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Scharfschwerdtstraße 43

Unterschiedenes ist | gut.

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Notizen

Von K.P. am 22. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Die Grünen schreiben sich jetzt Freiheit auf die Wimpel.

Wahrscheinlich gab es Beiträge mit mehr Substanz auf dem Parteitag - aber was können wir denn erwarten, wenn bei den Grünen allen Ernstes darüber diskutiert wird, ob jemand am Donnerstag Fleisch isst oder nicht oder es gar (man mag sich die Gewissenkämpfe, aber auch den subversiven Kitzel bei der Entscheidung dieser Frage kaum vorstellen) für bemerkenswert gehalten wird, den eigenen Kindern "inzwischen Nutella auf ihre Stullen (zu) streichen"?

Wer Freiheit preist, muss von Zwang und Herrschaft reden. Wer von Freiheit redet und nicht sagt, wovon und wozu wir frei sein sollen, der fabriziert nur liberale Ideologie und verrät den kritischen Geist (ohne den echte Liberalität gar nicht denkbar ist). Die Grünen scheinen bis jetzt nicht weiter zu kommen, als Debatten um Lebensstil und Konsumfreiheit hypermoralisch aufzuladen.

Und wie (das wäre eine interessante Zwischenfrage, die nicht sofort mit einem Verweis auf's Prinzip Verantwortung verdrängt werden sollte) lautet eigentlich die Antwort auf die Frage, ob wir so frei sein können / dürfen / sollen, die Naturbasis unserer Existenz zu vernichten?

Weil neue Antworten fehlen, hat wie immer Theodor W. Adorno das letzte Wort:

Frei wäre erst, wer keinen Alternativen sich beugen müßte, und im Bestehenden ist es eine Spur von Freiheit, ihnen sich zu verweigern. Freiheit meint Kritik und Veränderung der Situationen, nicht deren Bestätigung durch Entscheidung inmitten eines Zwangsgefüges.

Source: Grüne streiten über Freiheitsbegriff

Von K.P. am 21. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Zum Welttag der Philosophie (was es nicht alles gibt) hat der Berliner Philosoph Andreas Arndt erklärt, warum Marx noch aktuell ist und wie man ihn gerne links und rechts falsch versteht.

Marx steht (was sicher nicht so neu ist, wie Arndt meint) gegen jede regressive Kapitalismuskritik, die hinter die Moderne (und den "Westen") zurück will, wahnhaft von der Abschaffung des Geldsystems, echter Gemeinschaft und Lagerfeuern träumt. Die

Konservativen, wenn ich das mal so dreist sagen darf, wiederholen ja oft nur die Missverständnisse der Linken, nur dass sie dann eine andere Bewertung draufsetzen. Im Mittelpunkt steht bei Marx die individuelle Freiheit - das hat bis jetzt kaum jemand verstanden. Ich würde sagen, das größte Missverständnis, was Marx erlitten hat, ist, dass nicht gesehen wurde, dass die Intention seiner ganzen Unternehmung darauf hinauslief, unter den Bedingungen der Moderne die Möglichkeit einer alternativen Gesellschaft zu denken. Unter den Bedingungen der Moderne, das heißt also im Wesentlichen auch, fokussiert auf individuelle Freiheit.

Source: Karl Marx - hochaktuell und missverstanden

Von K.P. am 21. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Die deutsche und europäische Politik denke nicht (wie Russland) im Register von Einflusssphären, sondern partnerschaftlicher Beziehungen, behauptet Angela Merkel und liberale Ideologen stimmen ihr gerne zu.

Vor ein paar Jahren musste ein Bundespräsident zurücktreten, weil er naiv das strategische Betriebsgeheimnis europäischer Außen- und Militärpolitik ausgeplaudert hat:

Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen - negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.

Source: Köhler: Krieg für freien Handel

Von K.P. am 21. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Ein Blick auf die kursierenden, mit Adorno um Einverständnis werbenden Slogans der radikal sich gebenden Linken belegt immer noch die Richtigkeit der folgenden Beobachtung, aber auch, wie unfähig die Studenten heute sind, das Gelesene wenigstens falsch zu verwandeln, statt es unmittelbar als Anweisung auf richtige Praxis zu instrumentalisieren.

Im Bildungssoziologischen Ausschuß hat Bergstraesser, eine Bemerkung von mir aufgreifend, eine Untersuchung vorgeschlagen über Verdinglichung des Bewußtseins; vor allem also über die von uns immer wieder bemerkte Neigung, daß alles, was man den Studenten sagt, auch wenn es genau entgegengesetzten Inhalt hat, tendenziell sich in Dogmen, Parolen, Schulanweisungen verwandelt.

Theodor W. Adorno: Brief an Max Horkheimer vom 15. März 1960, in: Adorno – Horkheimer Briefwechsel, Band IV: 1950-1969, S. 618.

