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Kommunismus - man wird doch wohl noch fragen dürfen?

Von K.P. am 27. Januar 2012

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Goethe, einer der großen Illiberalen der deutschen Literatur und Verächter der Pressefreiheit, hat, so Thoman Mann, eher Sympathien für Russland als für Amerika gehabt.

Thoman Mann stilisiert Goethe, den Klassiker, den naturgemäß alle kennen, aber keiner liest, in einem Tagebucheintrag hellsichtig als anti-demokratischen Geist, dem westlich-amerikanische Demokratie fremd sei. Die stalinistische Sowjetunion wird dem Schriftsteller im amerikanischen Exil zur deutsch-bildungsbürgerlichen Utopie des humanen Verwaltungsstaates.

Man wird, so Thoman Mann, doch wohl die Frage stellen dürfen, ob wissenschaftliche und künstlerische Freiheit in einem sozialistischen Staatswesen nicht besser aufgehoben wäre als unter einer zur Durchsetzung partikularer (Kapital-)Interessen installierten liberalen Verfassung.

Vorsorglich hat der deutsche Großschriftsteller, der in Amerika schnell als Freund der Kommunisten verdächtigt wurde, diesen Teil seiner Goetherede nicht öffentlich vorgetragen und publiziert, die Notiz ist nur im Tagebuch überliefert.

Sein heller Geist hat sich bestimmt keine Illusionen darüber gemacht, dass es unter den neuen sozialen Verhältnissen um die staatsfreie Sphäre, auf welcher der Liberalismus besteht, mehr und mehr geschehen sein werde, und ich würde mich nicht wundern, wenn schon die Frage ihn beschäftigt hätte, ob die Freiheit der Forschung und Kunst nicht bei einem Staat, der selbst nicht mehr das Instrument des Privatinteresses wäre, besser aufgehoben wäre, als in der Abhängigkeit von eben diesem.

Das muss als Hintergrund präsent sein, wenn Christa Wolf die Erzählerin in der Stadt der Engel die Stelle Aug' in Aug' mit dem Kollaps des Bankwesens und der Krise des Kapitalismus zitieren und fragen lässt:

Wer stellt heute noch solche Fragen? Wer wagt sie auszusprechen?

Wenn heute (von der CDU Brandenburg, und selbstverständlich nicht nur von der CDU Brandenburg) versucht wird, die deutsche Geschichte von allen kommunistischen Erinnerungsspuren zu säubern, dann ist Thomas Manns vorsorgliche (Selbst-)Zensur solch sonderbare(r) Fragestellungen wieder verständlich. (Andererseits kann man kaum damit rechnen, dass der anti-kommunistische Horizont einer Partei, die die Bildung aus ihrer Bürgerlichkeit  gestrichen hat, bis zu dieser klandestinen Tradition freien Denkens reicht.)

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