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geschlossenen Brüdern
Seit 1998 steht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), dass entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere körperliche und seelische Misshandlungen, verboten sind. Im Jahre 2000 wurde darüber hinaus festgelegt, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung
haben. Körperliche Bestrafung, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig
. Doch weit davon entfernt, Abscheu zu erregen, wird biblisch legitimierte Gewalt gegen Kinder von fundamentalistischen Kreisen wie den geschlossenen Brüdern
im Internet mit Applaus bedacht.
Kurz vor Weihnachten hat der NDR über evangelikale Erziehung mit der Rute berichtet. So empfehlen einige christliche Erziehungsratgeber, Kinder mit körperlicher Gewalt zu züchtigen, auf Vortragsreisen durch Niedersachsen vertreten evangelikale Prediger diese Haltung. Schon Ende der 90er-Jahre hatte eine Enquete-Kommission des Bundestags festgestellt, dass in christlich-fundamentalistischen Gemeinden eine mitunter deutliche Befürwortung disziplinierender, körperlicher Züchtigungen
verbreitet sei. Und der Kriminologe Christian Pfeiffer kam dieses Jahr in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Kinder in evangelikalen Freikirchen besonders häufig geschlagen werden. Bereits im Herbst 2010 hatte die Süddeutsche Zeitung (SZ) einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht. Kindererziehung mit dem Rohrstock habe in fundamentalistischen christlichen Kreisen Konjunktur, schließlich stehe das so in der Bibel.
Genau in diesem Sinne äußert sich einer der eifrigsten Publizisten der so genannten geschlossenen Brüder
, die in Deutschland auch unter der Bezeichung Christliche Versammlung
oder alte Versammlung
bekannt sind: Manuel Seibel.
In einem Artikel mit dem Titel Heftige Kontroverse: Erziehung mit der Rute?
verteidigt er die in evangelikalen Erziehungsratgebern publizierten Anleitungen zur Kindesmisshandlung und -entwürdigung mit dem Hinweis auf ihre biblischen Fundamente. Er bekennt sich, auch wenn er seine Glaubensbrüdern das Gegenteil empfiehlt, zur biblischen Grundlage der Gewalt gegen Kinder und rät ganz offen, in den eigenen vier Wänden den Rechtsbruch (§1631 BGB) in Betracht zu ziehen.
Mit Spott reagiert Seibel auf die Reaktion der, wie er natürlich schreibt, weil seine Gemeinden die einzig wahren Christen repräsentiert, sogenannten Kirchen
auf die Veröffentlichung der evangelikalen Erziehungsratgeber. Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Oberlandeskirchenrätin der evangelischen Kirche in Hannover, hatte sich erschreckt gezeigt und die Praktiken aufs Schärfte verurteilt. Von Manul Seibel muss sie sich nun sagen lassen, sie hätte zu allen politischen Themen eine Meinung
, würde aber die biblische Position
verraten und sich der politischen Mehrheiten anschließen. Die Kirche würde sich von der göttlichen Wahrheit distanzieren, um in der Gesellschaft Akzeptanz zu finden
. Dass die Bibel nicht buchstäblich und als Handelsanweisung gelesen werden, müsse man, so Seibel, nicht weiter kommentieren
. Denn in fundamentalistischen Kreisen ist eben das die gemeinsame Voraussetzung und Grundlage des christlichen Gemeindelebens. Und wer sie nicht akzeptiert, wird des Verrats an christlichen Überzeugungen und Grundprinzipien
bezichtigt.
Er stilisiert Wilfried Plock, den christlichen Prediger und Leiter der Konferenz für Gemeindegründung (KfG), über dessen praktische Ratschläge für die körperliche Züchtigung der NDR berichtet hatte, als Nachfolger Christi, verfolgt durch die säkulare Mehrheitsgesellschaft, zu der in den Augen der bibeltreuen Christen auch die evangelische und katholische Amtskirche zählt.
