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Scharfschwerdtstraße 43

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Notizen

Von K.P. am 07. April 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Seit dem Sommer 2011 wird gegen den parteilosen Bürgermeister der Gemeinde Birkenwerder (Oberhavel), Norbert Hagen, und zwei weitere Mitarbeiter des Rathauses wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ermittelt.

Konkret sollen die Behördenmitarbeiter Ingenieurleistungen so aufgesplittet haben, dass diese nicht mehr öffentlich ausgeschrieben werden mussten. Stattdessen sind die Aufträge an eine Reihe von bevorzugten Ingenieur- und Vermessungsbüros gegangen, wofür die Beamten mit Bargeld belohnt wurden. Die Firmen sollen sich zudem untereinander abgestimmt haben, wer wann zum Zuge kommt.

Dieses für alle lukrative System ist durch eine detaillierte anonyme Anzeige aufgeflogen. Die Korruptionsermittler sind den Beteiligten schon seit einem Jahr auf der Spur. Bereits Anfang Dezember 2010 hatte die Staatsanwaltschaft im Rathaus Akten beschlagnahmt.

Das war 2011.

Im Sommer 2014 erschien in der MAZ ein Bericht über die Familienpolitik des Norbert Hagen

Und jetzt? Jetzt titelt nach der Suspendierung des Bürgermeisters der Oranienburger Generalanzeiger "Schockstarre im Rathaus" - und trifft wohl damit tatsächlich die Befindlichkeit eines Teils der politischen Szene des Ortes. Und genau das ist das Problem. Sie haben nichts gemerkt und sie wollten nichts merken.

Denn dass die seltsamen Praktiken, die jetzt zur Suspendierung des Bürgermeisters geführt haben, überhaupt öffentlich geworden sind, ist der Presse und ist den Aktivisten der Bürgerinitative der AG Ortsentwicklung zu verdanken. In den politischen Fraktionen, die jetzt in letzter Minute versuchen sich aus dem sinkenden Boot zu retten:

  • wurden detailliert begründete Veröffentlichungen in der Presse als Vorverurteilung denunziert
  • wurde gegen Journalisten gepöbelt
  • wurde behauptet, die Gemeindevertretung hätte keine Kontrollfunktion gegenüber der Verwaltung wahrzunehmen
  • wurde abgewiegelt, die Sache mit den städtischen Immobiliengeschäften sei viel zu komplex, als dass man sich hätte einmischen können
  • sollte ein Untersuchungsausschuss unter keinen Umständen eingesetzt werden

Dass bei all jenen Schockstarre herrscht, ist verständlich.

Durchsucht wurden damals übrigens von den Anti-Korruptionsermittler auch die Räume des Tiefbauamtes in Hohen Neuendorf. Insgesamt, so konnte man 2011 lesen, wird gegen fünf Mitarbeiter von Behörden ermittelt.

Von K.P. am 04. April 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Was für ein schöner Aufruf! So, als könnte man 40 Jahre nach der portugiesischen Nelkenrevolution aus der posthistorischen Totenstarre nur mit Poesie, Schönheit und politischer Mystik erwachen.

Todos os Rios

 

In der Nacht zum 25. April entspringen Flüsse an verschiedenen Orten der Stadt. Verschiedene Menschenströme, die diesen Tag auf der Straße verbringen wollen - statt allein zu Hause - und die mit Instrumenten, Töpfen, Stimmen und Lust auf den Largo do Carmo münden.

Wir kehren nicht zufällig an diesen Ort zurück. Nicht nur weil dieser Platz vor 40 Jahren sich mit Leuten füllte, die der Aufforderung des Militärs nicht gehorchten, zu Hause zu bleiben, sondern auch weil wir leben und den öffentlichen Raum beanspruchen wollen.

Damit diese Ströme existieren, müssen Quellen geschaffen werden. Nimm deine Freunde, deine Musikgruppen, deine Gemeinschaften oder Sportvereine, sprich mit anderen, denk dir Treffpunkte aus, organisiere deinen Lauf. Mach mit, bring deine Ideen und Wünsche mit, Instrumente, Essen, Getränke und einen Müllbeutel*.

Website: Rios ao Carmo

* Um die Troika zu entsorgen: Que Se Lixe a Troika!

"Wir kehren nicht zufällig an diesen Ort zurück"

Der Ursprung ist das Ziel, das ist politische Mystik, denn "wir" (die heutige Generation) waren ja damals nicht auf der Straße. Wir kehren zurück, um den Anfang zu wiederholen und neu anzufangen:

Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen ›wie es denn eigentlich gewesen ist‹. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt. Dem historischen Materialismus geht es darum, ein Bild der Vergangenheit festzuhalten, wie es sich im Augenblick der Gefahr dem historischen Subjekt unversehens einstellt. Die Gefahr droht sowohl dem Bestand der Tradition wie ihren Empfängern. Für beide ist sie ein und dieselbe: sich zum Werkzeug der herrschenden Klasse herzugeben. In jeder Epoche muß versucht werden, die Überlieferung von neuem dem Konformismus abzugewinnen, der im Begriff steht, sie zu überwältigen. (Walter Benjamin)

Von K.P. am 02. April 2014 1 Kommentar

Archive Kultur

Mit den Städten, die zu Metropolen und zur Megalopolis werden, verschwinden die Vorstädte. Was bleibt, ist urbane Wüste. Und hier und da ein Baum.

António Lobo Antunes ist in einem Vorort von Lissabon, in Benfica, aufgewachsen, damals Villen mit Gärten, kleine Gassen, niedrige Häuser:

Wenn ich heute nach Benfica zurückkehre, finde ich Benfica nicht mehr. Die Pfauen schweigen, kein Storch hockt mehr auf der Palme bei der Post
(die Palme bei der Post gibt es nicht mehr, das Landgut der Lobo Antunes ist verkauft worden)
Senhor Silvino, Senhor Florindo und Senhor Jardim sind gestorben, mehrstöckige Gebäude wurden an der Stelle der Häuser hochgezogen, doch ich habe den Verdacht, daß unter diesen Gebäuden mit fünf, sechs, sieben, acht, neun Stockwerken, irgendwo unter den verglasten Veranden und Bankfilialen, Senhor Paulo noch immer mit Bindfäden und Rohrstöckchen die Flügel der Spatzen richtet, Dona Maria Salgado noch immer mit dem beschlagenen Glassturz mit der Heiligen Familie von Villa zu Villa trabt, Lafaiete und Jaurés auf der Calçada do Tojal von Basilikumtöpfen und Gevatterinnen in Pantoffeln umringt Kippel-Kappel spielen. Es gibt keine Pfauen und keine Störche mehr, doch die Akazie meiner Eltern hält beharrlich stand. Vielleicht hält nur die Akazie stand, bleibt allein sie aus dieser Zeit wie der die Wellen durchbrechende Mast eines versunkenen Schiffes. Die Akazie reicht mir. (António Lobo Antunes: Buch der Chroniken, Lob der Vorstadt)

