der Platane fließt die lieblichste Quelle des kühlsten Wassers, wenn man seinen Füßen trauen darf. Auch scheint hier nach den Statuen und Figuren ein Heiligtum einiger Nymphen und des Acheloos zu sein. Und wenn du das suchst, auch die Luft weht hier willkommen und süß, und säuselt sommerlich und lieblich in den Chor der Zikaden. Unter allem am herrlichsten aber ist das Gras am sanften Abhang in solcher Fülle, daß man hingestreckt das Haupt gemächlich kann ruhen lassen. Kurz, du hast vortrefflich den Führer gemacht, lieber Phaidros.

Die Philosophie verlässt die Stadt nicht, ihre Mauern beschreiben eine präzise Grenze ihrer möglichen Praxis. Außerhalb der Stadt kennt sich Sokrates nicht mehr aus, er muss an die Hand genommen und geführt werden, fast wie wie Blinder. Ein Gang ins Freie wird zu einem Irrweg und vollzieht sich als basale Entfremdung und Derealisierung des Subjekts.

Phaidros: Du aber, wunderbarer Mann, zeigest dich ganz seltsam. Denn in der Tat, wie du auch sagst, einem Fremden gleichst du, der sich umherführen läßt, und nicht einem Einheimischen. So wenig wanderst du aus der Stadt über die Grenze, noch auch selbst zum Tore scheinst du mir herauszugehen.

Die Polis ist der Ort menschlicher Selbstverwirklichung.

Sokrates: Dies verzeihe mir schon, o Bester. Ich bin eben lernbegierig, und Felder und Bäume wollen mich nichts lehren, wohl aber die Menschen in der Stadt. Du indes, dünkt mich, hast um mich herauszulocken das rechte Mittel gefunden. Denn wie sie mittelst vorgehaltenen Laubes oder Körner hungriges Vieh führen, so könntest du gewiß, wenn du mir solche Rollen mit Reden vorzeigtest, mich durch ganz Attika herumführen, und wohin du sonst wolltest. Nun wir aber an Ort und Stelle angekommen sind, werde ich mich wahrscheinlich hier niederlegen; du aber, in welcher Stellung du am besten lesen zu können glaubst, die wähle und lies.

Das Hinaustreten aus dieser philosophischen Welt geschieht in Form der Kunst, der Mnemosyne, der Erinnerung an das Unvordenkliche, die Zeit vor dem Anfang des europäischen Geistes, die Zeit der Natur.

Von K.P. am 13. Juni 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

So sieht es wohl links bei den Piraten aus, bei Oliver Hofinghoff ... da geht jede Kritik ins Leere, weil jeder ernsthafte Begriff von Kapital & Weltmarkt fehlt, also auch jede Wirtschaftskompetenz.

Der Mensch als gieriges Tier, das durch Selbstausbeutung 2.0 gebändigt wird: Wir brauchen keine Kapitalisten um unsere Arbeitskraft in Waren und Güter zu verwandeln. So schaut's aus, leider. Und genau das ist das Problem. Alles andere ist ein Sammelsurium linker Phrasen.

Wir haben die Mittel, Märkte transparent aufzustellen. Wir brauchen keine Mittelsleute mehr um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. Wir brauchen keine Kapitalisten um unsere Arbeitskraft in Waren und Güter zu verwandeln. Das Netz bietet uns eine Menge mehr Möglichkeiten, als einfach nur ein bisschen mehr politische Partizipation. Über das Netz haben wir die Möglichkeit uns zu organisieren, Güter zu akkumulieren und daraus Mehrwerte zu produzieren, die wir; weil wir an allen Mehrwerten partizipieren; der Allgemeinheit bereitstellen können.

Ein demokratisches Wirtschaftssystem, das sich selbst organisiert. Menschen, die ihren Anteil am Gesamtwohlstand frei verwenden können.

Da wir die Gier im Menschen nicht besiegen können (es ist eine der Antriebsfedern unserer Spezies), müssen wir ein System etablieren, dass verhindert, dass die einen unter der Gier der anderen leiden müssen.

Wenn das Kapital zum Fetisch wird, wird die Antriebskraft zur Gier.

Von K.P. am 13. Juni 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Befragt über sein Verhältnis zur Natur, sagte Herr K., dass er nicht ins Freie und Grüne fahren, sondern Bäume vor der Tür sehen möchte.