Lasst uns auch für Christen beten wie Wilfried Plock, die jetzt derart unter Druck stehen und dadurch zu echten Nachfolgern unseres verworfenen Herrn und Meisters, Jesus Christus, werden dürfen.
Und das ist nicht nur Seibels Position, sondern ein Aufruf an seine christlichen Glaubensbrüder. Es geht Seibel darum, uns auf ihre Seite stellen
, auf die Seite der Prediger und ihrer bibeltreuen Rechtfertigung von Gewalt gegen Kinder.
Dabei gibt Seibel in seinem Artikel auch einen Einblick in das nicht vor allem reaktionäre oder konservative, sondern ganz einfach nur simple und hoffnungslose Menschenbild der fundamentalistischen Christen. Betroffen sind von diesem Menschenbild vor allem Kinder, die nicht nur psychisch von apokalyptischen Drohungen oft ein Leben lang traumatisiert sind, sondern physisch Opfer von biblisch legitimierter Gewalt werden. Deutlich wird, dass bibeltreues Christentum keineswegs harmlos ist, sondern politische und ganz praktische Folgen im Alltag hat.
(Einige hinsichtlich der Gewalt gegen Kinder bemerkenswerte Elemente dieses Weltbildes stelle ich in einem weiteren Artikel vor: Gewalt als Fundamrent bibeltreuer Erziehung.)
Manuel Seibel redet nicht lange um den heißen Brei herum, sondern macht seine Position in aller Deutlichkeit klar.
Von den Erziehungsratgebern mit ihren skandalösen Praktiken heißt es, dass sie sich der biblischen Position anschließen
würden. Damit ist prinziell schon alles gesagt, da im fundamentalistischen Rahmen die bibeltreue Position immer auch schon die richtige ist. Es geht nur darum, dass man das Alte Testament (das Buch der Sprüche) auch heute anwenden
kann und soll.
Es gibt deswegen keine Absage an Gewalt in der Erziehung, sie muss nur richtig praktiziert werden:
Wir wissen, dass es Gottes Weisheit ist, die im Alten Testament den maßvollen Einsatz der Rute empfiehlt. Wo immer Gott etwas empfiehlt, ist es zum Segen der Menschen, wenn sie sich daran halten. Daran ist unsere Gott-lose Gesellschaft in keiner Weise interessiert. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen.
Zwar habe Erziehung im Zorn und mit Prügel (...) keine Grundlage in der Schrift
, wohl aber Gewalt, die nicht im Zorn, sondern als bewusste Züchtigung ausgeübt wird. Es gehe nicht darum, körperliche und psychische Gewalt komplett
abzulehnen, sondern
sie in guter Weise zu regulieren
. Die Rute sei zwar nicht das erste, aber das letzte Mittel und ultima ratio christlicher Erziehung.
Natürlich sollen Eltern ihre Kinder liebevoll erziehen. Selbst für diejenigen Christen, die auf der Grundlage der Bibel ihre Kinder erziehen wollen (und §1631 BGB nicht kennen), kann die Rute nur das letzte Mittel sein (die Ultima Ratio), nicht das präferierte und erste Instrument, das in der Erziehung einzusetzen ist – jedenfalls ist alles andere nicht biblisch zu begründen (...). Dieses Mittel darf dann auch nicht im Zorn eingesetzt, sondern muss maßvoll benutzt werden, wie es auch in den meisten der derzeit gescholtenen christlichen Ratgebern heißt. Kinder müssen lernen zu gehorchen. Sie müssen später in der Schule bereit sein, sich dem Lehrer unterzuordnen. Sie müssen das auch im Beruf machen. So ist es gut, sie im Blick auf Gehorsam in einer Atmosphäre der Liebe im Elterhaus vorzubereiten.
Ziel der biblischen Erziehung sei Jesus Christus
. D.h. wo Kinder sich diesem Ziel nicht beugen wollen, werden sie in bibeltreuen Kreisen mit Gewalt zu rechnen haben. Denn:
Wenn unsere Kinder nicht lernen, gehorsam zu sein, werden sie sich auch nicht bekehren.