Von K.P. am 21. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

The Soul of Man under Socialism, so lautet der Titel, unter den Oscar Wilde 1891 seine sozialistische Seelenkunde gestellt hat. Sie ist das Gegenteil autoritärer Vergottung des Kollektivs, denn Sozialismus wird "einfach deshalb von Wert sein, weil er zum Individualismus führt", nicht aber zum Gemeinschaftszwang.

Der Hauptvorzug, den die Herrschaft der sozialistischen Gesellschaftsordnung mit sich brächte, liegt ohne Zweifel darin, dass der Sozialismus uns befreien würde von dem gemeinen Zwang, für andere zu leben, der in der gegenwärtigen Lage auf fast allen so schwer lastet. In der Tat gibt es kaum jemanden, der ihm zu entgehen vermag.

Dann und wann im Verlaufe des Jahrhunderts hat ein großer Wissenschaftler wie Darwin, ein großer Dichter wie Keats, ein feiner kritischer Geist wie Renan, ein überlegener Künstler wie Flaubert es fertiggebracht, sich zu isolieren, sich dem lärmenden Zugriff der anderen zu entziehen, sich »unter den Schutz der Mauer zu stellen«, wie Plato es nennt, und auf diese Weise seine natürliche Begabung zu vervollkommnen, zu seinem eigenen unvergleichlichen Gewinn und zu dem unvergleichlichen, dauernden Gewinn der ganzen Welt. Dies sind jedoch Ausnahmen. Die meisten Menschen vergeuden ihr Leben durch einen ungesunden und übertriebenen Altruismus, ja, sind sogar genötigt, es zu vergeuden. Sie finden sich umgeben von scheußlicher Armut, von scheußlicher Hässlichkeit, von scheußlichem Hunger. Es ist unvermeidlich, dass ihr Gefühlsleben davon erschüttert wird. Die Empfindungen des Menschen werden rascher erregt als sein Verstand; und es ist, wie ich jüngst in einem Artikel über das Wesen der Kritik hervorgehoben habe, sehr viel leichter, Mitgefühl für das Leiden zu hegen als Sympathie für das Denken. Daher tritt man mit bewundernswerten, jedoch irregeleiteten Absichten sehr ernsthaft und sehr sentimental an die Aufgabe heran, die sichtbaren Übel zu heilen. Aber diese Heilmittel heilen die Krankheit nicht: sie verlängern sie bloß. In der Tat sind sie ein Teil der Krankheit selbst.

Man versucht zum Beispiel das Problem der Armut zu lösen, indem man die Armen am Leben erhält; oder, wie es eine sehr fortgeschrittene Schule vorschlägt, indem man sie amüsiert.

Aber das ist keine Lösung; es verschlimmert die Schwierigkeit. Das wahre Ziel heißt, die Gesellschaft auf einer Grundlage neu zu errichten, die die Armut ausschließt. Und die altruistischen Tugenden haben wirklich die Erreichung dieses Zieles verhindert. Gerade wie die ärgsten Sklavenhalter diejenigen waren, die ihre Sklaven wohlwollend behandelten und dadurch verhindert haben, dass die Greuel des Systems von denen, die darunter litten, erkannt und von denen, die darüber nachdachten, verstanden wurden, so richten beim gegenwärtigen Stand der Dinge in England jene den größten Schaden an, die versuchen, Gutes zu tun; und schließlich haben wir das Schauspiel erlebt, wie Männer, die sich eingehend mit dem Problem befasst haben und das Leben kennen - Männer von Bildung, die im East End wohnen -, auftreten und die Gemeinschaft anflehen, ihre altruistischen Anwandlungen von Barmherzigkeit, Fürsorge und dergleichen einzuschränken. Sie tun das aus der Erwägung heraus, dass eine solche Barmherzigkeit erniedrigt und demoralisiert. Sie haben vollkommen recht. Aus der Barmherzigkeit entstehen viele Sünden.

Es ist auch noch folgendes zu sagen. Es ist amoralisch, Privateigentum zur Milderung der schrecklichen Übelstände zu verwenden, die aus der Einrichtung des Privateigentums entspringen. Es ist nicht nur amoralisch, sondern auch unehrlich.

Unter dem Sozialismus wird sich das alles selbstverständlich ändern. Es wird keine Menschen mehr geben, die in stinkenden Höhlen mit stinkenden Fetzen bekleidet wohnen und kränkliche, durch den Hunger verkümmerte Kinder inmitten einer unmöglichen, widerwärtigen Umgebung großziehn. Die Sicherheit der Gesellschaft wird nicht mehr, wie es jetzt der Fall ist, vom Stande des Wetters abhängen. Wenn Frost kommt, werden nicht mehr hunderttausend Männer ihre Arbeit verlieren und im Zustand abscheulichen Elends durch die Straßen irren oder ihre Nachbarn um ein Almosen anbetteln oder sich vor den Toren der ekelhaften Asyle drängen, um sich ein Stück Brot oder ein verwahrlostes Obdach für die Nacht zu sichern. jedes Mitglied der Gesellschaft wird an dem allgemeinen Wohlstand und Glück teilhaben, und wenn Frost hereinbricht, so wird er niemandem Schaden zufügen.