Man verkennt die Pointe, denkt man zuerst an Nostalgie. Die Vorstadt wird seit der römischen Erfindung der Villa suburbana durch einen genauen Abstand gemessen, sie ist ein Ort diesseits der urbanen Mobilmachung, der totalen Vergesellschaftung im Namen des Kapitals. In der Vorstadt wird noch gespielt, nicht nur die Reichen, sondern die Alten, Irren und Kinder (mit deren Stimmen der Autor sprechen wird) haben ihren Platz, es gibt Muße und es wird Zeit noch verschwendet: sei's um die gebrochenen Flügel der Spatzen zu richten.

Von K.P. am 02. April 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Wenn Banken sich mit Kunst staffieren, kann kaum ernsthaft kritisiert werden, dass Kunst bei der Hohen Neuendorfer Kunstmeile auf der Schönfließer Straße in Schaufenstern ausgestellt und begutachtet wird. Die Werke stellen sich als die Ware zur Schau, deren Charakter sie auch in sich gar nicht leugnen können, wollen sie nicht aus der Welt fallen.

Spannend ist deswegen vor allem die Frage: reflektieren sie diesen Kontext und nehmen ihn in sich auf? Leisten sie Widerstand gegen die theologischen Mucken der Ware und den zwanghaften Konsum? Öffnet sich in ihnen eine neue Welt jenseits des Schaufensters, der Schaustellung und ihrer Spiegelung? Darin dürfte sich Kunsthandwerk vom authentischen Werk unterscheiden. Sogar in Hohen Neuendorf.

Aber wohin gehört ein Werk? So hat noch Martin Heidegger in seinen Übergelegungen Überlegungen zum Ursprung des Kunstwerks gefragt:

So stehen und hängen denn die Werke selbst in den Sammlungen und Ausstellungen. Aber sind sie hier an sich als die Werke, die sie selbst sind, oder sind sie hier nicht eher als die Gegenstände des Kunstbetriebes? Die Werke werden dem öffentlichen und vereinzelten Kunstgenuß zugänglich gemacht. Amtliche Stellen übernehmen die Pflege und Erhaltung der Werke. Kunstkenner und Kunstrichter machen sich mit ihnen zu schaffen. Der Kunsthandel sorgt für den Markt. Die Kunstgeschichtsforschung macht die Werke zum Gegenstand einer Wissenschaft. Doch begegnen uns in diesem mannigfachen Umtrieb die Werke selbst? (...) Aller Kunstbetrieb, er mag aufs äußerste gesteigert werden und alles um der Werke selbst willen betreiben, reicht immer nur bis an das Gegenstandsein der Werke. Doch das bildet nicht ihr Werksein.

Aber bleibt das Werk dann noch Werk, wenn es außerhalb eines jeden Bezuges steht? Gehört nicht zum Werk, daß es in Bezügen steht? Allerdings, nur bleibt zu fragen, in welchen es steht.

Wohin gehört ein Werk? Das Werk gehört als Werk einzig in den Bereich, der durch es selbst eröffnet wird. Denn das Werksein des Werkes west und west nur in solcher Eröffnung. Wir sagten, im Werk sei das Geschehnis der Wahrheit am Werke.

Von K.P. am 02. April 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

In einer Notiz der Einbahnstraße kann man den Abgrund ermessen, den Walter Benjamin hoffte, durch politischen Marxismus zu überbrücken.

Aus den Dingen schwindet die Wärme. Die Gegenstände des täglichen Gebrauchs stoßen den Menschen sacht aber beharrlich von sich ab. In summa hat er tagtäglich mit der Überwindung der geheimen «Widerstände – und nicht etwa nur der offenen –, die sie ihm entgegensetzen, eine ungeheure Arbeit zu leisten. Ihre Kälte muß er mit der eigenen Wärme ausgleichen, um nicht an ihnen zu erstarren und ihre Stacheln mit unendlicher Geschicklichkeit anfassen, um nicht an ihnen zu verbluten.

Von seinen Nebenmenschen erwarte er keine Hilfe. Schaffner, Beamte, Handwerker und Verkäufer – sie alle fühlen sich als Vertreter einer aufsässigen Materie, deren Gefährlichkeit sie durch die eigene Roheit ins Licht zu setzen bestrebt sind. Und der Entartung der Dinge, mit welcher sie, dem menschlichen Verfalle folgend, ihn züchtigen, ist selbst das Land verschworen. Es zehrt am Menschen wie die Dinge, und der ewig ausbleibende deutsche Frühling ist nur eine unter zahllosen verwandten Erscheinungen der sich zersetzenden deutschen Natur. In ihr lebt man, als sei der Druck der Luftsäule, dessen Gewicht jeder trägt, wider alles Gesetz in diesen Landstrichen plötzlich fühlbar geworden.

Der menschliche Verfall führt zum Aufstand der Materie, zur Erkältung der Dinge, zur Zersetzung der Natur, zur Auszehrung, in die Einsamkeit.

An Notizen wie diesen, die von der genauen Beobachtung alltäglicher Negativität ausgehen, erkennt man, wie sehr Benjamins marxistische Wende gar nicht so sehr dem eigenen Denken Gewalt antat, wie Scholem meinte, sondern viel eher bloß eine metaphorische Schicht über die apokalyptische Erfahrung gelegt hat. Denn natürlich lässt sich diese Erfahrung auch mittels der theologischen Mucken der Ware (re-)formulieren und (be-)gründen.

Interessant ist, dass Benjamin der Eiseskälte der Dinge mit menschlicher Wärme begegnen will. Weit entfernt ist er in dieser Notiz von der Parole eines neuen Barbarentums, der anti-humanistischen Losung reiner Sachlichkeit, die die Dinge wieder unter Kontrolle bringen will, indem der Mensch in einer Logik der Überbietung so wird wie diese: kalt. Die Wärme aber bleibt hoffnungslos, ohne Aussicht auf solidarische Praxis der Nebenmenschen. Diese Hoffnung hat Benjamin später versucht, im politischen Marxismus (der nichts zu tun hat mit Benjamins Idee eines historischen Materialismus) zu gewinnen. Durchaus nicht gegen alle Einsicht, aber vergeblich.