Bäume erinnerten ihn an die reale Basis der Gebrauchswerte, an das Nicht-Identische in jeder kapitalistischen Zurichtung der Natur. Seine Naturerfahrung bleibt auf Arbeit bezogen, sonst gerate sie zum romantischen Eskapismus krankhafter Begeisterung. Hinaustreten, das Haus verlassen, aber der Stadt nicht entfliehen, so lautet seine Devise.

"Ich würde gern mitunter aus dem Haus tretend ein paar Bäume sehen. Besonders da sie durch ihr der Tages- und Jahreszeit entsprechendes Andersaussehen einen so besonderen Grad von Realität erreichen. Auch verwirrt es uns in den Städten mit der Zeit, immer nur Gebrauchsgegenstände zu sehen, Häuser und Bahnen, die unbewohnt leer, unbenutzt sinnlos wären. Unsere eigentümliche Gesellschaftsordnung läßt uns ja auch die Menschen zu solchen Gebrauchsgegenständen zählen, und da haben Bäume wenigstens für mich, der ich kein Schreiner bin, etwas beruhigend Selbständiges, von mir Absehendes, und ich hoffe sogar, sie haben selbst für die Schreiner einiges an sich, was nicht verwertet werden kann." "Warum fahren Sie, wenn Sie Bäume sehen wollen, nicht einfach manchmal ins Freie?" fragte man ihn. Herr Keuner antwortete erstaunt: "Ich habe gesagt, ich möchte sie sehen aus dem Hause tretend." (Herr K. sagte auch: "Es ist nötig für uns, von der Natur einen sparsamen Gebrauch zu machen. Ohne Arbeit in der Natur weilend, gerät man leicht in einen krankhaften Zustand, etwas wie Fieber befällt einen.")

Warum bei den neulich vorgetragenen Ideen zur landschaftlichen Gestaltung des Herthamoores so viel (und meiner Ansicht nach zu viel) Wert auf Sichtachsen gelegt wurde, kann mit ein paar Zeilen von Fernando Pessoa alias Alberto Caeiro erklärt werden.

Nas cidades a vida é mais pequena
Que aqui na minha casa no cimo deste outeiro.
Na cidade as grandes casas fecham a vista à chave,
Escondem o horizonte, empurram o nosso olhar para longe de todo o céu,
Tornam-nos pequenos porque nos tiram o que os nossos olhos nos podem dar,
E tornam-nos pobres porque a nossa única riqueza é ver.

In den Städten ist das Leben kleiner
Als hier in meinem Haus auf dem Gipfel dieses Hügels.
In der Stadt verschließen die großen Häuser die Aussicht,
verdecken den Horizont, stoßen den Blick weit fort vom Himmel,
Machen uns klein, weil sie uns nehmen, was unsere Augen uns geben können,
Und machen uns arm, denn unser einziger Reichtum ist Sehen.

Daher die Faszination der Autobahnen, die gebaut wurden, um die Menschen aus den großen Städten wieder sehen zu lassen, die Landschaft als Panorama, das Automobil als Haus auf dem Hügel und Ort moderner, nämlich beschleunigter Kontemplation.

Diesen Traum von Sichtachsen sollte man sich bewusst machen, bevor blind Schneisen geschlagen werden, die am Ende die Landschaft aussehen lassen, als sei doch eine Umgehungsstraße geplant. Gerade die landschaftliche Gestaltung eines kleinen und versteckten Moores bietet andere Perspektiven als die eines großen Durchblicks.

Von K.P. am 28. Mai 2013 keine Kommentare

Archive Technik

Der Landkreis hat eine neue Website und in der Presse wird behauptet, sie sei gar barrierefrei. Ein ganz kurzer Blick zeigt, dass das nicht wahr ist.

Ein kurzer Blick zeigt auch handwerkliche Kuriositäten wie fehlerhafte Kommentare in den Templates. Das CMS läuft Amok und speit Anker aus:

 

 

Das Problem der Kommunen ist ganz einfach das:

  • sie haben in der Regel gar keine Kriterien, was eine gelungene oder gar barrierefreie Website ausmacht
  • es gibt keine Qualitätskontrolle, die durch Agenturen erstellte Auftritte bewertet und abnimmt

Stattdessen dann Phrasen wie die, dass der Auftritt barrierrefrei sei. Und warum? Weil die Agentur das behauptet.