Auf der anderen Seite wird der Sozialismus einfach deshalb von Wert sein, weil er zum Individualismus führt.

Source: Die Seele des Menschen im Sozialismus

Von K.P. am 17. November 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

In Birkenwerder ist der Vorhang im Komödiantenstadl gefallen, Norbert Hagen wurde abgewählt. Jetzt bringen sich die Kandidaten für die kommende Bürgermeisterwahl in's Gespräch.

Spannend wird, finde ich, ob sich eine/r der Kandidaten nicht nur zu einer besseren Zusammenarbeit der Verwaltungen, sondern zu einer künftigen Fusion mit Hohen Neuendorf bekennen wird.

Für eine Fusion gibt es gute Gründe, das weiß jede(r), der sich in letzter Zeit an der Diskussion über Lärmaktions-, Verkehrsentwicklungs und Landschaftspläne beteiligt oder sich für mehr Lärmschutz und eine Koodierung der uns betreffenden Großprojekte engagiert hat.

Die Bürgermeisterwahl in Birkenwerder könnte (wie auch die in Hohen Neuendorf) zu einer engagierten Abstimmung über die Zukunft der beiden Kommunen werden. Es käme zu einer von unten, von den Leuten in Gang gesetzten Diskussion. Denn wird eine Fusion mit harter Hand vom neuen Innenminister befördert, dann ist das Scheitern progammiert.

Politisch wäre das für alle Kandidaten natürlich riskant, aber mutig. Und die Gelegenheit wäre günstig, Birkenwerder könnte die Initiative ergreifen, statt sich von Hohen Neuendorf mit der der gewöhnlichen Arroganz des großen Nachbarn überrollen zu lassen.

Gerade wird in Hohen Neuendorf das Stadtmarketing neu ausgerichtet. Die ersten Vorschläge scheinen mir klugerweise so flexibel gemacht, dass sich auch für neue Ortsteile noch ein Platz finden ließe. Das heißt aber: schon grafisch wäre nur der Beitritt möglich. Warum eigentlich?

Warum sollte eine Fusion nur als Eingemeindung erfolgen können, so dass der Name der kleineren Gemeinde nur als Ortsteil erhalten bleibt? Birkenwerder ist unsere grüne Mitte - und grün, das ist die Pointe mit der beide Kommunen sich von Berlin abgrenzen und versuchen, eigenes Profil zu gewinnen. Wäre also nicht auch eine Stadt Birkenwerder mit dem Ortsteil Hohen Neuendorf vorstellbar? Die Alternative zumindest für möglich zu halten, gehörte zu einer offenen Diskussion.

Von K.P. am 12. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Wolfgang Dreßen stellt mit erstaunlicher Präzision das Denken des jüdischen Religionsphilosophen Jacob Taubes dar.

Zwar glaube ich, dass sich die Pointe messianischer Verinnerlichung bei Taubes gerade nicht allein und einseitig als konservative Wende beschreiben lässt, sondern (dialektisch) als notwendige Abkühlung messianischen Eifers und Voraussetzung der politisch-theologischen Differenz, der notwendigen Unterscheidung zwischen weltlich und geistlich, ohne die wir in der fundamentalistischen Hölle landen - aber jedes Zitat von Taubes lässt spüren, wie sehr wir uns im Biedermeier des Posthistoire eingerichtet haben.

Seine Forderung der Praxis unterscheidet Taubes von vielen Vertretern der Kritischen Theorie. Keinen Frieden machen mit dieser Welt, diese unbedingte Forderung wird ihn dagegen mit Herbert Marcuse verbinden.

Das Novum unserer Situation: die Gesellschaft hat die Möglichkeit, technologisch die Möglichkeit, das menschliche Leben menschlich zu emanzipieren; möglich ist die Abschaffung der Armut und des Elends, möglich ist die Abschaffung zusätzlicher Repression. Das aber wird verhindert von der bestehenden Organisation und Herrschaft. […] Die Kritische Theorie muss […] den Skandal der qualitativen Differenz in sich aufnehmen, wenn sie nicht der Verbesserung der schlecht bleibenden Gesellschaft verfallen will.

Was Posthistoire heißt?

Es werden bürokratische und staatliche Herrschaftsmechanismen verinnerlicht. Wenn man so die Herrschaft durch außerökonomische Gewalt begründet, kann man sich auf der ökonomischen Ebene liberal geben.

Interessant war Theunissens Versuch, die Alternativbewegungen theoretisch zum Gegenspieler des Hobbesianischen […] Staates zu machen. Ich war […] demgegenüber skeptisch, weil in den Alternativbewegungen mir nichts erscheint, was sozial oder geistig als das 'ganz Andere' zu bezeichnen wäre. Wir […] haben uns geschichtsphilosophisch darauf geeinigt, dass ein Vergleich unserer Epoche mit dem der Spätantike zutrifft, heute ein 'Cäsarismus' der Bürokratie in je verschiedener Ost und West durchherrscht.

Keine andere Welt ist möglich.