Von K.P. am 22. März 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Lissabon war 1994 europäische Kulturhauptstadt, jetzt wird im Blog des Movimento Fórum Cidadania Lisboa gefragt, ob Lissabon nicht vielmehr "Capital Europeia da Demolição" sei, europäische Hauptstadt der Zerstörung. Gemeint ist die Zerstörung urbaner Substanz, die in den meisten Fällen erst bemerkt wird, wenn es zu spät ist.

Dieses Aufmerksamkeitsdefizit geht aus einem täglich gelebten Desinteresse an der Stadt hervor. Und im Grunde (und deswegen werden hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen) ist dieser urbane Affektverlust genau die Voraussetzung, unter der man in Hohen Neuendorf jetzt an die Planung eines (klein-)städtischen Zentrums geht.

Mas há cada vez menos afectos na cidade: sai-se de casa de manhã para só se voltar à noite; carro na garagem, e de lá sair apenas no outro dia. Ao fi m-de-semana, escapa-se "à terra’", ao shopping mais perto (estacionamento grátis), ao “passeio dos tristes”. Notamos, muito tempo depois de tal ocorrer, que a mercearia X fechou e o café Y virou banco. Os nossos espaços afectivos, em torno dos quais se constrói a identidade e o sentimento de pertença à cidade (que tanta falta nos fazem em tempo de crise), desaparecem todos os dias.

Es gibt, heißt das sinngemäß, immer weniger affektive Bindungen an die Stadt. Unter der Woche fährt man mit dem Auto morgens zur Arbeit und kommt abends zurück. Am Wochenende dann ein Ausflug oder zum Shoppen. Irgendwann merkt man, dass wieder ein Geschäft geschlossen hat oder dass wo ein Café war, jetzt eine Bank ihren Sitz ist. Unsere affektiven Räume, in denen sich die Identität und das Gefühl städtischer Zusammengehörigkeit (an denen es uns in Zeiten der Krise so sehr mangelt) bilden, verschwinden jeden Tag.

In Hohen Neuendorf glaubt man jetzt Urbanität neu bauen zu können, ohne auf affektive Bindungen und städtische Identität, die sich vielleicht mit einem attraktiven Zentrum verstärken könnten, Rücksicht nehmen zu müssen. Und attraktiv, das heißt: mit öffentlichen Räumen und starkem grünen Akzent. Denn wenn es in Hohen Neuendorf so etwas wie einen minimalen Konsens gibt, dann ist es der, in einer (noch) grünen Stadt zu leben, das meint die Formel vom Gartenstadtcharakter. Dieses Lebensgefühl wird sich im neuen Zentrum nicht finden können. Das Resultat wird sein: ein Zentrum, das (fast) allen egal ist.

Von K.P. am 19. März 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Die Hohen Neuendorfer Grünen haben eine Liste mit Forderungen für die Entwicklung des Wildbergplatzes aufgestellt. Sie unterscheiden sich wenig von der im B-Plan 56.1 geplanten extremen Verdichtung des Zentrums. Der Verlust öffentlichen und grünen Raumes ist die Folge.

Quelle: Warum ist die Entwicklung des Wildbergplatzes so spannend?

Urbaner Raum?

Entwicklung des Planungsgebietes und des Umfeldes mit einer für Hohen Neuendorf angemessenen Urbanität : bauliche Verdichtung an den Rändern Triftstraße, Karl-Marx-Straße, vor allem Verdichtung an der Oranienburger Straße gegenüber Kaufland

Was ist eine "für Hohen Neuendorf angemessenen Urbanität"? Schaut man sich die Umgebung (oder das Foto) an, die Schönfließer- und die Berliner Straße, den westlichen Ortskern, dann kann von Urbanität, versteht man darunter eine gewisse (klein-)städtische Architektur und Kultur, eigentlich kaum die Rede sein. Warum muss dann ein "urbanes" Wohnquartier gebaut werden? Ohne städtebaulichen Kontext ist das neue Quartier eine Insel.

Wenn entlang der (1.) Triftstraße, (2.) der Karl-Marx-Straße und (3.) gegenüber von Kaufland gebaut wird, ist die "Verdichtung" total: der Platz wird geschlossen und ist für die Hohen Neuendorfer verloren.

Auch die Grünen scheinen also gegen die geplanten Baumassen keine Einwände zu haben. Es könne sogar "verdichteter Wohnungsbau (...) ein Konzept sein, ein energiesparendes, weniger freiflächenverbrauchendes Quartier der kurzen Wege zu entwickeln". Doch niemand ist gezwungen, die Brache am Wildbergplatz zu bebauen, erst Recht nicht in der vorgeschlagenen maßlosen Dichte. Deswegen ist das Argument schon kurios: es sollen weniger Flächen verbraucht werden, indem ein öffentlicher, potentiell grüner Platz vernichtet wird?

öffentliche Nutzungen im Erdgeschoss Oranienburger Straße/ Karl-Marx-Allee

Was für öffentliche Nutzungen sind gemeint? Ist eine Belebung des Einzelhandels nicht illusionär? Bereits jetzt gibt es Leerstand in der Schönfließer Straße. Wenn Angebote wirklich dringend nachgefragt würden, es gäbe sie bereits. Wird auch an Nutzungen gedacht, die nicht kommerzieller Natur sind?

keine Planung aus der "Windschutzscheiben-Perspektive": Entwicklung eines Wohnumfeldes mit möglichst geringem PKW-Anteil – Anbindung an den ÖPNV und Aufenthaltsqualität für Fußgänger und Radfahrer optimieren

Warum sollten sich "Fußgänger und Radfahrer" - abgesehen von den Anwohnern - am Wildbergplatz aufhalten? Zum Shoppen? Für den Besuch beim Zahnarzt oder der Physiotherapie? Der Begriff "Aufenthaltsqualität" ist eine Mogelpackung, weil der Platz für Hohen Neuendorfer kaum attraktiv wird.

Verzicht auf Tiefgaragen – diese treiben die Kosten in die Höhe und geben Großprojekten Vorschub. Großprojekte wollen wir nicht, denn diese verhindern Vielfalt!

Gute Forderung, nur müsste man dann gleich ein alternatives Wohnprojekt "Wildbergplatz" fordern. Denn in Wirklichkeit wird niemand auf sein Auto verzichten wollen, ein Blick auf die Hohen Neuendorfer Straßen zeigt das, vor jedem Haus steht mindestens ein Auto. Will man also weniger Autos und keine Tiefgarage, dann hilft nur, weniger zu bauen und zu verdichten.