Komplizierte Sachverhalte werden mit einfachen Worten erläutert. Die neue Seite erfüllt weitgehend die Anforderungen an die Barrierefreiheit. Das war uns wichtig. Denn Barrierefreiheit bedeutet mehr als die Zugänglichkeit von Informationen für Blinde und Sehbehinderte oder Menschen mit motorischen, geistigen oder Hörbehinderungen. Barrieren können auch schwer verständliche Texte oder eine bloße Linksammlung sein“, erläuterte der Landrat.

Kleiner Test: Rufe die Seite Über uns auf und versuche mit der Tastatur zum Inhalt zu navigieren. Sollte das durch glückliche Zufälle gelingen, versuche mit Hilfe der Tastatur den Text zu erreichen, der sich unter der Überschrift "Unsere Ziele" versteckt.

Das geht nicht? Genau das sind aber (nicht einmal besonders hohe) Barrieren. Informieren und beschweren könnte man sich bei der Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragten. Man sollte sich allerdings Mühe geben, denn sollte das Formular fehlerhaft gesendet werden, kommt eine Fehlerseite, die alles tut, nur nicht weiter helfen.

Und was Positives: ja, der Versuch verständlichen Text zu produzieren, ist manchmal ganz gut gelungen.

Nachträge

Beim Statistischen Bundesamt kann man wunderbar per Tastatur durch das Hauptmenü navigieren - in Oberhavel geht das nicht.

Von K.P. am 23. Mai 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Schön ist die Natur als Schauplatz gelingenden individuellen Lebens, so Martin Seel in seinem Buch über die Ästhetik der Natur.

Deswegen ist der Schutz freier Natur, in der die Erfahrung des Schönen möglich ist, ein Gebot der sozialen und politischen Rücksicht gegenüber den Bedingungen individueller Entfaltung.

Natur ist also nicht nur Begriff der Überlebensmöglichkeit, sondern der positiven Lebensmöglichkeit des Menschen. Die Schonung der Natur liegt deswegen im reflektierten Eigeninteressen jedes Menschen. Wird im ästhetischen Umgang mit Natur eine Form guten Lebens erfahrbar, so gehört die Erhaltung der Natur zur Anerkennung des Menschlichen und dessen Glücksbedingungen.

Die Destruktion des Naturschönen, heißt das, zerstört das Bewusstsein der Möglichkeit gelingenden Lebens. Wer das Naturschöne nicht mehr zu erfahren vermag, dem wird alles egal - jede Praxis, die mehr ist als Herrschaft und instrumentelle Zurichtung von Mensch und Natur, jede Praxis, die sich an Erfahrungen des von Glück erfüllten Lebens orientiert.

Die Vernichtung oder Verhinderung des Naturschönen ist eine Liquidation der nicht-instrumentellen Beziehungen zur lebensweltlichen Natur. Sie ist damit eine Zerstörung positiver Kontingenz, ästhetischer Differenz, realer Freiheit und erfüllter Zeit.

Von K.P. am 21. Mai 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Alle wollen empört sein und suchen nach Anlässen. Wunderbar nüchtern stellt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva fest, dass Empörung eine Sackgasse ist - und das Gegenteil einer "Kultur des Infragestellens".

Eine weitere Sackgasse Europas ist der Hang zur Empörung, ein Wort, das inzwischen groß in Mode ist. In meinen Augen ist die Empörung romantisch, eine von Abwehr und Zorn geprägte und jugendlich-unreife Reaktion, die keine glaubwürdige Alternative benennt, weil sie keinerlei Interaktion mit dem anderen vorsieht. Sie denkt nicht an den anderen. Es ist eine Haltung, die zum Dogmatismus verleitet; sie ist ihrem Wesen nach totalitär und todbringend. Die Empörung ist eine europäische Sünde, ein negativer Narzissmus.

Von den Schwierigkeiten Nein zu sagen, so hat Klaus Heinrich das auf die Formel gebracht - und Kristeva: wir brauchen uns dennoch nicht unserer Kultur des Infragestellens zu schämen, ganz im Gegenteil.

Besser als in diesem Gespräch kann heute nicht auf den Punkt gebracht werden, was in Europa noch Kultur heißen könnte.