Auf der Suche nach einem sicheren Exil werden dem Flüchtling von den Behörden eines Staates, der ihn nicht aufnehmen will, auf dem Globus verschiedene andere Staaten gezeigt, in die er ausreisen könne. In ihnen würde er sicher aufgenommen werden. Nach einer kurzen Pause fragt der Flüchtling die Beamten: 'Haben Sie keinen anderen Globus?'

Source: "Wir leben noch im Advent"

Von K.P. am 05. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Begriffe sind oft nur rhetorische Spielmarken im politischen Betrieb, auf Inhalte kommt es gar nicht an. Sie dienen zur Erzeugung von Konsens in der (Ziel-)Gruppe und zur moralischen Delegitimation des politischen Gegners. Sie werden als Aufputschmittel geschluckt und als Fahnen in die Schlacht geführt.

Man könnte einen ganzen Katalog solcher Begriffe (von Aufenthaltsqualität bis Zivilgesellschaft) erstellen, deren Funktion die Erzeugung politischer Gefolgschaft und nicht die Aufklärung über die wirklichen Verhältnisse ist, über die Realität, in der wir leben, über die wir uns verständigen und zu der wir Stellung beziehen. Diese Begriffe sind nicht natürlich und selbstverständlich, sondern gedankenlos, sie imprägnieren den politischen Körper, bis er für keine geschichtliche Erfahrung mehr offen ist. Sie gehören zu einem Vokabular, dessen Effekt nur Verdrängung, nie Erkenntnis ist. Wer sie verwendet, wird vielleicht seine Gefolgschaft durch eine wachsende Zahl von Fans vergrößern, aber politisch nicht klüger und handlungsmächtiger werden können.

Phrasen erkennt man daran, dass sie entkoppelt von allen Verweisen auf Wirkliches zirkulieren. Man zeigt sie vor wie Dienst- oder Vereinsausweise, gibt sich damit als Mitglied des Rackets zu erkennen und genießt die Zugehörigkeit zu seiner Gefolgschaft. Um zur verschworenen Clique zu gehören, reicht heute meist ein Klick: Gefällt mir!

Lasse dich nicht verführen - das ist erste Bürgerpflicht. An diesen heißen Diskussionen sollten wir deswegen gar nicht erst teilnehmen. Es sei denn, wir könnten vom Rand her fragen: wie meinen sie das denn? Was bedeutet das genau? Wie verstehen Sie diesen Begriff? Denken fängt immer erst mit dem zweiten Satz an. Wenn die dumme Selbstgewissheit aufhört.

Die Parolen sind dann ausgeteilt und wir haben Zeit zum Atemholen. Frische Luft kommt in die erhitzte Diskussion und kühlt das politische Klima ab. Doch sind die Diskussionen wirklich heiß und aufgeladen, dann wird, wer die Fenster öffnet, schnell als Verräter an der guten Sache ausgemacht. Besonnenheit, die aristotelische Sophrosyne, gilt heute gewiss nicht als erste unter den politischen Tugenden.

Von welchem Darsteller auf der politischen Bühne können wir uns also noch vorstellen, dass er die Zeit (und den Mut) hätte und befähigt wäre zu einem zweiten Satz?

Source: Angela Merkel: "Natürlich war die DDR ein Unrechtsstaat"

Von K.P. am 04. November 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Das Reich des kleineren Übels -  so hat Jean-Claude Michéa seine Analyse des posthistorischen Liberalismus genannt.

Aus der Demokratie neu erstanden, sei der Liberalismus durch seine dogmatische Verabsolutierung heute dabei, die Demokratie selbst zu untergraben. (...) Aus seiner strikten philosophischen Neutralität heraus, die nur Formalprinzipien wie Toleranz und Respekt anerkennt, verzichtet der Liberalismus auf jede Setzung von Wertnormen. Als bloßes Regulativ entsprechend den jeweils vorhandenen Kräfteverhältnissen in der Gesellschaft - für oder gegen Abtreibung, für oder gegen das Klonen - entwickelt die nur noch auf sich selbst setzende liberale Kultur, so Michéa, so etwas wie eine "Metaphysik der Sachzwänge". Von der Logik des unheilverhütenden kleineren Übels zur Gewissheit der besten, weil liberalsten aller Welten sei da nur ein winziger Schritt, der immer öfter getan werde. (...) Wo der Liberalismus in Laune kommt, (...) wo er alles besser zu wissen und zu machen glaubt und die nachdenkliche, besorgte Miene seiner Vordenker von Hobbes bis Benjamin Constant und Tocqueville ablegt, kann der Demokratie angst werden.

Source: Liberalismus macht Angst

Von K.P. am 09. Oktober 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Wenn Kohl der Bundeskanzlerin mangelnde Tischsitten attestiert, dann liegt er damit wahrscheinlich falsch. Die Historiker werden sich in nicht ferner Zukunft ein Urteil bilden, aber Merkel konnte vermutlich schon bevor sie Kanzlerin war mit Messer und Gabel hantieren. Doch woran Kohls Bemerkung sich entzündet haben kann, lässt sich gut vorstellen.