Freihalten des "Block"-Innenbereiches, Schaffung halböffentlicher und privater Rückzugsräume

Damit ist auch der letzte Teil des Platzes für die Hohen Neuendorfer nicht mehr zugänglich. Das ist natürlich nur konsequent: denn die neuen Anwohner am Wildbergplatz wollen sicher (verständlicherweise) keine öffentliche Nutzung des Innenhofs.

Schaffung eines Angebotes an 2-3-Zimmer-Wohnungen, Mietwohnungen, "behutsamen Geschosswohnungsbauten", Mehrgenerationenhäusern oder "neuer und alternativer Wohnformen" (Zitat Leitplanke III des Leitbildprozesses)

Was ist "behutsamer Geschosswohnungsbau"? Ist 4-stöckig behutsam, wie es der Entwurf zum B-Plan 56.1 vorsieht? Ein Blick in das städtebauliche Umfeld zeigt, dass das nicht der Fall ist.

Gesuch wird nach "Alternativen zum Einfamilienhaus – auch für mehrere Generationen miteinander". Auch hier lohnt ein Blick ins städtische Umfeld. Würde tatsächlich nach alternativen Wohnformen gesucht, die Häuser dazu (auch im städtischen Besitz) wären längst da. Es gibt viele (Mehrfamilien-)Häuser aus der Gründerzeit, auch Villen, die sich für Mehrgenerationenhäuser eignen und vielleicht tatsächlich auch zukünftig so genutzt werden.

Zentrum, attraktiv?

Ein Wort fehlt in dem Statement der Grünen - es heißt zwar an einer Stelle, "das Gebiet befindet sich im verkehrsgünstig gelegenen Zentrum", aber dass am Wildbergplatz ein attraktives Zentrum für alle Hohen Neuendorfer entwickelt würde, das wird in diesen Forderungen erst gar nicht behauptet.

Das ist immerhin realistisch, man verzichtet auf den Taschenspielertrick in den Erläuterungen zum B-Plan, wo Belebung versprochen, diese aber nur durch ein neues Quartier (und nicht etwa durch eine attraktives Zentrum) realisiert wird. Die Konsequenz: ein neues Wohnviertel in völlig ortsuntypischer Kompaktheit und Höhe entsteht, ohne jede Aufenthaltsqualität für die Hohen Neuendorfer.

Was also an den Forderungen grün ist, erschließt sich mir nicht. Kein Grün, kein Platz, kein öffentlicher Raum.

Von K.P. am 06. März 2014 1 Kommentar

Archive Hohen Neuendorf

In Hohen Neuendorf wird zwischen Rathaus und Wildbergplatz ein neues Stadtzentrum geplant. Die Planung läuft jedoch städtebaulich und politisch in die falsche Richtung. Geträumt wird von einem Stadtzentrum, das man sich nicht anders als in Beton und dicht bebaut vorstellen kann. Für eine grüne Mitte und öffentliches Leben bleibt kein Platz.

Geplant sind 150 bis 200 Wohnungen in viergeschossigen Häusern an der Oranienburger und der Karl-Marx-Straße sowie in dreigeschossigen Gebäuden an der Triftstraße. Gerechnet wird mit einem 20- bis 30-prozentigen Anteil an Gewerberäumen, Büros oder Praxen. Die Bebauung muss man sich kompakt und in Form eines mehr oder weniger geschlossenen Dreiecks vorstellen, um so an dieser lautesten Ecke der Stadt die Lärmbelastung für die künftigen Mieter möglichst gering zu halten.

Um zu verstehen, was gerade passiert, müssen wir einen kurzen Blick zurück werfen. Lange und oft heftig wurde in den letzten Jahren in Hohen Neuendorf über einen Neu- oder Erweiterungsbau des Rathauses diskutiert. Aus den Planungen für ein neues Rathaus ging 2013 ein städtebaulicher Ideenwettbewerb hervor, der allerdings nicht mehr auf das Rathaus beschränkt wurde, sondern auch den Wildbergplatz umfasste. Gesucht waren jetzt plötzlich Ideen für ein Stadtzentrum.

Und die Argumente, mit denen der Siegerentwurf gekürt wurde, sind bemerkenswert, sie machen nämlich deutlich, was uns in Zukunft blüht. Es wird so getan, als sei Zentrumsqualität allein durch Verdichtung und Baumasse garantiert. Und eine grüne Ortsmitte werde deswegen nicht gebraucht, weil die Stadt ein grünes Umfeld hätte. Den Preisrichtern ging es offensichtlich nicht darum, die Ortsmitte im Kontext der grün geprägten Stadt Hohen Neuendorf zu sehen, sondern darum, einen neuen (klein-)städtischen Anspruch zu definieren. Wir sind eine Kleinstadt, zu einer Kleinstadt gehört ein Zentrum, und ein Zentrum muss natürlich auch dicht bebaut sein, so die einfallslose Rechnung. Urbanität zeichnet sich aber nicht vor allem durch Hochhäuser aus, sondern durch Plätze für öffentliches Leben.

In der "Konzeptstudie Grünverbundsystem Hohen Neuendorf" (2006) wurde noch vorgeschlagen, den Wildbergplatz zu einem "Stadtplatz, u.a. zur Nutzung als Marktstandort" auszubauen. Das tritt jetzt hinter den Wohnungsbau zurück. Vorschläge aus der Bürgerschaft, die in Richtung Café und Restaurant, Park, Galerie und öffentliches Leben am Wildbergplatz gingen, wurden nicht beachtet. Von Aufenthaltsqualität kann deswegen überhaupt keine Rede sein. Belebt werde die neue Stadtmitte, so stellte sich das neulich der Bauamtsleiter vor, durch die neuen Anwohner, die auf dem künftigen Rathaus(vor)platz tagsüber ihren Kaffee trinken. Hier entsteht also kein Stadtzentrum, das auch für bereits hier lebende Menschen attraktiv wäre, sondern nur ein neues Wohnquartier. Ein Fall von Etikettenschwindel.

Die Stadt Hohen Neuendorf wird bis heute als grünes und relativ locker bebautes Siedlungsgebiet mit einer hohen Wohn- und Lebensqualität wahrgenommen, das in weiten Teilen einen Gartenstadtcharakter aufweist. Das sollte man nicht idyllisch missverstehen. Denn der Witz am (historischen) Konzept der Gartenstadt ist, dass das eine urbane Idee ist, da steckt die Stadt drin und der Versuch beides unter einen Hut zu bekommen: städtisches und grünes Leben.