Was passiert, wenn man sich von Stadtentwicklungspolitik verabschiedet und kommunale Gestaltungsspielräume dem Markt überlässt, hat der letzte Ausschuss in Hohen Neuendorf gezeigt.

Unter der Devise, bezahlbaren Wohnraum schaffen! wird ein Mietwohnungsprojekt in Borgsdorf unterstützt, das in der Nelkenstraße/Sperberstraße/Blumenstraße zu einer unglaublichen Verdichtung führt, und von CDU, SPD und LINKEN die Befreiung von den Festsetzungen des geltenden Bebauungsplans empfohlen.

Geplant sind Wohnungen im mitteren Preissegment (7€/m2 plus Nebenkosten). Die Planung sieht 3 Wohnhäuser in Geschossbauweise mit je 18 Mietwohnungen vor. Auf den Grundstücken befinden sich bereits 2 Wohngebäude, ebenfalls in Geschossbauweise mit je 18 Wohneinheiten. Der Bebauungssplan Nr. 01 „Berliner Straße / Sperberstraße“, Stadt Hohen Neuendorf, Stadtteil Borgsdorf sieht bereits eine GRZ von 0,4 vor.

Übernommen wird die Behauptung des Investors, es bestünde für diese Wohnungen ein Bedarf. Dieser Bedarf wird allerdings wiederum nicht begründet, sondern nur mit Gerüchten kolportiert: der Investor habe durch seine Mieter erfahren, dass Menschen preiswerten Wohnraum suchten. Dolles Ding, Sachen gibt's! Denn dass für den Investor ein Bedarf vorhanden ist, steht außer Frage. Es wird allerdings in keiner Weise beziffert, ja auch seitens der Verwaltung nicht einmal zu benennen versucht, wie groß dieser Bedarf in und für Hohen Neuendorf tatsächlich ist. Sachpolitik ist das nicht, wenn Fakten nur behauptet werden.

(Schauen wir einmal in ein paar Jahren, wie viele Hohen NeuendorferInnen tatsächlich in den Neubau gezogen sind oder wie viele Familienangehörige von Hohen NeuendorferInnen dort leben.)

Aber Widerspruch wird nicht geduldet. Dass die ersten Baumfällaktionen durchgeführt werden können, bevor eine Baugenehmigung erteilt wurde, wundert in Hohen Neuendorf schon niemanden mehr. Und statt auf die Expertise der Architekten (Stadtverein und Grüne) im Ausschuss zu hören oder sich wenigstens mit ihren Einwänden auseinanderzusetzen, wird deren Kritik als vermessen bezeichnet, der Investor wüsste schließlich am Besten, wie zu bauen sei, man habe dankbar zu sein, dass es überhaupt Interesse an der Projektentwicklung gebe und schließlich sei man selbst auch kein Architekt.

Für Jutta Lindner (SPD) sei zwar die Gartenstadt Hohen Neuendorf oberstes Gebot. Wenn sie allerdings den geplanten Komplex ein geschlossenes Areal und eine Insel in der Gartenstadt nennt, dann plaudert sie unfreiwillig aus, worauf hier die Stadtentwicklung hinausläuft: auf städtebaulich (und schlimmstenfalls auch gesellschaftlich) als minderwertig stigmatisiert Orte, architekturhistorisch und soziologisch zugespitzt: auf Ghettos für Outsider.

Eine vernünftige Stadtentwicklungspolitik hätte solche (eigentlich gerade für die DDR typischen) Insellösungen zu kritisieren und Konzepte zu entwickeln, die vermeiden, dass die Stadt durch sozialen Druck und simple marktkonforme Lösungen in Inseln und geschlossene Viertel zerfällt. Perspektiven für den kommunalen Wohnungsbau könnten ein Anfang sein ...

Aber das ist der Preis, den die Menschen in Hohen Neuendorf für bezahlbaren Wohnraum zu zahlen bereit sein sollen: sie müssen billige & hässliche Architektur ertragen (Plattenbau in Borgsdorf) und akzeptieren, dass sie abgeschlossen in einem stigmatisierten Komplex leben.

Dazu passt die paternalistische Haltung, mit der Jutta Lindner (SPD) das Projekt unterstützt. Sie begründet die Forderung nach Balkonen allen Ernstes mit dem Argument, dass die Leute mal an die frische Luft kommen.