Denn gibt nicht Merkel, heute wie damals, das Bild einer Frau, die lustlos im Essen herumstochert und dabei notwendig den Eindruck provoziert, sie wisse möglicherweise nicht, was sie mit dem Gerät anstellen soll, das man ihr an die Hand gegeben hat, dass sie mit Messer und Gabel vielleicht ganz einfach nicht umgehen könne?

Aber das Problem ist nicht das Gerät, kein Mangel an technischen Fertigkeiten besteht hier. Es ist einfach nur diese große Lustlosigkeit, die jeden Auftritt Merkels, jede ihrer Reden und ihre Politik im Ganzen, vor allem ihre europäischen Perspektiven, charakterisiert, mit der wir sie uns auch bei Tische vorstellen können. Sie stochert im Essen wie im Politischen herum und weiß nicht so recht, was sie mit all dem anfangen soll, weil ihr der Appetit fehlt. Deswegen gibt es in Muttis Kantine nur alternativlos deutsche Hausmannkost, leicht zu verschlingen, aber schwer verdaulich.

Von K.P. am 21. September 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Kaum da, schon wirkt die rechtspopulistische Partei und wird mitgenommen. Die Märkische Allgemeine verrät, wie die Grünen (nicht nur in Baden-Würtemberg) beim Rechtsruck helfen.

Auch mit einem Ja zum falschen Grundsatzweg kann man praktisch richtige Politik ermöglichen. Es zeichnet Kretschmann aus, dass er im Bundesrat insbesondere den überforderten Kommunen im Umgang mit Flüchtlingen Luft zum Atmen verschafft hat. Im Endergebnis hat Kretschmanns Ja auch dafür gesorgt, dass die Gemeinschaft der vernünftigen Parteien nun die gute Sache machen kann: eine Asylpolitik, die die Bürger mitnimmt, die Flüchtlinge in den Mittelpunkt rückt, die Kommunen bedenkt und die den Populisten auf der rechten Seite nicht automatisch neue Kräfte verleiht.

Die Gemeinschaft der guten Parteien - man erkennt sie am Desinteresse für den liberalen Rechtsstaat, daran, dass sie nur noch Gruppenrechte pflegt, aber kein individuelles Recht auf Asyl. Auf deren Vernunft, die kein Nicht-Identisches, keine Individuen mehr kennt, kann man getrost pfeifen. Zum Beispiel so:

Bald nur noch traurig ist dann die Ansage einiger Grüner, man wolle künftig weiter für die Wiedereinsetzung des 1992 von CDU/SPD in seiner Substanz entkernten Asylrechts kämpfen. Mit wem? Mit Pro Asyl oder Amnesty International, die jetzt beide mit deutlichen Worten den Opportunisten Kretschmann kritisieren? Die Grünen sind dabei, sich ihrer noch verbliebenen außerparlamentarischen Verbündeten zu entledigen. Das wird die grünen Realisten nicht stören, kreisen sie doch ohnehin allein noch um sich selbst und ihre Posten.

Kretschmann hat mit seiner Entscheidung die skandalöse Konstruktion der "sicheren Drittstaaten" faktisch akzeptiert, die seine Partei bisher geschlossen als eklatanten Verstoß gegen das Menschenrecht gegeißelt hat, jeden einzelnen Flüchtling als Person mit dem Recht auf individuelle Anhörung zu betrachten. Bye bye Grüne

Von K.P. am 20. September 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

That the wilderness is gathering all its children back again.



The rain falls down on last year's man,
An hour has gone by
And he has not moved his hand.
But everything will happen if he only gives the word;
The lovers will rise up
And the mountains touch the ground.
But the skylight is like skin for a drum I'll never mend
And all the rain falls down amen
On the works of last year's man.

The rain falls down on last year's man,
That's a Jew's harp on the table,
That's a crayon in his hand.
And the corners of the blueprint are ruined since they rolled
Far past the stems of thumbtacks
That still throw shadows on the wood.
And the skylight is like skin for a drum I'll never mend
And all the rain falls down amen
On the works of last year's man.

I met a lady, she was playing with her soldiers in the dark
Oh one by one she had to tell them
That her name was Joan of Arc.
I was in that army, yes I stayed a little while;
I want to thank you, Joan of Arc,
For treating me so well.

And though I wear a uniform I was not born to fight;
All these wounded boys you lie beside,
Goodnight, my friends, goodnight.

I came upon a wedding that old families had contrived;
Bethlehem the bridegroom,
Babylon the bride.
Great Babylon was naked, oh she stood there trembling for me,
And Bethlehem inflamed us both
Like the shy one at some orgy.
And when we fell together all our flesh was like a veil
That I had to draw aside to see
The serpent eat its tail.

Some women wait for Jesus, and some women wait for Cain
So I hang upon my altar
And I hoist my axe again.
And I take the one who finds me back to where it all began
When Jesus was the honeymoon
And Cain was just the man.
And we read from pleasant Bibles that are bound in blood and skin
That the wilderness is gathering
All its children back again.