Statt diese Eigenschaften zu bewahren und fortzuentwickeln, wird mit der neuen Planung zum Stadtzentrum die Idee einer grünen Mitte zu den Akten gelegt. Wer jetzt die Zentrumspläne kritsiert, der schnürt also kein Paket wieder auf, der stadtentwicklungspolitische Konsens wurde im städtebaulichen Ideenwettbewerb aufgekündigt, als die Preisrichter sich gegen eine grüne Mitte und für angeblich urbane Verdichtung entschieden. Die Politik ignoriert den dokumentierten Bürgerwillen, bereits gefasste Beschlüsse und Planungen wie die Studie zum Grünverbundsystem (2006), das städtische Leitbild (2010), die Vorschläge aus dem noch ganz frischen und mit starker Bürgerbeteiligung entwickelten neuen Landschaftsplan (2014) und damit alle Vorstellungen, die sich die meisten Hohen Neuendorfer von ihrer Stadt machen. Statt sich tatsächlich als grünen i-Punkt Berlins zu präsentieren und den Gartenstadtcharakter Hohen Neuendorfs zu stärken, setzt die Stadt ihre eigentliche Attraktivität auf's Spiel.

Und kaum steht fest, dass auf dem Wildbergplatz um jeden Preis gebaut werden soll, ist klar, dass altersgerechter Wohnraum entstehen müsse. Und natürlich, Stichwort demografischer Wandel, gibt es dafür eine starke Lobby. Für die Jugend interessiert sich niemand, die wartet seit Jahren auf den versprochenen Skaterpark. Warum nicht auf dem Wildbergplatz? Ein junger Platz in der Stadtmitte, das wäre schön.

Aber daran, dass die Bedeutung des Areals zwischen Wildbergplatz und Rathaus als "städtisches Zentrum und Mittelpunkt der Stadt nur schwach entwickelt" ist, wie es in der Ausschreibung zum Wettbewerb hieß, wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Es geht völlig an der Realität vorbei, ein Zentrum für die ganze Stadt Hohen Neuendorf zu planen. (Die Teilnehmer am städtebaulichen Ideenwettbewerb scheinen diesen illusorischen Anspruch dann auch höflich mit Schweigen bedacht zu haben.) Niemand in Bergfelde, Borgsdorf oder Stolpe interessiert sich dafür. Und das neue Zentrum wird auch nicht zu einer verstärkten Identifizierung der Bürger mit ihrer Stadt führen. Identifikation verläuft heute über demokratische Teilhabe, über aktive Partizipation und geteilte Ansichten, nicht über Konsum oder repräsentative Orte wie ein Rathaus. Und wie antiquiert sind eigentlich Vorstellungen, dass Stadtzentrum müsse sich genau dort befinden, wo der Bürgermeister sitzt?

Statt von einem neuen Zentrum zu träumen, sollte deswegen gemeinsam mit Birkenwerder über bessere Verbindungen zwischen den ja schon vorhandenen Ortsmitten und Einkaufsstraßen nachgedacht werden. Wir müssen Konzepte entwickeln, um die einzelnen Stadtteile durch Busse und für Fahradfahrer und Fußgänger besser miteinander zu verbinden. Weil nicht jeder einen Discounter oder Physiotherapeuten vor der Tür haben kann, ist Mobilität das Problem der Zukunft.

Bis zum 14. März können sich interessierte Bürger noch am Vorentwurf für den B-Plan 56.1 Wildbergplatz beteiligen und ihre Einwände vorbringen. Information und Unterlagen können auf der Website der Stadt gefunden werden. Einen Überblick kann man sich auf der Website der Bürgerinitiative Stadtentwicklung Hohen Neuendorf bis2025 verschaffen.

Von K.P. am 28. Februar 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Mit der laufenden Planung für den Wildbergplatz wird das historische Hohen Neuendorfer Ortszentrum endgültig verschwinden. An dessen Stelle entsteht kein Stadtzentrum, sondern nur ein neues Quartier.

Damit wird nicht nur die Idee einer grünen Mitte ad acta gelegt. Denn die Parole "Verdichtung" hat immer auch eine genaue politische Pointe: wo verdichtet wird, ist kein Platz mehr für öffentliches Leben.

Plätze sind Architekturen der Versammlungsfreiheit. Wer die nicht fördern möchte, wird über die platzlose Stadt nachdenken. (Peter Sloterdik)

Von K.P. am 16. Februar 2014 1 Kommentar

Archive

Nach dem Ende der Geschichte wächst die Sehnsucht nach Politik. Rechts wie links wird das Politische ohne Rücksicht auf die Verhältnisse hysterisch verklärt und schließlich dezisionistisch mit Kierkegaard (Schmitt) oder ontologisch mit Platon (Badiou) buchstabiert: desto phantastischer fällt das Resultat aus, je stärker das Bewusstsein der eigenen Ohnmacht dämmert.

Peter Sloterdijk hat dieser Sehnsucht in seinem großartigen Tagebuch die Rechnung präsentiert, ausgerechnet bei Gelegenheit eines Streitgesprächs mit Jacques Rancière.

Was die Rückkehr zum Primat der Politik und des Politischen bedeutet: Hochkonjunktur für Einseitigkeit, Wahnurteil, Wichtigtuerei, Alles-oder-Nichts-Entscheidungen. Man wird sich bald nach der entspannten Zeit der Marktideologie und der Neutralitätsillusion zurücksehnen. Die Hetzer nehmen wieder ihre Plätze ein, die Bombenwerfer arbeiten noch im Keller. Die Kritischen von Gestern sind zu geschwächt, um Wirksames dagegen aufbieten zu können.

Schon ein Verfallsprodukt dieser nicht so sehr radikalen als genau so hilflos wie extrem konsequenten Sehnsucht sind die wütenden Bürger, die rechtsstaatliche Verfahren am liebsten durch Akklamation ersetzt sehen wollen. Bei Anruf steht die Meute bereit, sei es um online eine Petition gegen einen Fernsehmoderator zu zeichnen.

Bei den "Kritischen von Gestern" mag Sloterdijk an Adornos genaue Beobachtung hyperaktiver Praxis gedacht haben, die im Gedächtnis haben sollte, wer in der verwalteten Welt nicht tatenlos bleiben und auf die Revolution warten mag:

Wie die Personalisierung falsch darüber tröstet, daß es im anonymen Getriebe auf keinen Einzelnen mehr ankommt, so betrügt Pseudo-Aktivität über die Depotenzierung einer Praxis, welche den frei und autonom Handelnden voraussetzt, der nicht länger existiert.

Von K.P. am 02. Februar 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht verteidigt den Anspruch auf (Natur-)Schönheit als existentiellen Wert vor dem totalisierenden Übergriff ökologischer Rationalität. Ohne ästhetische Erfahrung, so ließe sich seine Beobachtung pointieren, verliert rationale Praxis ihr Motiv.