Der deutsche Rechtsstaat und damit auch §1631 des BGB, der Kindern das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung sichert, wird von Seibel des Übergriffs auf die Privatsphäre der christlichen Minderheit bezichtigt. Der Staat mische sich, eine typische Argumentationsfigur der fundamentalistischen Christen, in Dinge ein, die ihn nichts angingen.
Dennoch versucht die Politik seit einigen Jahren, die Erziehung immer stärker in die Verantwortung des öffentlichen Raums zu bringen. Eltern sollen dieser Verantwortung nur noch in dem Rahmen entsprechen dürfen, wie die politischen Mehrheiten ihn vorgeben.
Das Recht auf gewaltfreie Erziehung wird relativiert, indem es nur noch als bloße Setzung der politischen Mehrheit gilt.
Die christlichen Fundamentalisten stilisieren sich als verfolgte Minderheit; man lebe in Deutschland unter einer gottlosen Obrigkeiten
. Bibeltreue Christen müssen sich deswegen entscheiden, ob sie der gottlosen Obrigkeit des deutschen Rechtsstaates oder dem Wort Gottes gehorchen.
Jeder muss für sich entscheiden, inwieweit es ein direktes Gebot Gottes gibt, dem wir hier zu folgen haben, wenn wir uns einer obrigkeitlichen Anordnung widersetzen.
In Sachen christlicher Erziehung ist die Entscheidung natürlich längst gefallen. Während Seibel die Öffentlichkeit nicht scheut, legt er seinen Glaubensbrüdern allerdings nahe, mit ihrer biblischen Haltung besser im Privaten zu bleiben und sich in Erziehungsfragen nicht in die Karten sehen zu lassen:
Wir sind im Übrigen auch nicht in der Pflicht, jede unserer persönlichen Auffassungen auf einem Marktplatz in die Öffentlichkeit zu tragen.
Warum sich die Brüdergemeinden geschlossen nennen, bekommt so eine ganz plausible Erklärung. Das Recht auf Privatsphäre wird hinter den geschlossenen Türen der fundamentalistischen Christen zur biblisch legitimierten Praxis körperlicher Züchtigung.
Politisch ist deswegen Aufklärung gefordert, und das kann nur heißen, wachsam zu bleiben und einen Blick in diese geschlossenen Räume zu werfen. Denn §1631 BGB, in dem Kindern das Recht auf gewaltfreie Erziehung garantiert wird, ist in Deutschland nicht nur die Meinung einer (gottlosen) Mehrheit sondern Recht, das für alle Kinder gilt, ganz gleich welchen Glaubens.
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Wie ist es möglich, dass man nicht derartig, im Namen dieser Prinzipien da, zu solchen Zwecken und mit solchen Verfahren regiert wird - dass man nicht so und nicht dafür und nicht von denen da regiert wird?
- Michel Foucault
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Gewalt gegen Kinder in bibeltreuen Gemeinden.
Wird das Adorno-Zitat zum Textbeginn (oder -ende) obligatorisch zur intellektuellen Anerkennung und Reinwaschung, ist die Frage nur berechtigt, wie Adorno zum Autoritätsbezug werden konnte: der Charakter eines Adorno-Zitates ist affirmativ geworden, selten kritisch, nie problematisierend. Die Funktion eines Adorno-Verweises ist festgelegt auf die nicht mehr zu hinterfragende Klarheit eines bestimmten Sachverhalts. Bevorzugter Referenzpunkt einer solchen vermeintlichen Klarheit bilden die verdienstvollen Ausführungen zur Antisemitismustheorie und der damit verknüpften Theoretisierung des NS (auf den Begriff der verwalteten Welt gebracht).
Why a re-introduction? Because JavaScript has a reasonable claim to being the world's most misunderstood programming language. While often derided as a toy, beneath its deceptive simplicity lie some powerful language features. 2005 saw the launch of a number of high-profile JavaScript applications, showing that deeper knowledge of this technology is an important skill for any web developer.