The rain falls down on last year's man,
An hour has gone by
And he has not moved his hand.
But everything will happen if he only gives the word;
The lovers will rise up
And the mountains touch the ground.
But the skylight is like skin for a drum I'll never mend
And all the rain falls down amen
On the works of last year's man.

Von K.P. am 19. September 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Schon witzig, wie die Grünen (auch in Brandenburg, Oberhavel) gerne mit Fingern auf die übel beleumundeten Schmuddelkinder der LINKEN zeigen. Denn gerade zeigt ein Alt-Kader des KBW (Kommunister Bund Westdeutschlands) wieder einmal, was ein echter Realo ist, und tritt auch noch die Reste des deutschen Asylrechts mit Füßen.

Parallel dazu wird (Hintergrundrauschen bei Facebook) von Menschenwürde geschwätzt und veranstalten die Grünen einen Freiheitskongress.

Dass die Grünen ein Problem mit dem Freiheitsbegriff haben, und dieser gerade deswegen nun als liberale Parole bei jeder Gelegenheit ins Spiel gebracht wird, hat weniger mit dem Veggie-Day als mit der Tradition linker Dogmatiker aus Ex - KBW, Ex - KPD/AO, Revolutionärem Kampf und ähnlichen Sekten zu tun, die mit der trostlosen Formel historischer Alternativlosigkeit als Einsicht in die Notwendigkeit ihre Gegner beseitigt und die Partei auf realistischen Kurs gebracht haben.

So wäre ein Freiheitskongress nicht die schlechteste Gelegenheit für die Erinnerung an die eigene Partei- und Anpassungsgeschichte, die gerade wieder einen kaum noch zu übertreffenden Höhepunkt erreicht hat.

Von K.P. am 15. September 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

... wird - durch drei Direktmandate (u.a. Inka Gossmann-Reetz aus Hohen Neuendorf) gestärkt - jetzt sicher mit noch mehr (Nach)Druck dafür sorgen, dass das elende Gutscheinsystem für Asylbewerber im Kreis endlich abgeschafft wird.

Damit "Wir sind OHV" nicht weiter bedeutet: ihr aber nicht! Und "das ist, was wir machen" nicht länger heißt: das ist, was wir mit euch machen.

Von K.P. am 08. September 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Wenn Cem Özdemir gefragt wird, ob er eine Kundgebung in Berlin unterstützt, die unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" steht, dann antwortet er wie folgt und zeigt, dass er nicht kapiert hat, dass Antisemitismus nur um den Preis kalter Abstraktion als eine Form "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" unter anderen sich klassifizieren lässt:

Antisemitismus und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit müssen von allen demokratischen Kräften gemeinsam bekämpft werden. Durch Aufklärung und Zivilcourage müssen wir uns entgegenstellen, wenn Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Herkunft angegriffen werden, Synagogen oder Moscheen, Kirchen oder Tempel geschändet werden. Die Lehren aus der deutschen Geschichte müssen von allen Bürgerinnen und Bürgern verinnerlicht werden, auch von denen mit ausländischen Wurzeln.

Er sagt also im soziologischen Jargon, dass er eigentlich nur gegen das bisschen Antisemitismus nicht aufstehen möchte, wenn schon, dann im Stil moralischer Totalbetroffenheit gegen alle "Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" (Wilhelm Heitmeyer). Solidarität ist aber immer konkret.

Source: »Ich unterstütze das!«

Von K.P. am 05. September 2014 keine Kommentare

Archive Kultur

Politischer Realismus tritt in Deutschland gerne hypermoralisch auf.

Realos, das sind in allen Parteiungen die, die mit dem Gestus nüchterner Männlichkeit meinen, es müssten endlich die harten Fakten zur Kenntnis genommen und Verantwortung übernommen werden. Verantwortung - so buchstabiert man heute Militarismus. Gerne wirft man dem Gegner vor, naiv zu sein.

Die vermeintlichen Realisten sind in Wirklichkeit eine Clique von Gesinnnungsethikern, die die Welt nach ihrem Bild einrichten wollen. Nicht politische Interessen geraten dann in den Blick, sondern moralische Statements erhitzen den öffentliche Diskurs und lassen schließlich Krieg als Mittel zur Durchsetzung von Menschenrechten erscheinen, während er doch einzig legitim ist als letztes Mittel zur Rettung der bloßen Existenz.

Zur Moralität gehört, dass ich für das, was ich moralisch will, in der Realität einstehen kann. Ein guter Wille, der sich überfordert, macht Unfug. (...) In unserer westlichen Tradition der Befreiung müssen wir die sentimentale Verwirrung zurücknehmen und die gleiche Intensität des Gefühls auf langfristige Pazifizierung konzentrieren. (Alexander Kluge: "Unwirklichkeit tötet")

Von K.P. am 22. August 2014 keine Kommentare

Archive Hohen Neuendorf

Wahlplakate öffnen eine Welt des Imaginären, will man sie verstehen, muss man lesen, was nicht geschrieben steht, sondern im politischen Raum geträumt wird. Im besten Fall können wir dann aus dem Traum erwachen, mit dem in Wahlzeiten die Politik uns lockt.