Es hätten sich, stellt Gumbrecht fest, "Perspektiven und Kriterien genuin ästhetischer Wertschätzung in der grünen Bewegung noch kaum etabliert".

Man kann das fast täglich beobachten: das stolze Wissen um ökologische Probleme verdrängt bei den neuen Puritanern den ästhetischen Genuss. Der moralistische Terror der Asketen macht sich dann breit. Die ästhetische Diskussion wird mit dem Argument negativer apokalyptischer Dringlichkeit schlicht und einfach versperrt: jetzt müsse gehandelt werden, sonst sei die (Klima-)Katastrophe nicht zu verhindern und die Welt verloren.

Der Genuss jener Gegenstände, Wahrnehmungen und Erfahrungen selbst aber, um deren Erhalt (...) es doch eigentlich gehen soll, wird fast ganz verdrängt im Alltag der ökologisch beseelten Zeitgenossen.

Das asketische Motiv aller, die die Welt um der kommenden Generationen willen retten wollen, verbietet aktuellen Genuss. Wir haben es dann nicht mit einem politischen, sondern mit einem religiösen Bewusstsein zu tun: erst der erlösten Menschheit soll auch das Bild der Natur in Fülle und Schönheit zufallen. Bis dahin steht männliche Entsagung auf der Agenda ökologischer Praxis.

die Freude an Farben, Formen und anderen Bezugspunkten sinnlicher Wahrnehmung ist dort ganz absorbiert und neutralisiert von Gesten, in denen stolz und etwas rechthaberisch das Wissen um ökologische Probleme zum Vorschein kommt.

Wo ökologisch noch im Rahmen des Ästhetischen argumentiert wird, herrschen zunächst und zumeist die Stereotypien funktionalistischen Denkens vor, die Gumbrecht am Beispiel der Windräder zeigt:

Dass Windräder eher die Schönheit der deutschen Mittelgebirge und Ebenen hervorheben, behaupteten sie. Dabei war ein Argument aus dem Repertoire des im frühen zwanzigsten Jahrhundert so programmatischen und populären Funktionalismus unterstellt, nach dem Schönheit notwendig aus der weitestgehenden Anpassung von Gegenständen an die ihnen zugewiesenen Funktionen erwachsen müsse. (...) Doch selbst wenn er auf Artfefakte, auf von Menschen gestaltete Gegenstände also, ausnahmslos zutreffen sollte, erreicht seine Logik eine Grenze, sobald diese Gegenstände mit Naturschönheit in Berührung kommen. So funktionalistisch perfekt Windräder auch aussehen mögen, sie nehmen Landschaften den Zauber ihrer Unberührtheit.

Auch wenn Naturschönheit sich wahrscheinlich nicht auf den Zauber der Unberührtheit reduzieren lässt, geht es nicht vor allem darum, den Eigensinn ästhetischer Erfahrung zu retten, sondern diese in den Dienst gelungener Praxis zu stellen. Denn ohne eine genuin ästhetische Perspektive, wird nicht nur das Schöne verdrängt, sondern (politisch-)ökologische Praxis verliert auch ihr Motiv. Ökologische Rationalität dreht sich dann allein noch blind und orientierungslos um sich selbst und verliert die Grundlage lebenswerter Existenz aus dem Blick. Wir brauchen, heißt das, die Erfahrung des Naturschönen, um zu wissen, warum und zu welchem Zwecke wir jetzt handeln sollen. Das wissen die lokalen Initiativen, die Alleen und Moore retten wollen, nicht weil diese Landschaften nützlich, sondern weil sie schön sind. Sie melden deswegen ihren Anspruch auf (Natur-)Schönheit an.

Gumbrecht stellt fest, dass die "Werte ökologischer Ästhetik schon seit einem guten Jahrhundert" existierten. Mit Heideggers paradoxer Umkehrung des Verhältnisses zwischen Bauen und Wohnen beschreibt er die Architektur, die mit den Namen Frank Lloyd Wright und Peter Zumthor verbunden ist:

Ihre Gebäude bringen Landschaft hervor, weil sie sich gleichsam an die angetroffenen Strukturen der Natur anschmiegen und versuchen, ein Teil von ihnen zu werden – genauer ein Teil, der zwischen Menschen und ihrer Umwelt vermittelt. Solche Architektur finden wir nicht deshalb schön, weil sie der einen oder anderen formalen Mode entspricht sondern weil sie die Erfüllung einer kosmologischen Sehnsucht in Aussicht stellt. Sie hält die Hoffnung wach, dass es so etwas geben könnte wie ein "richtiges," ein kosmologisch passendes Verhältnis zu unserer physischen Umwelt.

Source: Ästhetik der grünen Bewegung?

Von K.P. am 27. Januar 2014 keine Kommentare

Archive

Nicht nur ist nach Auschwitz alle Kultur, samt der dringlichen Kritik daran, Müll. Genau so verbietet sich jeder moralische Diskurs, der von Werten schwafelt, um vom gepeinigten Leib schweigen zu können.

It would be advisable to think of progress in the crudest, most basic terms: that no one should go hungry anymore, that there should be no more torture, no more Auschwitz. Only then will the idea of progress be free from lies. (Theodor W. Adorno)

Von K.P. am 27. Januar 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Paul Celans bekanntes Gedicht über das Schweigen Heideggers zum deutschen Judenmord.

Arnika, Augentrost, der
Trunk aus dem Brunnen mit dem
Sternwürfel drauf,
in der Hütte,
die in das Buch
- wessen Namen nahm’s auf
vor dem meinen? -
die in dies Buch geschriebene Zeile von
einer Hoffnung, heute,
auf eines Denkenden
(ungesäumt kommendes)
Wort im Herzen.

Von K.P. am 27. Januar 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Der am 16. Dezember 1913 in Basel geborene jüdische Philosoph Michael Landmann sympathisierte Mitte der 1960er Jahre mit der Linken. Nach dem Sechstagekrieg war der Kredit verspielt: Israel, schreibt Landmannm, wurde der Neuen Linken zum Schiboleth. Als bei einer Berliner Demonstration 1969 Angehörige der Außerparlamentarischen Opposition sich als Fatah-Leute verkleideten, da war der angebliche Demonstrationszug in Wahrheit ein Leichenzug, in dem eine Hoffnung zu Grabe getragen wurde.

Daran hat sich nichts geändert, wenn groß geschriebene LINKE wie Sahra Wagenknecht und Christine Buchholz demonstrativ dem israelische Staatspräsidenten Peres bei seiner anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz im Bundestag gehaltenen Rede den Respekt versagen.