Das Projekt führt in dieser Lage in Borgsdorf zu einer unglaublichen Verdichtung. So stelle er sich Hohen Neuendorf in zehn Jahren nicht vor, meinte Norbert Matthes. Wenn allerdings die Spitze der Verwaltung weiter durch die Politik unwidersprochen jeden Investorenwunsch mit ungeahnter Energie unterstützt und ihre (nie offen politisch diskutierten) Vorstellungen von zuträglicher Verdichtung durchsetzt, dann wird seine Phantasie auf eine harte Probe gestellt.

Das ist ein beliebtes Argument, oder genauer, eine beliebte rhetorische Figur, wenn es um die Durchsetzung von kommunalen Bebauungsplänen geht: einen Bedarf anmelden.

Der Antragsteller behauptet, es bestünde ein Bedarf an neuen Sportplätzen, Altenheimen, Mietwohnungen ... Damit macht der Investor deutlich, dass er in keiner Weise in eigenem Interesse, sondern im Namen einer großen Mehrheit, wenn nicht gar der Allgemeinheit spricht, im Namen der Gemeinde oder der Stadt, dass es ihm um das Gemeinwohl geht und nicht um eigene partikulare Interessen.

Um so ernsthafter müsste dann der Bedarf geprüft werden.

In Hohen Neuendorf ist das zunächst und vor allem nicht der Fall, da genügt es, einen Bedarf einfach zu behaupten. Wer dann (aus welchen Gründen auch immer) gegen ein weiteres Altenheim, einen Sportplatz oder neuen Mehrgeschossbau argumentiert, wird im Namen des Gemeinwohls rhetorisch bekämpft: man sei gegen Alte oder gegen Kinder & Jugend.

Um diese Kritik ernsthaft zu entkräften und ein sachliches Gespräch zu ermöglichen, müsste nur politisch diskutiert, ein Bedarf definiert und seine Erfüllung geprüft werden. Daran scheint aber kein Interesse zu bestehen. Es gibt keinen Sportstättenentwicklungsplan (das könnte so aussehen), keine seriöse Prognose der demografischen Entwicklung, keine Bestandserhebung von Altenpflegeplätzen, weder Perspektiven noch Konzepte für einen kommunalen Wohnungsbau.

Ein Bedarf wird von der Verwaltung im schlimmsten Fall dann bescheinigt, wenn ein Investor über die finanziellen Mittel verfügt, um ihn zu behaupten: Ich will investieren, also besteht ein Bedarf. Oder wenn die entsprechende Lobby über genügend Einfluss verfügt, um ihn durchzusetzen: Wir wollen das so, also besteht auch ein Bedarf an dieser Stelle.

Mit politischer Diskussion, mit transparenten Entscheidungen oder gar mit einer breiten und demokratischen Bedarfsermittlung mittels Bürgerbeteiligung hat das nichts zu tun.

Denn darüber könnte man gut und öffentlich reden: wie viele und was für Sportplätze brauchen wir, wo sollen sie gebaut werden und wer soll sie nutzen dürfen? Wie viele Altenpflegeplätze brauchen wir, wie und von wem sollen diese Heime organisiert sein und wie wollen wir überhaupt im Alter wohnen? Wie können wir (und können wir das überhaupt) für bezahlbaren Wohnraum sorgen, ohne städtebauliche Fehler der Vergangenheit zu wiederholen?

Der politischen Kultur der Stadt täten solche Diskussionen gut, sie würden zur Versachlichung des Klimas und zur Entschärfung des Streits führen. Bis dahin wird einfach behauptet und denunziert ...

Von K.P. am 06. Mai 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Brechts Lösung zum 17. Juni in Portugiesisch.

Von Buckow nach Sintra, Pedro Macieira hat das Gedicht in seinem Blog am letzten Samstagzitiert.

Após a insurreição de 17 de Junho
O secretário da União de escritores
Fez distribuir panfletos na Alameda Estaline
Em que se lia que, por culpa sua,
O povo perdeu a confiança do governo
E só à custa de esforços redobrados
Poderá recuperá-la.Mas não seria
Mais simples para o governo
Dissolver o povo
E eleger outro?