Michael Heider finden wir mittendrin. Hier soll, heißt das, Klartext geredet werden, ein Wort, keine weiteren Ansagen.

Michael Heider

Aber so klar ist das nicht. Denn wo steckt der Kandidat genau? Was ist seine Position? Wo man sich befindet, wenn man mittendrin ist, versteht sich so wenig von selbst wie die Geometrie der politischen Mitte.

Wir werden ihn zunächst unter Leuten, im Getümmel, mitten im Leben suchen müssen. Wer mittendrin ist, hat keine Berührungsängste, sondern gibt sich volksnah; der auch bei anderen bürgerlichen Kandidaten zu beobachtende Verzicht auf die nicht mehr obligatorische Krawatte signalisiert Ungezwungenheit; und schaut man genau hin, scheint er sich auch des Jacketts gerne entledigen zu wollen. Ein Kandidat tritt auf, der die Menge nicht scheut, sondern sich mit den Menschen verbunden fühlt, ein Kumpeltyp.

Aber das können wir nur vermuten, denn gezeigt wird auf dem Plakat allein der Kandidat, keine Menschenmenge, die den Slogan anschaulich und visuell prägnant machte. Wo der Kandidat ist, gibt das Plakat zu verstehen, ist die Menge immer auch virtuell präsent. Er ist die Spinne mitten im Netz, der Kandidat gibt sich als Netzwerker zu erkennen, als Strippenzieher. Wenn der Intellektuelle dem geläufigen Vorurteil nach zwar keine Ahnung hat, aber weiß, wo man nachschlagen sollte, um ein wenig klüger zu werden, dann zaubert der Netzwerker kein Programm, sondern im Zweifelsfall einen Kontakt herbei, an den man sich wenden sollte. Der Netzwerker ist die Mensch gewordene Weiterleitung.

Stets besteht beim Netzwerker die Gefahr, den Allmachtsphantasien zu erliegen, die ihm sein außergewöhnlich gut gepflegtes Adressbuch einflüstert. Er träumt von der Gefolgschaft, die er an der Leine zu führen weiß: dann genügten ein Anruf oder eine E-Mail und die gut organisierte Kleinstgruppe stünde zur Durchsetzung seiner politischen Interessen bereit. Wir haben hier also einen Kandidaten, der sich für die Politik die Strategien klassischer Bürgerinitiativen zum Vorbild nimmt, dabei aber weniger auf das frei schwebende und politisch distanzierte Bürgertum setzen wird, sondern in Vereinen und Verbänden die Strippen zieht. Mittendrin ist er nicht im Chaotischen, im Ungebundenen, sondern er weiß die schon vorhandenen Strukturen und Netze für sich zu nutzen. Er steckt mittendrin im Bestehenden, nicht dort, wo Neues gärt.

Und mittendrin - das heißt natürlich auch: in der Mitte. Der Kandidat ist dem Anschein nach also politisch weder rechts noch links, sondern ganz einfach da, in der Mitte. So wird um den Mittelstand geworben, aus dem soziologisch vor allem die Wechselwähler kommen. Adressat des Plakats sind vor allem die nicht ganz so sicheren Anhänger der Grünen, die mit den Assoziationen bürgerlicher Bewegung mitten im Leben gelockt werden sollen.

(Aber die ganz und gar nicht neue Bescheidenheit der Mitte trägt die Signatur des Banalen. Sie hat nichts mit dem bekannten Orakelspruch aus Delphi zu tun, der nichts im Übermaß zu tun verlangte. Das antike Lob der Balance gehört einer Zeit an, in der Politik die Sache nicht von Parteien, sondern freier Männer war, die Hybris und die Versuchung des Extremen kannten. War in der Bundesrepublik der 50er Jahren die Angst vor dem Verlust der Mitte noch getrieben von der anti-modernen Sehnsucht nach katholischer Weltorientierung, bleibt die Mitte heute spannungs- und substanzlos. Sie ist keine agonale Sphäre, in der Konkurrenz und Polarisierung ausdrücklich gewollt ist, sondern das Feld von Konfliktmanagement das nicht mehr, sondern weniger Demokratie bringt. Mitte, das ist die Chiffre für den Status quo, sie bezeichnet eine Situation allgemeiner Erschöpfung. Gerade das so forsche wie offensive Auftreten ihrer Vertreter, die die Position in der Mitte für selbstverständlich und nicht weiter erklärungsbedürftig halten, ist kaum mehr als die Maske allgemeiner Ratlosigkeit, die sich hinter der Hyperaktivät verbirgt. Mit der Mitte wird der politische Ausgleich beschworen, bevor es zum Streit darüber, wie wir leben wollen, überhaupt kam. Differenzen werden verdrängt und Konflikte allenfalls hysterisch als Personalentscheidungen ausgetragen. Suggeriert wird paternalistisch ein überparteilicher Standpunkt jenseits partikularer Interessen. Mittendrin, das ist die Illusion einer befriedeten Welt, in der Interessengegensätze und antagonistischen Strukturen verleugnet werden.)