Aber es gibt bekanntlich keine Antisemiten mehr, der Hass auf "die Juden" versteckt sich heute bei Antizionisten in der Solidarität mit einem halluzinierten palästinensischen Volk und dem Phantasma israelischer Aggressivität: die Juden begehen einen Völkermord. Das hat Landmann (gemeinsam mit Jean Améry) vor vierzig Jahren gesehen:

Wie kann Deutscher es wagen, angesichts dieser unverhüllten und auf Eroberung gerichteten Einkreisungsstrategie der Nachbarstaaten von der “Aggressivität” Israels zu sprechen? Hätte Israel sich damals nicht verteidigt, so existierte es nicht mehr. Die Redeweise vom israelischen “Aggressor” ist eine arabisch-sowjetische Gemeinschaftslüge, nach dem Rezept gefertigt, dass Lügen ein gewisses Größenmaß überschreiten müssen, um dann wieder Gehör zu finden. (...) Es blieb der Neuen Linken vorbehalten, sie als höhere Wahrheit für Eingeweihte anzubieten. Was dort erklärlich und aus der Perspektive des Handelnden gerechtfertigt sein mag, erfüllt hier nur den Tatbestand der böswilligen Verleumdung.

Wie kann Deutscher dafür, dass ein rings umstelltes und mit Extermination konfrontiertes Volk in seiner Not und um zu überleben zu den Waffen greift, Worte gebrauchen wie “jener Wahnsinn aus Kampfeslust, Arroganz und Fanatismus”? Zieht man so mit erhobenem Zeigefinger, kontemplativ und besserwisserisch neben der Geschichte stehend, über Menschen her, die in einer absoluten Situation standen und keine andere Wahl hatten? Dies ist die Methode der Mesquinen, dem, dessen Nase einem nicht gefällt, Ehre und Ruf abzuschneiden, ihn zu diffamieren und der Lächerlichkeit preiszugeben. Ressentiment rächt sich an der Leistung, indem es sie entwertet und verzerrt. Notwehr heißt dann “Wahnsinn”, das Sich-Befreien aus tödlicher Umklammerung “Kampfeslust”. Mit “Arroganz und Fanatismus stießen die Israelis vor”: etwa so wie die Nazis in die Ukraine? Hätten sie sich untätig ermorden lassen sollen? War es ein Verbrechen, dass sie gewannen? Offenbar hätte Deutscher ihre Niederlage lieber gesehen und kann ihnen den Sieg nicht verzeihen.”

Immer ist es die Methode des Faschismus, angestaute Aggressionstriebe innerhalb eines Volkes auf einen “Volksfeind” nach außen umzuadressieren. Wie der Antisemitismus unter Hitler dazu diente, Widersprüche des Systems zu überspielen, so dient der arabische Antiisraelismus dem gleichen Zweck. Wie er die unter sich zerstrittenen arabischen Staaten aneinander bindet, so bindet er die arabischen Massen gegen ihr eigenes Interesse an ihre Feudalherren und Militäroligarchien. Er blockiert damit auf faschistische Weise die Inangriffnahme der in den arabischen Staaten überfälligen Reformen: Kanonen statt Sozialismus. Da anderseits die Ungelöstheit ihrer eigenen Probleme verdrängt auf den arabischen Völkern lastet und sie zugleich in Israel einen effizienten progressiven Staat vor sich sehen, der für sie einen beständigen Vorwurf bedeutet, steigert sich der Haß gegen Israel zu doppelter Virulenz. Inversiv wird es rückständig, imperialistisch, rassistisch etc. genannt, während die wahre Fortschrittlichkeit erst von einem arabischen Palästina zu erwarten sei. Dass sich in den arabischen Staaten dieser massenpsychologische faschistische Mechanismus abspielt, ist, da auch so viel höher entwickelte europäische Staaten ihm verfielen, vielleicht nicht zu verwundern. Zu verwundern aber ist, dass die zuverlässig antifaschistische Neue Linke diesen Mechanismus nicht durchschaut und dass sie als Ausdruck von Sozialismus nimmt, was in Wahrheit mit zu dem Zweck erfunden wurde, Sozialismus zu hintertreiben. Im Unterschied zu einer breiten Strömung im arabischen Lager ist die Neue Linke nicht antisemitisch. Die Israelgegner in ihr sind “nur” gegen Israel. Aber an Israel haftet, nachdem die Religion als Bindeglied schwächer wird, heute die Identität des Judentums. Wird Israel morgen zerstört, so gibt es übermorgen kein Judentum mehr. Der Antiisraelismus, der sich durch die Abwehr des Antisemitismus als honorig darstellen möchte, ist daher diesem nicht so unähnlich, wie er glaubt. Er bildet die moderne Form des Antisemitismus. Er hat die Stelle erspäht, an der er das Judentum als Ganzes tödlich treffen kann.

Von K.P. am 23. Januar 2014 keine Kommentare

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Eines der seit Wochen diskutierten "Schwarzen Hefte" des Philosophen Martin Heidegger war lange verschollen. Die ZEIT hat nun seinen Besitzer ausfindig gemacht.

Der Literaturwissenschaftler Silvio Vietta hat wohl auf seinem Speicher gestöbert und die Hefte aus den Jahren 1945/46 entdeckt.

Aber auch in diesem Heft wird deutlich, dass 1945 für den Philosophen kein tiefer Einschnitt war: das "mathemathisch-technische Denken" der Neuzeit habe Europa in einen Zustand "innerer und äußerer Verwüstung" geführt. Der Nationalsozialismus war für Heidegger nur eine Variante, die das Verhängnis der Moderne produzierte. "Wir dürfen nicht vergessen: Heidegger war so ziemlich gegen alles, was die Moderne verkörperte: gegen die Herrschaft der Rationalität, die totalitäre Technik, die er das 'Gestell' nennt, Amerikanismus, Bolschewismus, Liberalismus – und dann unter vielen anderem auch gegen das 'rechnende Denken' der Juden", sagt Vietta.

Source: Vermisstes Werk von Heidegger aufgetaucht

Von K.P. am 17. Januar 2014 keine Kommentare

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Rui Tavares, seit 2009 Abgeordneter des Europäischen Parlaments, hat Mitte November in Portugal die linke Partei »Livre« mitgegründet.