Von K.P. am 04. Mai 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Vor 70 Jahre, am 4./5. Mai 1943, wurde im KZ Sachsenhausen Otto Scharfschwerdt zu Tode gequält. Die Todesursache und die Umstände sind bis heute ungeklärt. Er soll zu den Opfern der Menschenversuche faschistischer Ärzte gehört haben, die an KZ-Häftlingen Flecktyphusimpfungen vornahmen, um zu beobachten, wie diese dann an einer „allgemeinen Typhusepedemie“ zugrunde gingen. Er ist auf dem Friedhof in Birkenwerder beigesetzt.

Am Wohnhaus der Familie in der Hohen Neuendorfer Scharfschwerdtstraße ist zur Erinnerung an Otto Scharfschwerdt eine Gedenktafel angebracht.

Zur Erinnerung: Daten zum Leben Otto Scharfschwerdts

Von K.P. am 30. April 2013 keine Kommentare

Archive Kultur

Eine Katze auf den Dach, ein Gecko am Fenster, Rehe und Eulen im Garten, ein Hund auf der Terrasse.

Die aus unserem Leben verdrängte Tierwelt kehrt stumm als Kunstgewerbe wieder.

Von K.P. am 30. April 2013 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Im letzten August hatte ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Hermann-Löns-Straße in Bergfelde erst nach Heinrich Heine benannt und auf Betreiben des Bergfelder Dorfschullehrers Otto Berndt nach 1933 zu Ehren des Heidedichters umbenannt wurde.

Artikel: Hermann Löns in Bergfelde (1)

Anlässlich einer Veranstaltung zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen bringt der Geschichtskreis dieses Thema nun zur Sprache.

So habe es in Bergfelde bespielsweise vor 1933 eine Heinrich-Heine-Straße gegeben, erläutert Raetzer. Diese sei 1935 unter anderem auf Betreiben des damaligen Ortschronisten umbenannt worden - in Hermann-Löns-Straße, wie sie heute noch heißt. Löns war ein Schriftsteller, der sich in seinem Werk häufig mit der Natur und mit Tieren beschäftigte und der im Ersten Weltkrieg in Frankreich starb.

Gründe, Löns aus Bergfelde wieder zu verbannen, gebe es an sich nicht", so Dietrich Raetzer. Aber eine Art "Wiedergutmachung" für Heinrich Heine sei denkbar - allerdings ist in Hohen Neuendorf inzwischen eine Straße nach ihm benannt worden.

"Das Resultat ist an sich nicht so wichtig, sondern die geschichtliche Vorgänge, mit denen wir uns beschäftigen", sagt der Historiker. Der Geschichtskreis sehe es als eine Aufgabe an, die Straßenumbenennungen zu erforschen.

Wenn das Resultat allerdings tatsächlich nicht so wichtig ist, dann kann man auch die Erinnerung wieder vergessen - und man wird sie vergessen, wenn sie keine Spuren hinterlässt. Deswegen sollte durch eine Tafel an der Hermann-Löns-Straße darauf aufmerksam gemacht werden, dass, wann und warum diese Straße umbenannt wurde. Sonst bleibt alles Erinnern vergeblich ... und vor allem folgenlos, weil es die Gegenwart belässt, wie sie ist.

Hermann Löns

Und Hermann Löns wird auch nicht gerecht, wer in ihm nur den harmlosen Wald- und Wiesendichter mit Hang zur Idylle sieht.

Ich bin Teutone hoch vier. Wir haben genug mit Humanistik, National-Altruismus und Internationalismus uns kaputt gemacht, so sehr, dass ich eine ganz gehörige Portion Chauvinismus sogar für unbedingt nötig halte. Natürlich passt das den Juden nicht und darum zetern sie über Teutonismus. Das aber ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Von K.P. am 29. April 2013 keine Kommentare

Archive Technik

Locations ist Modul für xarPress5 (Xarigami), mit dem Adressen inkl. Geokoordinaten (Längen- und Breitengrad) gesammelt, aufgelistet und auf Karten dargestellt werden können.

Das Modul besteht aus zwei Teilen: (1.) Locations und (2.) Maps.

Das Modul kann durch Hooks und Dynamic Data ergänzt werden, so können z.B. Locations oder Maps kommentiert und verschlagwortet werden.

(1.) Locations

Eine Location besteht aus einem Titel und den Koordinaten für Längen- und Breitengrad.

Zusätzlich können weitere Felder (z.B. Straße, Bundesland, Land) verwendet werden, um die Adresse der Location zu spezifizieren.

Diese zusätzlichen Adresskomponenten basieren auf Googles Geocoding und Googles Places API.