Aber das in der Mitte verdrängte Politische kehrt wieder. Alle anderen nämlich, impliziert das Plakat, sind nicht mittendrin, sondern am Rand, am rechten oder linken. Das macht deutlich: wer die Mitte definieren und behaupten will, führt immer einen Extremistendiskurs, in dem benannt wird, wer im politischen Raum keinen Platz hat. Indem man das Reich der Mitte hegt, wird der politische Feind ausgeschlossen, die Mitte zieht sich dann zusammen und hat keinen so großen Umfang, wie es den Anschein haben könnte, denn es gibt einen immer größeren Rand. So bunt und vielfältig kann das Leben also nicht sein, in dessen Mitte der Kandidat steckt. Mittendrin ist keineswegs so liberal, wie es klingt.

Kein Wunder also, dass Sicherheit das zentrale Thema der Mitte ist. Denn mit Sicherheit ist nie nur die gute Versorgung mit Polizeikräften vor Ort gemeint, der Begriff wird als Metapher eines Lebensgefühls plakatiert: alles soll so bleiben, wie es ist. Zuletzt ist es die Große Mutter, die Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Die Politik der Mitte gehorcht (nicht nur unter Merkel) der Formel TINA - "there is no alternative". Der Bürger soll einfach nur verstehen, was für ihn notwendig ist. Und bis dahin können wir endlos diskutieren - schön, dass wir darüber geredet haben. Es gibt dann nur noch Vermittlungsprobleme, der Bürger muss nur verstehen, was die Politik will. Wenn er einmal gegen etwas sein sollte, dann nur, weil er nicht verstanden hat, worum es geht und was doch zu seinem Besten ist. An die Stelle von Streit und (Richtungs-)Entscheidung treten Akzeptanzgewinnungsmaßnahmen und Bürgerinformationsveranstaltungen, die mit demokratischer (Bürger-)Beteiligung nichts zu tun haben.

So versteht sich der Kandidat dann auch ganz konsequent als Dolmetscher - mittendrin sei er nämlich zwischen Landes- und Lokalpolitik verortet. Gegen das Zerrbild des Berufspolitikers, das ja gerade Politikverdrossene gerne beschwören, wird mit dem des politischen Neulings kokettiert. Die große Politik in Potsdam soll den kleinen Leuten verständlich gemacht werden, zu denen sich der Kandidat gerne zählt, will er doch im Ernstfall so lange nachfragen, bis die gerade verhandelte Sache ihm tatsächlich klar geworden ist. Damit ist freilich kaum mehr als die Banalität ausgesprochen, dass im Parlament sich nur zu Themen äußern und über Anträge abstimmen sollte, wer diese verstanden hat. Das Gegenteil allerdings dürfte der Fall sein, denn im politischen Alltagsgeschäft ist Kompetenzsimulation eine unverzichtbare Tugend. Und ist nicht selbstverständlich, dass ein gewählter Politiker auch befähigt sein sollte, vor Ort darüber Rechenschaft abzulegen, was er in Potsdam vertritt und beschließt? So werden in Hohen Neuendorf die Usancen repräsentativer Demokratie als Alleinstellungsmerkmal plakatiert.

Kontakt

Sie sind in der Scharfschwerdtstraße 43 gelandet, dem Büro Blog von Karsten Poppe.

Ich arbeite für Sie als Lektor. Von Beratung und Textentwicklung (Korrekturen, Lektorat, Ghostwriting) bis zur Gestaltung (Word, Open Office, PDF, DocBook, HTML/CSS, LaTeX, ePub).

Dr. Karsten Poppe
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Wie ist es möglich, dass man nicht derartig, im Namen dieser Prinzipien da, zu solchen Zwecken und mit solchen Verfahren regiert wird - dass man nicht so und nicht dafür und nicht von denen da regiert wird?

- Michel Foucault

Wer denkt, ist in aller Kritik nicht wütend: Denken hat die Wut sublimiert.

- Theodor W. Adorno

Tant mieux. Nicht weinen. Der Unsinn der kritischen Prognosen.

- Walter Benjamin

Heute kommt es (…) darauf an, zu retten, was von der persönlichen Freiheit noch übrig ist. Radikal sein heißt heute konservativ sein.

- Max Horkheimer

I have no spiritual investment in this world as it is.

- Jacob Taubes

xarPress5 - HTML5 Content Management mit System

xarPress5 ist das von mir im Frontend (mit-)entwickelte Content Management System für barrierearme, standardkonforme und nachhaltige Websites.

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Portugal

Wer sich für Portugal interessiert, dem sei ein Besuch in Lissabon oder Sintra empfohlen. Und wer nach Informationen über Portugal sucht, der kann sich im Portugalforum mit anderen austauschen.

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Texte, Fragmente und Improvisationen zu Walter Benjamin und Jacob Taubes.

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