Politisch sehen wir uns in der Mitte der Linken und unser Programm beruht auf vier Säulen. An erster Stelle kommt die Freiheit, die unseren Wurzeln in der libertären Linken entstammt. Wir wollen deren Ideen insbesondere im Hinblick auf den Bereich der digitalen Freiheiten anpassen. Die zweite Säule ist die Gleichheit, die klassische linke Themen wie soziale Gerechtigkeit umfasst. Eine weitere Säule ist die Demokratie. Wir wollen die portugiesische Demokratie stärken und mehr Partizipation ermöglichen, aber auch die europäische Demokratie ausgestalten. Eine europäische Demokratie ohne Macht wird immer von starken Interessengruppen und großen Ländern bestimmt werden. Die letzte Säule ist schließlich die Ökologie. In Portugal gibt es Parteien, die sich mit diesem Thema beschäftigen, aber die sind Satelliten von anderen, größeren Parteien. Es gab bei uns nie eine unabhängige Umweltbewegung, diese Lücke wollen wir ebenfalls schließen. (Quelle: Hier gibt es nichts zu feiern)

In Deutschland sieht es LINKS immer noch so aus:

»Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.« So kommentierte Diether Dehm, der europapolitische Sprecher der Linkspartei im Bundestag, dem Sender N-TV zufolge die uneinheitliche Niederlegung von Nelken durch führender Politiker seiner Partei auf der traditionellen Gedenkdemonstration für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in Berlin-Friedrichsfelde am vergangenen Sonntag. Während der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Gregor Gysi, sowie die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger auch an einem Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus verweilten und Blumen niederlegten, zogen Dehm und seine Gesinnungsgenossen Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht demonstrativ weiter. (Quelle: Die Stunde der Europäisten)

Seit fast zwan­zig Jah­ren ver­wei­gern wich­ti­ge Teile der Lin­ken (Links­par­tei, DKP, usw.) mit den pu­bli­zis­ti­schen Or­ga­nen (junge Welt, ND, UZ, usw.) die Wahr­neh­mung und Re­fle­xi­on der Tat­sa­chen zum in­sti­tu­tio­nel­len und ge­sell­schaft­li­chen Ras­sis­mus (inkl. An­ti-​Se­mi­tis­mus) in der DDR. Was ist das für eine Dis­kus­si­ons­kul­tur, wenn Fak­ten ver­wei­gert und damit ge­leugnet wer­den? (Quelle: Betrachtungen über die Diskussionskultur von Linken in Deutschland)

Von K.P. am 13. Januar 2014 1 Kommentar

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Für Februar und März ist im Rahmen der im Verlag Vittorio Klostermann erscheinenden Heidegger-Gesamtausgabe die Veröffentlichung der "Schwarzen Hefte" angekündigt. Es handelt sich dabei um Notizen aus den Jahren 1931 bis 1941, die zum umfangreichen Nachlass Heideggers gehören. Zu Lebzeiten hielt er diese Notizen geheim.

Nachdem einige wenige Passagen daraus bekannt wurden, ist auch im deutschen Feuilleton ein heftiger Streit entbrannt. Er dreht sich um die schon häufig behandelte Frage, ob Heidegger Antisemit war.

Die Antwort darauf ist einfach: ja, Heidegger war ein Antisemit. Und das, meine ich, nicht nur "zeitweise" oder am Rande seines Werks. Heideggers Antisemitismus prägt gleichermaßen seinen politischen Aktivismus wie sein Schweigen nach Auschwitz.

Ob allerdings das Feuilleton der geeignete Raum einer Diskussion ist, fragt Dirk Pilz in der Berliner Zeitung:

Die in den Feuilletons und auf eher boulevardesken Plattformen wie Spiegel online geführte Debatte um Heidegger hat sich (...) längst in eine Situation manövriert, die keinen Raum für Differenzierungen lässt. Denn die entscheidende Frage ist, ob der Antisemitismus Heideggers auch sein Werk hinfällig macht. Darüber wird zu reden sein, und mit moralischen Kriterien allein ist dabei nichts getan.

Wer nur mit moralischer Brille lesen kann, werde, so Pilz, das Thema zwingend verfehlen. "Auch hier hilft: lesen, auch Heidegger."

Von K.P. am 13. Januar 2014 keine Kommentare

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In der Zeit hat Michael Theunissen 1999 erklärt, warum "Sein und Zeit" von Martin Heidegger sein Jahrhundertbuch ist.

Schon früh konfrontiert mit dem NS-Terror und militant engagiert gegen faschistoide Tendenzen, meinte Theunissen als 18-Jähriger

gleichwohl Heideggers Verunglimpfung demokratischer Öffentlichkeit, seine gegenaufklärerischen Invektiven gegen Vernunft, seinen an Kriegssehnsüchte appellierenden Entschlossenheitskult als unerheblich abtun zu dürfen. Die gerechte Strafe war, dass sein blinder Glaube bald in einen ebenso irrationalen Widerwillen umschlug, den abzubauen auch dem älter Gewordenen nur mit Mühe gelang. Wieso halte ich Sein und Zeit gleichwohl für ein epochales Buch?

Welchen objektiven Wert misst Theunissen dem Buch zu?

Heidegger schließt (1.) die "Seinsfrage an die Beschreibung von Daseinsvollzügen" an und nimmt (2.) die "die Welt, in der wir uns je schon befinden" in den Blick. Möglich wird das (3.) auf Basis seiner "These über die erschließende Kraft der Stimmungen, in denen wir unser Sein inmitten der Welt zu fühlen bekommen". Heidegger beendet damit "die in der westlichen Tradition fast unangefochtene Alleinherrschaft theoretischer Erkenntnis".

Mit der Öffnung des theoretischen Feldes, der Erschließung der Welt durch Stimmungen wie Langeweile, Angst und Verzweiflung, in denen wir erfahren, worum es uns in unserem Sein geht, schließt die Philosophie (wieder) zur Politik auf. Heideggers Politik, zu der sein Antisemitismus nicht nur am Rande gehört, kann deswegen ohne "Sein und Zeit" gar nicht verstanden werden.

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Sie sind in der Scharfschwerdtstraße 43 gelandet, dem Büro Blog von Karsten Poppe.

Ich arbeite für Sie als Lektor. Von Beratung und Textentwicklung (Korrekturen, Lektorat, Ghostwriting) bis zur Gestaltung (Word, Open Office, PDF, DocBook, HTML/CSS, LaTeX, ePub) - wenn Sie an meinen Dienstleistungen interessiert sind, nehmen Sie bitte direkt mit mir Kontakt auf.

Dr. Karsten Poppe
Scharfschwerdtstrasse 43
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Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend: Denken hat die Wut sublimiert.

- Theodor W. Adorno

Tant mieux. Nicht weinen. Der Unsinn der kritischen Prognosen.

- Walter Benjamin

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