Es kann in den Moduleinstellungen gewählt werden, welche Adresskomponenten zum Sammeln von Locations verwendet werden sollen und welche Felder als Pflichtfelder betrachtet werden.

Für die Ermittlung und Konvertierung von Adressen (z. B. "1600 Amphitheatre Parkway, Mountain View, CA") in geografische Koordinaten (z. B. geografische Breite 37.423021 und geografische Länge -122.083739) stehen bisher zwei Tools zur Auswahl:

Mit Hilfe dieser Tools reicht ein Klick auf eine Karte, um automatisch die passenden Adresskomponenten und geografischen Koordinaten einer Location zu erhalten. Die Tools unterscheiden sich durch die Anzahl der unterstützten Adresskomponenten.

Das Modul ist aber auch eine JavaScript voll funktionsfähig.

Locations werden aufgelistet und in der Einzelansicht auf einer Karte (optional) dargestellt.

(2.) Maps

Maps stellen alle Locations einer Kategorie auf einer Karte dar.

Wahlweise kann die Darstellung auch alle Unterkategorien beinhalten.

Dazu muss nur die passende Kategorie und eine Name für die Karte gewählt werden. Optional kann der Karte auch eine Beschreibung hinzugefügt werden.

Für die Erzeugung der Karte werden Openstreet Map und Leaflet genutzt. Alternative Kartenanbieter können jedoch leicht eingebunden werden.

Properties

Das Modul enthält zwei neue Dynamic Data Properties, durch die andere Module in ihrer Funktionalität erweitert werden können.

  • addresspicker
  • geolocation

...

Kontakt

Sie sind in der Scharfschwerdtstraße 43 gelandet, dem Büro Blog von Karsten Poppe.

Von Beratung und Textentwicklung (Korrekturen, Lektorat, Ghostwriting) bis zur Gestaltung (Word, Open Office, PDF, DocBook, HTML/CSS, LaTeX, ePub) - wenn Sie an meinen Dienstleistungen interessiert sind, nehmen Sie bitte direkt mit mir Kontakt auf.

Dr. Karsten Poppe
Scharfschwerdtstrasse 43
16540 Hohen Neuendorf
Deutschland
Tel.: +49 (0)3303 - 541371
Jabber: metaphora@jabber.ccc.de
Bürozeiten: Montag bis Donnerstag 9 bis 12 und 16 bis 18 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr

Support auch in Zukunft im Kundenbereich.

Signaturen

Wie ist es möglich, dass man nicht derartig, im Namen dieser Prinzipien da, zu solchen Zwecken und mit solchen Verfahren regiert wird - dass man nicht so und nicht dafür und nicht von denen da regiert wird?

- Michel Foucault

Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend: Denken hat die Wut sublimiert.

- Theodor W. Adorno

Tant mieux. Nicht weinen. Der Unsinn der kritischen Prognosen.

- Walter Benjamin

I have no spiritual investment in this world as it is.

- Jacob Taubes

xarPress5 - HTML5 Content Management mit System

xarPress5 ist das von mir im Frontend (mit-)entwickelte Content Management System für barrierearme, standardkonforme und nachhaltige Websites.

Websites von Privatpersonen, Bürgerinitiativen und Vereinen bis hin zu komplexen Internetauftritten von Unternehmen können mit xarPress5 schnell und einfach über den Browser erstellt und verwaltet werden.

Sie finden mehr Informationen und eine Testinstallation auf xarPress5 - HTML5 Content Management mit System.

Kultur

Hohen Neuendorf

Kommentare

Portugal

Wer sich für Portugal interessiert, dem sei ein Besuch in Lissabon oder Sintra empfohlen. Und wer nach Informationen über Portugal sucht, der kann sich im Portugalforum mit anderen austauschen.

Texte

Texte, Fragmente und Improvisationen zu Walter Benjamin und Jacob Taubes.

Lebenszeichen

Werbung

Antiquarische Bücher preiswert online im Rantzauer Sammlerkabinett bestellen: Taschenbücher und gebundene Bücher.

Pk elektronik liefert Wärmebildkameras von Flir Systems für die Bereich Industrie, Bau sowie Forschung und Entwicklung - Flir E50 Wärmebildkamera für Instandhaltung und Inspektion

Login

Headlines

Feed failed to load

Lesenswert

Auf der Galerie